Ein T-Mobile Shop in Houston, Texas: Nach dem Willen von CFO Höttges dürfte so ein Bild bald der Vergangenheit angehören.

Deutsche Telekom

05.10.12
CFO

Abschreibungen in den USA: CFO Höttges muss hoch pokern

Mit einem neuen Manöver will die Telekom bei ihrer Tochter T-Mobile USA retten, was zu retten ist. Für CFO Timotheus Höttges ein Vabanquespiel, dessen Ausgang nicht in seiner Macht steht. Klar ist dagegen jetzt schon, dass der neue Plan dem Konzern die Jahresbilanz verhageln wird.

Abschreibungen auf den Goodwill von bis zu 8 Milliarden Euro: Die geplante Hochzeit von T-Mobile USA und Metro PCS zwingt die Telekom, ihr Sorgenkind neu bewerten zu lassen – und den Firmenwert erheblich zu korrigieren. Die Telekom steht mit ihrem Schicksal nicht alleine da, offensichtlich bilanzieren Unternehmen international oftmals viel zu optimistisch. CFO Timotheus Höttges ärgerte sich gegenüber der F.A.Z. trotz allem über den Berichtigungszwang, den die internationale Rechnungslegung nach IFRS seinem Konzern diktiert: Die Abschreibung ignoriere die Logik der Transaktion, außerdem würde das Geschäft durch einen verbesserten Markenauftritt in der gemeinsamen Gesellschaft ganz erheblich an Wert gewinnen, beschwerte sich der Finanzvorstand. Die Telekom verspricht sich von der Transaktion Synergieeffekte von 6 bis 7 Milliarden Euro – die so auf Konzernebene einen Großteil der anstehenden Wertberichtigungen auffangen könnten. Für das Jahresergebnis 2012 kämen sie freilich zu spät: Nach den anstehenden Korrekturen wird es in die Verlustzone rutschen.

Nach allen gescheiterten Versuchen, die US-Tochter beim Branchenführer AT&T unterzubringen, haben die Bonner sich in dieser Woche eine neue Lösung ausgedacht, um in den USA wenigstens Schadensbegrenzung zu betreiben: Sie soll Teil eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem kleineren Konkurrenten Metro PCS werden. Anders als bei dem geplanten Verkauf an AT&T dürfte die Deutsche Telekom hier immerhin auf weniger Widerstand bei den Kartellbehörden stoßen.

Gegenangriff von Sprint Nextel?

Der geplante Deal könnte nun aber von ganz anderer Seite torpediert werden: Die Nummer drei am US-amerikanischen Telekommunikationsmarkt, Sprint Nextel, soll nach der Ankündigung der Telekom über ein Übernahmeangebot für Metro PCS nachdenken. Denn das Gemeinschaftsunternehmen wäre mit über 40 Millionen gemeinsamen Kunden dem Konkurrenten, der in Nordamerika über einen Kundenstamm von 56 Millionen verfügt, dicht auf den Fersen. Gerüchten zufolge könnte Sprint den Metro PCS-Aktionären ein Angebot vorlegen, das für sie deutlich verlockender sein dürfte als die Fusion mit T-Mobile USA.

Für CFO Höttges und CEO René Obermann würde das enormen Zugzwang bedeuten, wollen sie nach dem geplatzten AT&T-Geschäft nicht zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres Schlagzeilen mit einer grandios gescheiterten USA-Strategie machen. Zu weit aus dem Fenster lehnen darf die deutsche Telekom sich aber auch nicht, sollte es tatsächlich zu einem Bieterkampf mit Sprint kommen. Eine Erhöhung des jetzigen Angebots – die Telekom soll nach Einbringung ihrer Tochter 74 Prozent der Anteile am Gemeinschaftsunternehmen bekommen und den Metro PCS-Aktionären zusätzlich 1,5 Milliarden US-Dollar in bar zahlen – um mehr als 10 Prozent würde dazu führen, dass die Transaktion nicht mehr wertschaffend wäre, warnt Kepler-Analyst Javier Borrachero. Ein entscheidender Nachteil für den deutschen Konzern ist, dass er mit einem anderen Mobilfunkstandard arbeitet als Metro PCS. Das Problem hat der Rivale Sprint nicht.

Beweist der potentielle Gegenspieler den längeren Atem, könnte der neue Anlauf in Sachen T-Mobile USA ziemlich schnell wieder zu den Akten gelegt werden. An der Wertberichtigung wird Höttges trotzdem nicht vorbeikommen.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de