Kurz vor dem Crash? Das neue FINANCE-Magazin beleuchtet die Brexit-Gefahren für Finanzchefs.

Arndt Benedikt

08.11.18
CFO

Brexit-Crash, Mega-IPOs und Künstliche Intelligenz bei Siemens

Gerüchte gibt es en masse, aber Fakten zum Stand der Austrittsverhandlungen zwischen EU und Großbritannien sind Mangelware. Für CFOs und ihre Unternehmen ist das gefährlich, zeigt die neue FINANCE-Titelgeschichte.

Der 29. März 2019 rückt immer näher. Es wächst die Gefahr, dass es zu einem ungeregelten EU-Austritt Großbritanniens kommt. Klar ist, dass weder Brüssel noch London Interesse an einem Brexit-Chaos haben. Doch es steht viel auf dem Spiel: Für die EU geht es möglicherweise sogar um die eigene Existenz, falls der Austritt für die Briten zu geschmeidig geriete. Für viele britische Politiker, allen voran Theresa May, geht es um die Macht, falls der Brexit zu harmlos ausfiele. Deshalb ist es alles andere als ausgeschlossen, dass sich die Parteien am Ende selbst auf einen Deal mit Übergangslösungen nicht werden einigen können.

Das wäre zweifellos dramatisch: Schon der erste Brexit-Crash und der Einbruch des Pfunds im Nachgang an das Referendum im Juni 2016 hat viele Finanzchefs kalt erwischt. Ein weiterer Crash wäre noch viel schlimmer, ja sogar systemisch. Neben den obligatorischen Fragen nach Lieferketten und Zollengpässen, vor denen etwa Siemens-CFO Ralph Thomas warnt, wird inzwischen auch immer klarer, welch zentrale Rolle London für die  Finanzgeschäfte in der EU spielt. Trotzdem haben sich viele Geldhäuser lange Zeit gelassen, um auf den drohenden Brexit zu reagieren. Nun müssen sie mächtig Gas geben, damit es hinsichtlich Finanzierungen, Zahlungsverkehr und Hedging-Geschäften nicht zu einem Engpass kommt.

November/Dezember 2018

Crash mit Ansage

Warum der Brexit für Finanzchefs so gefährlich ist
 

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Noch sind viele CFOs relativ entspannt, wie eine aktuelle Umfrage von FINANCE zeigt. Doch die Nervosität ist im Vergleich zum Herbst 2016 deutlich gestiegen, als wir dieselbe Frage schon einmal stellten. Und das zu Recht: Das wahre Ausmaß der Brexit-Risiken skizzieren wir in der neuen FINANCE-Titelgeschichte, die heute bereits als E-Paper erhältlich ist. 

Osram und Dürr enttäuschen mit Gewinnwarnungen

Umso bedenklicher ist, dass selbst ohne Brexit-Schock die wirtschaftlichen Gegenwinde aktuell an Kraft zunehmen. Italien-Krise, Trump-Politik und US-Zinswende setzen das Geschäft unter Druck. Zwei MDax-Werte spüren die Folgen gerade besonders deutlich: der Lichtkonzern Osram und der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr.

„Die M&A-Pläne sind nicht komplett vom Tisch.“

Carlo Crosetto, Dürr

Bei letzterem, im schwäbischen Bietigheim-Bissingen, war unsere Redakteurin Desirée Backhaus Anfang Oktober zu Gast. Der seit März 2017 amtierende CFO Carlo Crosetto konnte da noch über die ehrgeizigen Wachstumspläne und potentielle M&A-Projekte sprechen. Keine zwei Wochen später musste die Schwaben aus Stuttgarts Speckgürtel die Prognosen kappen – und mehr noch: Größere Übernahmen liegen erst einmal auf Eis, auch wenn Crosetto betont: „Die M&A-Pläne sind nicht komplett vom Tisch.“ Die Lage ist unübersichtlich.

Noch ernster ist die Situation beim Lichtkonzern Osram: Die Aktie der Lichtikone notierte nach zwei Gewinnwarnungen zwischenzeitlich nahe ihres Allzeittiefs. Die kommenden Monate werden für CFO Ingo Bank eine Herausforderung – wir analysieren für Sie die Lage.

