Von vollen Bewerberbänken können viele CFOs derzeit nur träumen. Der Wettbewerb um Finanzfachkräfte nimmt immer weiter zu.

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24.07.19
CFO

Jobchancen für Finanzbuchhalter so gut wie lange nicht

Wer als Finanzexperte den Arbeitsplatz wechseln will, muss derzeit nicht allzu lange suchen. Insbesondere die Nachfrage nach Finanzbuchhaltern ist im zurückliegenden Quartal noch einmal deutlich gestiegen.

Die Jobaussichten für Finanzbuchhalter, Controller und Co. werden immer besser: Gegenüber dem Vorquartal ist die Nachfrage nach Fachkräften für die Finanzabteilung erneut gestiegen, ergab eine Auswertung des Fachkräfte-Index Finance der Personalberatung Hays. Für den Index werden quartalsweise die Stellenanzeigen der meistfrequentierten Online-Jobbörsen und Tageszeitungen sowie des Business-Netzwerks Xing ausgewertet.

Das Ergebnis: Der Fachkräfte-Index für Finanzer kletterte im zweiten Quartal 2019 gegenüber dem Vorquartal um weitere 9 Punkte auf den neuen Höchstwert von 173. Der Referenzwert von 100 bildet das erste Quartal 2015 ab.

Große Nachfrage nach Finanzbuchhaltern

Besonders stark hat im zweiten Quartal die Nachfrage nach Finanzbuchhaltern zugelegt: Dort schnellte der Index um gewaltige 26 Punkte nach oben und verbesserte sich von 156 auf 182 Zähler. Dies ist der mit Abstand höchste Wert, den die Finanzbuchhalter seit Auflage der Erhebung erzielen konnten – und ein starker Kontrast zu der früher ausgesprochen verhaltenen Nachfrage nach Finanzbuchhaltern. Im zweiten Quartal 2016 war der Index sogar auf 96 Punkte abgesunken. In den zurückliegenden zwei Jahren hatte sich der Index für Finanzbuchhalter dann bei Werten zwischen 150 und 160 Punkten eingependelt. 

Der jüngste Nachfragesprung bringt die Finanzbuchhalter im aktuellen Ranking der meistgesuchten Positionen auf den dritten Rang. Stärker haben sich seit dem Referenzquartal 2015 nur zwei Berufsgruppen entwickelt: Der Index für Tax Manager liegt mit 245 Punkten an der Spitze. Den zweiten Rang belegen Compliance-Manager, die gegenüber dem ersten Quartal 2019 um weitere 22 Punkte auf einen Wert von 240 zulegen konnten. 

IT-Branche sucht händeringend Finanzexperten

Die hohe Nachfrage nach Fachkräften zieht sich quer durch alle Spezialisierungen: Auch Bilanzbuchhalter (+ 13 Punkte auf 171) sowie Controller (+ 6 Punkte auf 180) waren stärker gefragt als im ersten Quartal und runden die Top-5 der meistgesuchten Finanzpositionen ab.

Noch deutlicher wird die Entwicklung, wenn man die aktuellen Jobperspektiven mit denen des zweiten Quartals 2018 vergleicht: Im Vergleich zum Vorjahresquartal haben die Indexwerte der Hays-Analyse zufolge für alle neun untersuchten Positionen zweistellig zugelegt. Den stärksten Zuwachs gab es bei Compliance-Managern, die in den vergangenen zwölf Monaten um 70 Punkte zulegen konnten.

Geradezu explodiert ist der Bedarf an Finanzfachkräften bei IT-Unternehmen, wo der Indexwert gegenüber dem ersten Quartal 2019 um ganze 40 Punkte auf 336 zulegte. Noch deutlicher ist der Sprung gegenüber dem Sommer 2018: Gemessen am Vorjahresquartal liegt das Plus bei 159 Punkten. Auch bei Personaldienstleistern haben Finanzexperten gute Karten, dieser Index kletterte um 24 auf 158 Punkte. Im Handel ist die Nachfrage dagegen um 13 auf 167 Punkte gesunken.

Nach Landkreisen und Städten gefiltert ist die Nachfrage nach Finanzspezialisten in der Finanzmetropole Frankfurt am höchsten, gefolgt von Berlin, München, Hamburg und Düsseldorf. An den Bundesländern gemessen gibt es in Nordrhein-Westfalen die meisten Stellen für Finanzfachkräfte, gefolgt von Bayern und Baden-Württemberg. Hessen kommt auf den vierten Rang.

CFOs müssen um Finanzfachkräfte kämpfen

Für CFOs zeigt dies, dass der Wettbewerb um Finanzfachkräfte schärfer ist denn je und auf absehbare Zeit auch nicht nachlassen wird. Auch bei der jüngsten Befragung des FINANCE CFO Panels gaben die teilnehmenden Finanzchefs im Frühjahr bereits an, dass Bewerber für Stellen in der Finanzabteilung in eine immer bessere Verhandlungsposition kämen.

Viele Bewerber kommen mit immer mehr Sonderwünschen– seien es flexible Arbeitszeiten, Sabbaticals oder Home-Office-Arbeitsplätze. Dafür sind noch nicht alle CFOs offen: „Viele fürchten Produktivitätseinbüßen. Da muss noch ein Umdenken stattfinden“, mahnte Hays-Managerin Katharina Hain vor Kurzem in einem Talk bei FINANCE-TV. Sie rät Vorgesetzten, mit Betriebsklima, Bezahlung und Jobsicherheit zu punkten. Der Druck auf die Arbeitgeber wird durch die jüngsten Statistiken nicht weniger.