Reimar Scholz, Chef des PE-Investors Bavaria Industries, kritisiert die Auswüchse am deutschen M&A-Markt. Bessere Dealmöglichkeiten sieht er momentan in Frankreich.

Bavaria

12.09.13
CFO

Bavaria-Chef Reimar Scholz: „Schlecht behandelt bei M&A-Deals in Deutschland“

Nach dem besten Deal der Firmengeschichte schwimmt der PE-Investor Bavaria Industries im Geld. Das würde Bavaria-Chef Reimar Scholz gerne am deutschen PE-Markt investieren. Doch er kritisiert die M&A-Prozesse in Deutschland hart – und weicht nach Frankreich aus.

Sie haben im ersten Halbjahr zwei große Portfoliounternehmen verkauft, darunter Ihre größte Tochterfirma Kienle + Spiess. Jetzt sitzen Sie auf 150 Millionen Euro Cash – so viel wie nie zuvor in Ihrer Firmengeschichte. In was für Targets wollen Sie das Geld reinvestieren?
In Industriebetriebe in Europa, die Verbesserungspotential haben. Früher haben wir hauptsächlich schwere Sanierungsfälle und 1-Euro-Deals gesucht. Inzwischen liegt unser Fokus auf profitablen Unternehmen. Sonst hätten wir auch keine Chance, die 150 Millionen zum Arbeiten zu bringen.

Sie haben Ihren Investitionsfokus in den vergangenen Jahren von Deutschland nach Frankreich verlagert. Inzwischen haben Sie dort schon mehr als zehnmal zugekauft. Was hat der französische M&A-Markt, was dem deutschen fehlt?
In Frankreich wird man als Käufer viel besser behandelt als im Moment in Deutschland. Die Verkäufer sind nicht so kokett, sie setzen keine M&A-Prozesse mit 40 Interessenten auf.

Weil außer Ihnen nicht viele in Frankreich investieren wollen.
Sicher, französische M&A-Targets sind nicht gerade en vogue. Zum Beispiel machen die asiatischen Strategen, die aktuell ganz heiß auf deutsche Technologie sind und sich Kundenbeziehungen zu deutschen OEMs einkaufen wollen, nach wie vor einen Bogen um Frankreich. Ganze Käufergruppen, die in Deutschland die M&A-Prozesse dominieren, sieht man in Frankreich aktuell so gut wie überhaupt nicht.

Die Kaufzurückhaltung in Frankreich hat ja gute Gründe: hohe Kosten, politischer Stillstand, wilde Gewerkschaften.
Ja, das ist so. Besonders der unfaire Umgang mit dem Stahlkonzern Mittal, der ein Stahlwerk schließen wollte, das daraufhin fast verstaatlicht worden wäre, hat viele ausländische Investoren verstört. Die aktive Rolle, die die Politik in der französischen Wirtschaft spielt, schreckt auch Sanierer ab, denn Restrukturierungen sind in Frankreich viel politischer als in Deutschland. Es gibt zum Beispiel ein Gesetz, wonach Verkäufer noch Jahre nach dem M&A-Deal mit haften. Dadurch haben es kleinere, unbekannte Investoren schwer, in M&A-Prozesse reinzukommen.

Ein Finanzinvestor aus Deutschland müsste doch das Feindbild Nummer Eins sein.
Überhaupt nicht. Deutschen Unternehmern bringen die Franzosen großen Respekt entgegen. Und wir haben es nicht schwer, Vorbehalte zu zerstreuen, da wir mit mehr als zehn Investments in Frankreich inzwischen einen wirklich guten Track Record haben. Die Gewerkschaften kennen uns, die Konzerne ebenfalls. Und im Gegensatz zu den deutschen Konzernen haben die französischen Konglomerate immer noch viele Assets, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Das versorgt uns mit immer neuen Transaktionsmöglichkeiten.

Lesen Sie in Teil 2 des FINANCE-Interviews mit Reimar Scholz, wie die Politik dem M&A-Markt für Turnaround-Deals schadet, wann die strategischen Käufer sich wieder für schwierige M&A-Deals zu interessieren beginnen werden und ob Scholz auch schon einmal von seinen französischen Angestellten eingesperrt worden ist.