Unser CFO des Monats: Gregor Pottmeyer von der Deutschen Börse. Der erfahrene Finanzvorstand bewies bei der Axioma-Transaktion Kreativität, die der Deutschen Börse weiteren Spielraum erhält.

Deutsche Börse

07.05.19
CFO

CFO des Monats: Gregor Pottmeyer

Mit dem Kauf der US-Softwareschmiede Axioma gelang ihm im April ein Coup, der einen zweiten möglich macht – Gregor Pottmeyer ist unser CFO des Monats April.

Auf Worte folgten Taten: Vor einem halben Jahr verkündete die Deutsche Börse, dass sie am M&A-Markt aktiv werden muss. Im April schlug sie nun zu – und das, ohne ihre über 1,5 Milliarden Euro schwere Kriegskasse dafür anzapfen zu müssen. Dieses kleine finanzielle Kunststück gelang dem CFO der Deutschen Börse Gregor Pottmeyer beim Axioma-Deal.

Börse und Pottmeyer werden bei Axioma kreativ

Langzeit-CFO Pottmeyer – mit rund zehn Jahren Dienstzeit als CFO der Deutschen Börse einer der langlebigsten CFOs im Dax und MDax – sicherte sich kapitalstarke Unterstützung bei dem US-Finanzinvestor General Atlantic. Die Amerikaner steuern mit 715 Millionen US-Dollar den größten Teil des Kaufpreises bei und erhalten im Gegenzug 19 Prozent des neu formierten Unternehmens, in das die Deutsche Börse neben Axioma auch das mit 2,6 Milliarden Euro bewertete eigene Indexgeschäft einbringen will. Den Rest des Kaufpreises von 820 Millionen Dollar steuern einige Axioma-Manager bei und sichern sich so ebenfalls eine Beteiligung von 3 Prozent an der neuen Firma. Mit 78 Prozent klar dominierender Anteilseigner wird jedoch der Dax-Konzern aus Eschborn.

Der CFO des Monats April

Gregor Pottmeyer, Deutsche Börse AG

Gregor Pottmeyer beginnt seine Laufbahn 1987 als Fachreferent für Controlling im Bereich Konzernplanung/-controlling von Daimler Benz. 1990 wechselt er als Abteilungsleiter Planungskoordination und Berichterstattung zur Daimler-Tochter Debis, in der die Dienstleistungsfunktionen des Konzerns gebündelt wurden. Drei Jahre später kehrt der Saarländer als Abteilungsleiter Projekte bei Mercedes-Benz Finanz zur Mutter zurück.

In den Folgejahren steigt er als Bereichsleiter Planung und Controlling sowie Controlling/Rechnungswesen weiter auf. 1999 wird er als stellvertretender Geschäftsführer zur Mercedes-Benz Leasing berufen. In dieser Position verantwortet er zusätzlich noch das Controlling und Rechnungswesen der europäischen Finanzierungsgesellschaften von Debis. Im Jahr 2001 rückt er schließlich in die Geschäftsführung bei Mercedes-Benz Finanz auf und verantwortet dort das Controlling und das Rechnungswesen.

Ein Jahr später wird Pottmeyer in den Vorstand der der DaimlerChrysler Bank (seit 2008 Mercedes-Benz Bank) berufen. 2003 übernimmt er schließlich den Posten des CFO der DaimlerChrysler Bank und verantwortet in dieser Position die Ressorts Finanzen und Risikomanagement und ist parallel dazu zuständig für das Controlling der großen europäischen Daimler-Financial-Services-Gesellschaften sowie die Credit Operations der Gesellschaften in Europa, Afrika und dem Asien-Pazifik-Raum.

Im Jahr 2009 verlässt Pottmeyer den Stuttgarter Autobauer und heuert im Oktober als CFO bei der Deutschen Börse an. Im Jahr 2017 wird sein Vertrag um fünf Jahre verlängert.

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Pottmeyer bleibt bei FXall am Ball

Pottmeyer und die Börse schlagen so zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen kommt dank dieser kapitalschonenden Dealstruktur keine Gefahr für das geschäftsentscheidende Investmentgrade-Rating auf und zum anderen erhält sich die Börse ihren Spielraum für weitere Deals.

Und davon bahnt sich schon einer an: Keine 48 Stunden nachdem die Axioma-Übernahme bekannt gegeben wurde, sahen sich die Eschborner durch Marktgerüchte zu einer Ad-hoc-Mitteilung gezwungen, in der sie bestätigten, „dass sie sich in konkreten Verhandlungen mit der Refinitiv Gruppe über den möglichen Erwerb einzelner FX-Geschäftsbereiche“ befinden.

Das konkrete M&A-Ziel dürfte die Devisenhandelsplattform FXall sein – oder zumindest wesentliche Teile davon. FXall ist der internationale Marktführer in diesem Bereich, die Nachrichtenagentur Reuters taxiert den Wert des Unternehmens auf 3,1 Milliarden Euro. Dieser Schätzung widerspricht die Deutsche Börse in ihrer Ad-hoc Mitteilung klar. Trotzdem ist offensichtlich, dass angesichts einer Kriegskasse von 1,5 Milliarden Euro kein FXall-Deal mehr möglich wäre, wenn die Deutsche Börse Axioma auf klassische Art übernommen hätte.

FXall und 360T wären zusammen ein Branchenriese

Die jetzige Situation ähnelt den Ereignissen vor fast vier Jahren, als die Deutsche Börse schon einmal innerhalb kürzester Zeit zweimal am M&A-Markt aktiv wurde. Und auch damals war eines der Targets eine Devisenhandelsplattform: Deutschlands Vorzeige-Fintech 360T.

360T ist mittlerweile vollständig in den Deutsche-Börse-Konzern integriert. 360T-CEO Carlo Kölzer gab erst kürzlich in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ zu, dass sich 360T und  FXall hervorragend ergänzen würden. FXall sei in Amerika hervorragend vertreten und habe eine „starke Stellung im Asset-Management-Bereich, in dem wir relativ neu sind“, ließ er sich zitieren.

Unterstützung bei dieser M&A-Initiative erhält Pottmeyer von Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer: Dieser hat selbst den Devisenbereich als Konzernteil benannt, den es durch M&A-Deals zu stärken gelte. Und Weimer ließ auch durchblicken, dass er groß denkt: Zu einer Kapitalerhöhung für „attraktive Zukäufe“ würden er und die Aktionäre nicht „Nein“ sagen.

Axioma-Closing, FXall-Verhandlungen und eventuell eine Kapitalerhöhung – mit Weimers M&A-Plänen steht Pottmeyer unzweifelhaft die nächste Etappe seines Langstreckenlaufs bei der Deutschen Börse bevor.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

Mehr zu Karriere und Werdegang des erfahrenen Dax-CFO Gregor Pottmeyer lesen Sie auf seinem FINANCE-Köpfe-Profil.

Ausgezeichnete Leistungen, mutige Entscheidungen, besonderer Spürsinn: Zwölfmal im Jahr kürt die FINANCE-Redaktion ihren CFO des Monats. Klicken Sie sich auf unserer Themenseite durch die erfolgreichsten CFOs des vergangenen Jahres.