16.07.12
CFO

5 Fragen an … Roland Mauss

Vom Wirtschaftsprüfer zum CFO: Roland Mauss ist schon seit 15 Jahren Finanzchef des Edelstahlschrotthändlers KMR Stainless. Nach dieser Zeit überrascht ihn eigentlich kaum noch etwas. Man müsse leider stets mit allem rechnen, sagt er gegenüber FINANCE.

FINANCE: Warum sind Sie CFO geworden?
Roland Mauss: Jedenfalls nicht, weil ich es schon seit Kinderbeinen werden wollte und meinen Lebenslauf schon mit Hilfe meiner Eltern entsprechend getrimmt habe. Ursprünglich stand der Arztberuf ganz oben auf der Prioritätenliste. Wahrscheinlich wegen des weißen Kittels. In die Funktion eines CFO darf man bei entsprechender Ausbildung mit dem nötigen Glück hineinwachsen und kann dann zufrieden sein, einen so interessanten und vielseitigen Job zu haben. Allerdings haben mich die Finanzen dann in meiner universitären Laufbahn und auch in der beruflichen Praxis immer fasziniert und begleitet.

FINANCE: Welche war die herausforderndste Finanzierung, die Sie durchgeführt haben? Worin bestand die Herausforderung?
Roland Mauss: Die größte Herausforderung aktuellen Datums war bislang die Refinanzierung einer bestehenden Konsortialfinanzierung in der ersten Jahreshälfte 2010. Das Umfeld war alles andere als unterstützend, die Situation bei den Banken kaum einzuschätzen. Am Ende kam es auf das richtige Timing an, um akzeptable Konditionen zu erreichen. Auch die Frage der Zusammenstellung des Konsortialkreises war keine leichte Aufgabe. Wenn man sich aber die aktuelle Bankenlandschaft anschaut, könnten die größten Herausforderungen noch warten. Darauf versuchen wir uns heute schon vorzubereiten. Die mit Sicherheit größte Aufgabe meiner Laufbahn war es jedoch, unserer damals noch jungen Unternehmung eine maßgeschneiderte Finanzierung unabhängig von den Gesellschaftern zu sichern. Die meisten Banken waren zu Beginn noch nicht reif für ein so tolles Unternehmen wie uns, um es mal positiv auszudrücken.

FINANCE: Was ärgert Sie im CFO-Alltag?
Roland Mauss: Zunächst einmal die Feststellung, dass dies eine typisch deutsche Journalistenfrage ist. Ärger und Verdrossenheit stehen offensichtlich im Vordergrund des Interesses der Öffentlichkeit. Ich hätte lieber geantwortet, was mir im CFO-Alltag am meisten Spaß macht. Doch wo Sie schon so nett fragen: Mich ärgert die Einstellung und Qualifikation mancher Gesprächspartner, die es nicht vermögen über den Tellerrand ihres kleinen Universums hinauszuschauen und sich insbesondere mit den Gegebenheiten in ihren Organisationen vollkommen kritik- und leidenschaftslos zufrieden geben. Das Leben findet für diese Leute scheinbar nur außerhalb ihrer Arbeitsplätze statt. Wir brauchen nicht nur in den Unternehmen mehr Leidenschaft und Rückgrat. Ich glaube auch inzwischen nicht mehr, dass Großorganisationen wirklich optimale Ergebnisse produzieren können. Zu viel Politik und viele Reibungsverluste!

FINANCE: Was überrascht Sie im CFO-Alltag immer wieder?
Roland Mauss: Nach bald 15 Jahren in CFO-Funktion überrascht mich eigentlich kaum noch etwas.  Man muss leider stets mit allem rechnen. Denn in der Vergangenheit hat es häufig genug Dinge gegeben, von denen man nicht geglaubt hätte, dass diese möglich wären. Gerade auch im Bereich des Steuerrechts lauern immer wieder Kuriositäten, die einem den Mund offen stehen lassen. Hier geht der rote Faden immer mehr verloren. Keiner blickt mehr durch.

FINANCE: Wie wird sich das Berufsbild des CFOs in den kommenden Jahren verändern?
Roland Mauss: Vermutlich nicht so stark, wie es zu wünschen wäre. Die Wirtschaft und auch die Finanzen brauchen dringend mehr kreative Generalisten. Hier könnten auch deutlich mehr Frauen in Führungspositionen einen positiven Einfluss haben. Allerdings nur, wenn diese Frauen nicht versuchen, männlicher als ihre männlichen Kollegen zu sein, sondern ihre charakterliche Eigenständigkeit behalten.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Der CFO

Roland Mauss ist seit 1997 CFO der KMR Stainless AG. Die KMR-Gruppe mit ihrer Marke und Corporate Identity Oryx Stainless ist eigenen Angaben zufolge weltweit der drittgrößte Edelstahlschrotthändler. Zuvor war Mauss bei Ernst & Young im Bereich Assurance tätig. Seit 2007 ist er auch Mitglied der Prüfungskommission bei der Wirtschaftsprüferkammer in Berlin; ferner seit 2009 Präsidiumsmitglied der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling – und Entsorgungsunternehmen e.V., Düsseldorf.