Mega-IPOs von Siemens Healthineers und Knorr-Bremse

Deutlich entspannter ist derzeit das Leben von Jochen Schmitz. Der CFO der wie Osram ebenfalls von Siemens abgespaltenen Medizintechniksparte Healthineers kann sich über eine ordentliche Aktienkursentwicklung freuen: Nach einem zwischenzeitlichen Tief Anfang Oktober hat sich der Kurs wieder berappelt und steht heute deutlich über dem Ausgabepreis. Im FINANCE-Interview spricht Schmitz über seine überraschende Berufung zum CFO, das Erlebnis Mega-IPO inklusive Plausch mit Nationalkeeper Manuel Neuer sowie die M&A-Pläne des Konzerns.

Eine erstaunliche Parallele: Zeitgleich wie Schmitz bei Siemens Healthineers ist im November 2017 auch Ralph Heuwing bei Knorr-Breme als Finanzvorstand angetreten. Bei dem Münchener Bremsenhersteller stand ebenfalls von Anfang an das Projekt Börsengang auf dem Plan. Und auch Heuwings IPO-Projekt brachte dem Alteigentümer rund 4 Milliarden Euro.

Letztlich hatte Heuwing etwas mehr Zeit, der IPO von Knorr-Bremse gelang Mitte Oktober – just zu jener Zeit, als die Märkte abtauchten. Im FINANCE-Interview räumt der CFO des Jahres 2016 ein: „Ich gebe zu, dass wir uns nicht die einfachste Woche im Börsenjahr 2018 ausgesucht haben.“ Dennoch habe er nie am Erfolg des Börsengangs gezweifelt. Wie Heuwing diesen erlebt hat, was die kniffligsten Investorenfragen waren und warum letztlich nicht die Preismaximierung der wichtigste Aspekt war, erzählt er im Interview. 

„Ich gebe zu, dass wir uns nicht die einfachste Woche im Börsenjahr 2018 ausgesucht haben.“ 

Ralph Heuwing, Knorr-Bremse

Die Tücken der Digitalisierung

Sind IPOs und M&A-Deals prägende Sonderprojekte, ist das Thema Digitalisierung nahezu für jeden CFO ein heißes Eisen, das dauernd glüht. Indes: Vieles von dem, was gerade als heiße Sache behandelt wird, ist eher kalter Kaffee. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls unser neuestes CFO Panel, für das wir zweimal jährlich eine feste Runde von deutschen Finanzvorständen befragen.

„Vor allem im Mittelstand fällt auf, dass viele Prozesse manuell ablaufen.“

Stefan Lacher, Alvarez & Marsal

Dieses Votum passt sehr gut in den Themenschwerpunkt der aktuellen Ausgabe – Digitalisierung. Speziell kleinere Unternehmen haben dort noch großen Nachholbedarf, sagt Stefan Lacher: „Vor allem im Mittelstand fällt auf, dass viele Prozesse manuell ablaufen“, erklärt der Digitalisierungsexperte von Alvarez & Marsal im FINANCE-Interview. „Ein Beispiel: Vielerorts werden nach wie vor Lieferscheine und Rechnungen händisch gebucht und bezahlt.“ In den Großkonzernen hingegen gehen die Entwicklungen längst stark in Richtung Künstliche Intelligenz. Warum Siemens und Bayer diese Technologie vorantreiben, erfahren Sie in einem weiteren Beitrag des Spezials.

Beilage Structured FINANCE umfasst 100 Seiten

Die Digitalisierung ist – wenig verwunderlich – auch ein wichtiges Thema der 14. Structured FINANCE. Wie kann der gute alte Schuldschein digitaler und effizienter werden? Welche neuen Finanzierungsplattformen gibt es, und wie unterscheiden sie sich voneinander? Und welche Rolle spielt die Blockchain-Technologie bei der Modernisierung der Finanzabteilung?

Diese und viele weitere Fragen behandeln am 21. und 22. November mehr als 100 Roundtables auf unserer großen Kongressmesse in Stuttgart. Der neuen FINANCE-Ausgabe liegt bereits eine rund hundertseitige Sonderbeilage mit den Inhalten der Konferenz bei – die Gastbeiträge geben einen spannenden Überblick über die wichtigsten Themen. Wir freuen uns, mit vielen von Ihnen diese Themen in zwei Wochen vertiefen zu können.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Wie gefährlich die Monsanto-Übernahme für Bayer wirklich ist, was MTU-CFO Peter Kameritsch ursprünglich werden wollte, warum CFO Michael Pontzen sich und Lanxess strenge M&A-Kriterien auferlegt hat – diese und viele weitere Themen finden Sie in der neuen FINANCE-Ausgabe, die Sie hier bestellen oder heute schon als E-Paper beziehen können.