Seit einem Jahr ist die studierte Astrophysikerin Helene von Roeder Finanzchefin des Immobilienkonzerns Vonovia.

Vonovia

FINANCE+ 20.04.20
CFO

Vonovia-CFO von Roeder: „Wir setzen niemanden auf die Straße“

Seit einem Jahr wacht Helene von Roeder über die Vonovia-Finanzen. Erste Zwischenerfolge als CFO hat sie bereits erzielen können. Im FINANCE-Interview wehrt sie sich jetzt gegen das schlechte Image, das dem Immobilienriesen anhaftet.

Frau Helene von Roeder, Sie sind seit rund einem Jahr Finanzchefin von Deutschlands größtem Immobilienkonzern. Zuvor haben Sie Ihre gesamte Karriere in der Bankenbranche verbracht. Hat Sie in Ihren ersten Monaten bei Vonovia etwas überrascht?
Ja, absolut. Vonovia ist trotz seiner Größe ein innovatives und agiles Unternehmen mit schnellen Entscheidungswegen – durchaus auch mal unkonventionell und auf Zuruf. Das hat mich positiv überrascht.

Das muss bei Ihrer Bankenvergangenheit ja ein ganz schöner Kulturschock gewesen sein.
(Lacht) Na ja, um eine Anekdote zu erzählen: Ich erinnere mich an eines meiner ersten Meetings hier, da hat ein Mitarbeiter eine wirklich sehr gute Idee geäußert. Ich hatte noch meinen typischen Bankenhut auf und fing erst mal an zu sagen, dass wir eine Risiko-Compliance machen müssten und die Auswirkung auf die Ratios analysieren sollten. Unser CEO Rolf Buch sagte dann einfach: „Finde ich super, machen wir!“

Sie haben sich dem Anschein nach aber schnell eingefunden und in den vergangenen Monaten erste Duftmarken als CFO gesetzt. So hat Vonovia Anfang des Jahres ein besichertes Darlehen über 500 Millionen Euro aufgenommen. Was war die Ratio hinter der Transaktion?
Hier ging es ein wenig nach dem Prinzip „Back to the Roots“. Wir haben in den vergangenen Jahren viele unbesicherte Finanzierungen abgeschlossen, was für Immobilienkonzerne lange untypisch war. Wir prüfen aber stets alle verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten und schauen dann opportunistisch, was für uns die attraktivste Variante ist. Zu dem Zeitpunkt der Emission war das besicherte Darlehen fast 100 Basispunkte unter der unbesicherten Finanzierung. Es wäre zu dem Zeitpunkt also absurd gewesen, einen Euro-Bond zu begeben.

Wie war es für Sie, die Seiten zu wechseln und eine Finanzierung nicht mehr nur aus Bankperspektive zu verfolgen?
Ich wollte nicht mehr nur beraten, sondern einfach selber machen. Es war schon eine neue Erfahrung, selbst im Feuer zu stehen. Gehe ich mit dem Bond jetzt raus, oder warte ich noch? Als Berater kniet man sich zwar rein, hat aber nicht das letzte Wort.

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