Bilfinger stellt seine Kraftwerksparte ins Schaufenster. Bis Mitte 2016 soll es verkauft werden.

Bilfinger AG

18.06.15
CFO

Bilfinger zieht die Notbremse

Nach vier Gewinnwarnungen im vergangenen Jahr und einem weiteren Verlust von 100 Millionen Euro, zieht Bilfinger die Notbremse und stellt sein Kraftwerksgeschäft zum Verkauf. Die nächste Gewinnwarnung gibt es obendrauf.

Bilfinger durchlebt turbulente Zeiten, Neu-CEO Per Utnegaard zieht jetzt die Notbremse und will innerhalb eines Jahres den gesamten Geschäftsbereich „Power“ abstoßen, in dem Bilfinger vor allem Kraftwerke wartet und repariert. „Power“ ist das Epizentrum der schweren Unternehmenskrise, die den Mannheimer MDax-Konzern nun schon seit weit mehr als einem Jahr erschüttert. In diesem Zuge musste Utnegaards Vorgänger Roland Koch seinen Hut nehmen. Ein Jahr später verließ zudem CFO Joachim Müller den Baukonzern.

Eine neue Analyse, die Utnegaards gleich nach seinem Amtsantritt im Juni anstieß, hat im Power-Bereich weitere Löcher aufgedeckt. Dort droht nun ein Verlust von 100 Millionen Euro, der zu einem Großteil noch im ersten Halbjahr bilanziert werden soll. Zudem rechnet Bilfinger mit hohen außerplanmäßigen Abschreibungen auf den Geschäftsbereich. Dazu kommt die anhaltend schwache Kapazitätsauslastung, die keine Aussicht auf eine Besserung macht. Dieses bittere Ergebnis hat nun offenbar den Weg für die Radikallösung bereitet.

Bilfinger stößt Power-Bereich ab

Der Power-Bereich soll bereits zum kommenden Zwischenabschluss per 30. Juni als „Discontinued Operation“ ausgewiesen werden. Der Verkauf selbst soll innerhalb der nächsten zwölf Monate abgeschlossen werden, hat sich Bilfinger zum Ziel gesetzt.

Das 11.000 mitarbeiterstarke Kraftwerksgeschäft hat im vergangenen Jahr eine Leistung von 1,45 Milliarden Euro erbracht, rund ein Fünftel der Konzernerlöse. Zum Vergleich: Die Bereiche Industrie (rund 3,7 Milliarden Euro) und Immobilien (rund 2,65 Milliarden Euro) setzten deutlich mehr um und rücken damit bei Bilfinger strategisch künftig in den alleinigen Fokus.

Bilfinger will Verlust mit Verkauf weiterer Anteile abfedern

Um den 100 Millionen Euro schweren Verlust abzufedern, setzt Bilfinger auf nigerianische Investoren. An diese plant das Unternehmen, seine rund 30 Prozent starke Beteiligung an der börsennotierten Julius Berger Nigeria zu verkaufen. Gleichzeitig will Bilfinger seine verbliebenen 10 Prozent an Julius Berger International abgeben.

Im Gesamtpaket erhofft sich Bilfinger einen Nettoverkaufserlös von rund 100 Millionen Euro, der in etwa zu gleichen Teilen im zweiten und dritten Quartal dieses Jahres zufließen soll. Cash, das der Konzern angesichts des stark unter Druck stehenden Aktienkurses derzeit mit Sicherheit gut gebrauchen kann, genauso wie den bei dem M&A-Deal anfallenden Buchgewinn, der sich auf 60 Millionen Euro belaufen soll. Auch im vergangenen Jahr hübschte Bilfinger die Konzernbilanz ein wenig auf, als der Konzern noch kurz vor Weihnachten das Tiefbaugeschäft verkaufte. Dennoch wird Bilfinger wegen der unerwarteten Verluste im Power-Bereich für das erste Halbjahr „ein deutlich negatives Konzernergebnis“ ausweisen, wie das Unternehmen warnte. Dies kann als weitere Gewinnwarnung gewertet werden. CEO Utnegaard kündigte zudem an, alle Geschäftsbereiche strategisch zu überprüfen.

Die Bilfinger-Aktie hat innerhalb eines Jahres mehr die Hälfte ihres Wertes verloren und notiert derzeit bei rund 35 Euro – vor einem Jahr waren es noch 85 Euro. Auf die Ankündigung des Verkaufs des Power-Bereichs reagiert die Aktie mit einem weiteren Kursrückgang um fast 2 Prozent.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de