CFO Harald Wilhelm steuert seit zwei Jahren die Finanzen der ehemaligen EADS, der heutigen Airbus Group.

Airbus Group

24.06.14
CFO

Airbus Group: Mehr Druck für Management und CFO Wilhelm

Harald Wilhelm hat in seinen ersten zwei Jahren als CFO der Airbus Group die Transformation des Konzerns begleitet – und dabei sein Hobby beibehalten. Doch der Umbau ist noch lange nicht abgeschlossen.

Vor genau zwei Jahren ist Harald Wilhelm als CFO der Airbus Group gestartet. Damals hieß der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern noch EADS. Seitdem hat sich einiges verändert, wie sich der CFO gegenüber FINANCE erinnert – angefangen von der Aktionärs- über die Unternehmens- bis hin zur Finanzierungsstruktur.

Die einschneidendste Veränderung ist für Wilhelm die Verbreiterung der Aktionärsstruktur. Mithilfe des Aktienrückkaufprogramms im Volumen von insgesamt 3,75 Milliarden Euro befinden sich zum Ende März 2014 knapp 74 Prozent der Aktien in Streubesitz. Vor der Änderung der Unternehmensverfassung lag der Streubesitz bei knapp unter 50 Prozent. Auch haben sich die früheren Großaktionäre Daimler und Lagardère zurückgezogen.

Mittlerweile sind die Regierungen von Deutschland, Frankreich und Spanien Aktionäre von Airbus Group – aber eben nur das: Aktionäre ohne Veto-Rechte. Deren Anteile betragen insgesamt 26 Prozent. „Ich bin extrem glücklich mit der neuen Unternehmensverfassung“, sagt Wilhelm. Zwar seien die Erwartungshaltung des Marktes und damit auch der Druck auf das Management gestiegen, doch auch die Freiheiten sind größer geworden. „Die Regierungen haben keine Sonderrechte“, betont der CFO.

Doch mit der neuen Aktionärsstruktur ist der Transformationsprozess längst noch nicht abgeschlossen. Bis Ende 2016 sollen mit der Zusammenlegung der Sparten Defence und Space 5.800 Stellen gestrichen werden – eine Notwendigkeit angesichts der deutlich rückläufigen Verteidigungs- und Rüstungsausgaben der europäischen Regierungen. Davon entfallen laut Wilhelm lediglich rund 500 auf die Verwaltung des Gesamtkonzerns, der Löwenanteil stammt aus dem Rüstungs- und Raumfahrtbereich. „Wir sind letztes Jahr im Herbst auf die Bremse getreten“, begründet er diesen Schritt, den er möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen erreichen will.

Paradigmenwechsel bei Airbus Group

Die Zusammenlegung der Sparten markiert auch einen Paradigmenwechsel im Konzern. Bis Mitte 2013 lautete das ausgegebene Unternehmensziel, bis zum Jahr 2020 eine hälftige Umsatzaufteilung des zivilen und des militärischen Bereichs zu erreichen.

Doch während der Umsatz im zivilen Bereich nachhaltig wachsen und im Raumfahrtbereich immerhin moderates Wachstum erreicht würde, werden sich Budgets im Verteidigungssektor mittel- bis langfristig flach entwickeln, wenn nicht sogar zurückgehen. Zudem ließen sich laut Wilhelm einige wegweisende Projekte im militärischen Bereich in der Vergangenheit nicht realisieren. „Wir wollen kein Geschäft, nur um damit den Umsatz hochzubringen“, betont der Finanzchef. Die nachhaltige Rentabilität des Geschäfts stehe ganz klar im Vordergrund seiner Bestrebungen.

Eine weitere Veränderung, die sich mit der Amtszeit Wilhelms verbindet, ist die stärkere Öffnung der Airbus Group zum Kapitalmarkt. Im April 2013 begibt der Konzern zum ersten Mal eine US-Dollar-Anleihe. Da die Airbus Group einen großen Teil ihres Geschäfts in Dollar abwickelt, ist die Anleihe für Wilhelm nur konsequent und zudem ein natürliches Hedging. „Mit unserem Single-A-Rating werden wir auch künftig wieder Abnehmer für Anleihen in US-Dollar finden“, sagt Wilhelm selbstbewusst. In diesem Frühjahr folgte noch eine weitere Anleihe in Euro, die erste für das Unternehmen seit fünf Jahren.

Trotz der vielen Baustellen, die der CFO gerade gemeinsam mit CEO Tom Enders und dem übrigen Managementteam bearbeitet, sieht sich Wilhelm auch nach zwei Jahren nicht als klassischer Gruppen-CFO. Denn er ist ebenfalls CFO der Division Airbus: „Ich habe mein Hobby behalten und bin nach wie vor auch Airbus-CFO“, sagt er scherzhaft. Die Doppelrolle zwischen Holdingfunktion und operativer Rolle sei zwar nicht immer leicht, vor allem was das Zeitmanagement angeht, aber helfe auch in der Argumentation gegenüber der Gruppenebene. Schließlich präge Airbus den gesamten Konzern.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de

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