Hays Fachkräfte-Index 2019 Q4: Für welche Finanzberufe die Nachfrage am stärksten schwächelt und welche Gründe der Experte Erich Schwinghammer dafür nennt, lesen Sie hier.

Fitzkes/iStock/Getty Images

31.01.20
CFO

Kippt die Nachfrage nach Finanzkräften?

Im vierten Quartal 2019 ist die Nachfrage nach Finanzfachkräften stark eingebrochen. Ist das nur ein Dip oder verändert sich gerade etwas fundamental?

Die Nachfrage nach Fachkräften im Finanzsektor ist im vierten Quartal vergangenen Jahres eingebrochen, in Teilbereichen sogar kräftig. Dies zeigt der Finance-Fachkräfte-Index der Personalberatung Hays. Am stärksten sank die Nachfrage von Personal- und IT-Dienstleistern. Bei Personaldienstleistern beispielsweise stürzte der Indexwert innerhalb nur eines einzigen Quartals von 176 auf 97 ab. Im IT-Sektor ging die Nachfrage von 251 auf 185 zurück. Den Referenzwert des Index bildet mit 100 Punkten das erste Quartal 2015.

Erich Schwinghammer, bei Hays auf die Besetzung von Finanzabteilungsposten spezialisiert, sieht bei den Einbrüchen (noch) vor allem Umfeldfaktoren am Werk: Handelsstreit, Brexit und Konjunkturabkühlung hätten viele Unternehmen dazu veranlasst, auf die Einstellungsbremse zu treten.

„Dies gilt vor allem für Controller und Buchhalter, die kurzfristig keinen Wertbeitrag leisten“, erklärt Schwinghammer. Der Nachfragewert für Finanzbuchhalter fiel um satte 62 Punkte auf jetzt nur noch 152. Die Controller-Nachfrage schmolz um 35 Punkte auf 136 Punkte ab. Auch Wirtschaftsprüfer erlitten einen Nachfragerückgang um 23 Punkte.

Risikomanager bleiben gesucht

Aber auch über diese besonders betroffenen Berufsgruppen hinaus fahren die Unternehmen in Rekrutierungsfragen auf Sicht: „Viele Unternehmen können Spitzen momentan temporär abfedern und besetzen deshalb manche Stellen auch bewusst flexibel“, beobachtet der Hays-Experte. Allerdings müssen die neuesten Zahlen auch in den langfristigen Trend eingeordnet werden: Dieser zeigte seit der Auflegung des Hays-Fachkräfte-Index im Jahr 2015 stetig nach oben, Q4 2019 brachte den ersten größeren Einbruch in diesem Zeitraum.

Und es gibt auch Lichtblicke: So ist der Nachfragewert für Risikomanager nur minimal um 4 Punkte gesunken. Schwinghammer führt dies darauf zurück, dass die regulatorischen Anforderungen nicht nur im Bankensektor stark zugenommen hätten – „ein funktionierendes Risikomanagement wird immer wichtiger. Die Zunahme von Komplexität gepaart mit politischen Entwicklungen führt zu einem enorm hohen Stellenwert dieser Funktion."

Ist der Einbruch nur ein Ausrutscher?

In der Tendenz neigt Schwinghammer dazu, die enorm schwachen Q4-Werte noch als „Ausrutscher“ zu sehen. Er setzt darauf, dass die Unternehmen wieder stärker auf Rekrutierungskurs gehen dürften, wenn sich das globale Umfeld stabilisieren sollte.

Aus Sicht des Recruiters bietet die aktuelle Unsicherheitsphase Unternehmen, die gegen den Trend schwimmen, auch Chancen: „Unternehmen und auch Banken können die aktuelle Situation clever für sich nutzen, um sich durch antizyklisches Recruiting jetzt die passenden Experten zu sichern. In einer Hochkonjunktur sind solche Leute schwierig zu finden.“

redaktion[at]finance-magazin.de

Wenn Sie erfahren möchten, ob sich die sinkende Nachfrage auch schon auf die Gehälter im Finanzbereich auswirkt, empfehlen wir Ihnen den FINANCE-Gehaltsreport 2019 mit Vergütungszahlen unter anderem für CFOs, Buchhalter, Controller, Treasury-Experten und viele weitere Finanzspezialisten.