Denn Konzern mit Siebenmeilenstiefeln neu ausgerichtet: Lanxess-CFO Michael Pontzen.

Lanxess

06.10.16
CFO

CFO des Monats: Michael Pontzen

CFO Michael Pontzen stellt Lanxess im Galopp neu auf. Die geplante Übernahme des US-Konzerns Chemtura wird Pontzens Reifeprüfung – am Bondmarkt und in der Investorenkommunikation.

Strategische Weiterentwicklung statt Aktienkurspflege: Eine wachsende Zahl von Großinvestoren wendet sich gegen die Ideenlosigkeit, mit der viele Managementteams überschüssige Cashflows investieren. Lanxess-CFO Michael Pontzen hat jetzt geliefert. Für 2,4 Milliarden Euro will Lanxess den US-Chemiekonzern Chemtura übernehmen. Das geplante Aktienrückkaufprogramm wird stattdessen abgeblasen – Wachstum statt Kurspflege.

Die Börse quittierte diesen Schachzug am Tag der Dealankündigung am Montag voriger Woche mit einem Kursanstieg von 8 Prozent. In der Tat lässt die Chemtura-Transaktion einige Vorteile für Lanxess erwarten: So stärkt sie die Position des MDax-Konzerns in Nordamerika und die Konzernsäule „Performance Additives“, wo Lanxess Additive beispielsweise für Schmierstoffe und Flammschutzmittel herstellt. Das unter Überkapazitäten leidende Kautschukgeschäft verliert hingegen an Bedeutung.

Außerdem ist Chemtura mit einer Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 16 Prozent deutlich ertragsstärker als Lanxess. Die Kölner kommen in diesem Jahr bei einem geschätzten Umsatz von knapp 7,8 Milliarden Euro auf eine Ebitda-Marge von gut 12 Prozent. Synergieeffekte von 100 Millionen Euro sollen dazu führen, dass die Übernahme schon von Tag eins an wertschaffend ist. Die Einsparungen mit eingerechnet, fällt das für Chemtura gebotene Ebitda-Multiple laut Lanxess-Angaben von 9,8x auf rund 7x. Gelingt die Integration, wäre das ein sehr günstiger Preis für ein solides Zielunternehmen wie Chemtura.

Bilanz von Lanxess droht ineffizient zu werden

Der umfassende Konzernumbau, den Pontzen und der von Merck heimgekehrte CEO Matthias Zachert angestoßen haben, dürfte damit zu einem vorläufigen Ende kommen. Vor einem Jahr hatten die beiden Manager das Kautschukgeschäft in ein Joint Venture mit dem arabischen Ölriesen Saudi Aramco geführt, das den Kölnern 1,2 Milliarden Euro in Cash einbrachte. Nach einer schwierigen Unternehmensphase mit Gewinnwarnungen, Managementwechseln und einem steigenden Verschuldungsgrad eröffnete dieser Deal Lanxess wieder Spielraum für Akquisitionen.

Diese galt es jetzt aber auch zu nutzen, denn die von Zachert und Pontzen in einer hohen Geschwindigkeit sanierte Bilanz drohte ineffizient zu werden: Zum Ende des ersten Halbjahres sanken die Nettofinanzschulden auf nur noch 198 Millionen Euro – bei einem für das Gesamtjahr erwarteten Ebitda von 930 bis 970 Millionen Euro. Insofern kam die Chemtura-Übernahme auch noch zu einem günstigen Zeitpunkt. 

Lanxess will Bonds und Hybridanleihen begeben

Das alles lässt erkennen, dass Zachert und Pontzen offenbar einen klaren Plan haben, den sie diszipliniert abarbeiten. Als nächstes werden die Integration von Chemtura und die Refinanzierung der Kaufpreiszahlung die Agenda dominieren.

Bei der Refinanzierung wird Pontzen aus seinem reichen Erfahrungsschatz schöpfen können. Der humorvolle 46-Jährige Rheinländer hat eine Bilderbuchkarriere hinter sich. In deren Verlauf hat er praktisch alle wichtigen Bereiche der Finanzabteilung von Lanxess in Leitungspositionen durchlaufen: von Investor Relations über Corporate Finance bis zum Controlling. In den nächsten Monaten wird er Senior- und Hybridanleihen am Kapitalmarkt platzieren – wahrscheinlich in Milliardenhöhe.

CFO Michael Pontzen kämpft um Investmentgrade-Rating

Dies wird die Kapitalmarktpräsenz des Chemiekonzerns erheblich vergrößern: Derzeit hat Lanxess zwei Anleihen über jeweils 500 Millionen Euro ausstehen. Sie laufen noch bis 2018 und 2022. Die Ratingagenturen haben den Weg für die anstehenden Emissionen bereits frei gemacht. Sie mögen den geplanten Chemtura-Deal und haben die Lanxess-Ratings bestätigt. Mit BBB- (S&P) und Baa3 (Moody’s) sehen sie Lanxess – wenn auch knapp – im Investmentgrade-Bereich. Diesen Status zu bewahren und gleichzeitig den Anteil der Hybridanleihen in der Refinanzierung so gering wie möglich zu halten, wird wohl Pontzens nächstes Ziel sein.

Es dürfte deutlich leichter zu erreichen sein als der Teilausstieg aus dem Kautschukgeschäft und die erhoffte Milliardenübernahme in den USA. Aber noch kann sich Pontzen nicht sicher sein, dass sich bei Chemtura nicht noch Widerstand seitens aktivistischer Aktionäre formiert, die eine höhere Übernahmeprämie sehen wollen. Passiert das tatsächlich, wäre der Investor-Relations-Profi in Pontzen gefragt. Den Deal nach Hause zu bringen, könnte seine endgültige Reifeprüfung werden.     

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Für herausragende Leistungen, besonderen Spürsinn oder mutige Entscheidungen zeichnet FINANCE jeden Monat einen Finanzvorstand aus. Welche Finanzchefs die Auszeichnung bislang erhalten haben, lesen Sie auf unserer Themenseite CFO des Monats.

Infos zu Karriere und Werdegang des Lanxess-CFOs bietet das FINANCE-Köpfe-Profil von Michael Pontzen.