ZF

27.12.17
CFO

CFO des Monats: Konstantin Sauer

ZF Friedrichshafen hat sich vom verschwiegenen Stiftungsunternehmen zu einem routinierten Player am Kapitalmarkt gewandelt. Daran hatte CFO Konstantin Sauer erheblichen Anteil. Nun übernimmt er übergangsweise das Steuer des Automobilzulieferers.

Konstantin Sauer ist aktuell der Fels in der Brandung bei dem Industriekonzern ZF Friedrichshafen: Während ZF-CEO Stefan Sommer aufgrund seiner offensiven M&A Strategie – welche Sauer maßgeblich mitgestaltet und umgesetzt hat – gehen muss, hat der Aufsichtsrat CFO Sauer Anfang Dezember zum Interims-CEO ernannt. Deshalb ist Sauer nun zum zweiten Mal unser CFO des Monats.

Konstantin Sauer als „Stabilitätsgarant“

2017 war ein turbulentes Jahresende für den zweitgrößten Automobilzulieferer der Welt, das von einem offenen Streit über die Akquisitionsstrategie von ZF geprägt wurde. Der Stadt Friedrichshafen, die über die Zeppelin Stiftung die Mehrheit des Weltkonzerns kontrolliert, war das M&A-Tempo von CEO Sommer zu rasant. Zuletzt blockierte der Aufsichtsrat um den Friedrichshafener Oberbürgermeister Andreas Brand die vom Management anvisierte schätzungsweise 6 Milliarden Euro schwere Übernahme des belgisch-amerikanischen Bremsenherstellers Wabco.

Brand entschied den Machtkampf am Ende für sich:  Der bisherige Aufsichtsratschef Giorgio Behr, der Sommer stützte, legte sein Amt nieder, wenig später räumte auch der CEO seinen Posten. 

Dr. Konstantin Sauer, ZF Friedrichshafen AG

In den Achtzigerjahren beginnt Sauer seine Laufbahn als Berater bei der intra-Unternehmensberatung in Düsseldorf und als Doktorand im Bereich Zentraleinkauf bei Daimler-Benz in Stuttgart. Nach seinem Wechsel zu ZF Friedrichshafen im Jahr 1990 klettert er Stufe um Stufe die Karriereleiter hinauf: Projektleiter Logistikplanung und –organisation im Unternehmensbereich Nutzfahrzeug-und Sonder-Antriebstechnik, Leiter Controlling des Bereichs Produktion, Investitionen, Projekte und Leiter Controlling des Unternehmensbereichs Nutzfahrzeug-und Sonder-Antriebstechnik.

Im Jahr 2000 geht er nach Südamerika. Er wird CFO bei ZF do Brasil und wenig später CEO des gesamten Regionalbereichs Südamerika.

Im Jahr 2005 kehrt er als Leiter Konzern-Controlling in die Hauptverwaltung nach Friedrichshafen zurück. 2007 wird er Geschäftsführer für Finanzen, Controlling, Informatik, Materialwirtschaft, Recht, Versicherung, Unternehmensbereich Pkw-Fahrwerktechnik, Dielingen, seit 2010 ist er Vorstandsmitglied und CFO.

zum Profil

Die Wahl Sauers als Interims-CEO, trotz seines engen Bezugs zur bisherigen M&A Strategie als Finanzvorstand, zeigt, wie groß die Anerkennung für Sauers Leistungen ist. Sauer sei ein „Stabilitätsgarant“ und genieße das volle Vertrauen des Kontrollgremiums, kommentierte der frisch gekürte Aufsichtsratschef Franz-Josef Paefgen. Andererseits hatten die Aufseher auch kaum eine andere Wahl. CEO und CFO gleichzeitig zu stürzen, hätte ZF in schwere Turbulenzen gestoßen und nicht nur im Unternehmen, sondern auch am Kapitalmarkt für große Verunsicherung gesorgt.

Sauer hat ZF für den Kapitalmarkt geöffnet

Konstantin Sauer, der nun nach innen und außen Kontinuität signalisieren soll, hat das über Jahrzehnte kaum verschuldete Stiftungsunternehmen in den vergangenen Jahren mit Bravur an den Kapitalmarkt herangeführt. Dies wurde aufgrund der Übernahme des US-Konzerns TRW Automotive im Jahr 2014 für rund 13 Milliarden Euro nötig, die auch ein persönlicher Erfolg Sauers war – neben den Finanzen verantwortete Sauer zu der Zeit auch den M&A-Bereich und die Region Nordamerika. 

Die Mega-Übernahme von TRW finanzierte Sauer unter anderem mit einem Schuldschein über 2,2 Milliarden Euro – bis heute der größte Schuldschein, den ein deutsches Unternehmen jemals begeben hat. Kurz darauf folgte das Debüt am Anleihemarkt: erst mit einem milliardenschweren Euro-Bond, anschließend platzierte CFO Sauer auch eine Dollar-Anleihe.

Moody’s honoriert Schuldenabbau mit Investment-Grade

Nach Abschluss der TRW-Übernahme im Mai 2015 wies ZF eine Nettofinanzverschuldung von 8,8 Milliarden Euro aus. Sauer machte sich daran, diese trotz weiterer Übernahmevorhaben möglichst schnell wieder abzubauen.

Das gelang: Zum Halbjahr 2017 betrug die Nettoverschuldung nur noch 6,5 Milliarden Euro, Sauer konnte den Schuldenberg innerhalb von zwei Jahren bereits um 2,3 Milliarden Euro senken. Vergangene Woche folgte die Belohnung: Die Ratingagentur Moody’s erhöhte das Rating von ZF von Ba1 auf Baa3. Damit hat CFO Sauer endlich sein Ziel erreicht und ZF ins Investment-Grade geführt.

Lesen Sie mehr über Werdegang und Karriere-Highlights des ZF-Interimschefs im FINANCE-Köpfe-Profil von Konstantin Sauer.