MTU Aero Engines

01.10.19
CFO

CFO des Monats: Peter Kameritsch

Die erste große Transaktion am Kapitalmarkt und ein vielbeachteter Aufstieg in den Dax: CFO Peter Kameritsch von MTU Aero Engines tritt endlich in Erscheinung. Jetzt muss er sich in der ersten Börsenliga beweisen.

Mit der Begebung eines Wandlers mit negativer Rendite Anfang September gelang auch MTU-Aero-Engines-CFO Peter Kameritsch das Kunststück, sich von Investoren fürs Geldleihen bezahlen zu lassen. Mit dem Erlös von 500 Millionen Euro machte der Finanzchef seine Aktionäre glücklich: Er kaufte damit unter anderem einen Teil der bestehenden Wandelanleihe aus dem Jahr 2016 zurück, und konnte so eine potentielle Verwässerung um etwa 900.000 Aktien verringern. Und auch das Fälligkeitenprofil der Verbindlichkeiten hat der CFO mit der Transaktion gestreckt.

Für den gebürtigen Münchener war es die erste Refinanzierung als CFO am Kapitalmarkt in großem Stil – damit tritt das MTU-Eigengewächs erstmals richtig in Erscheinung und aus dem Schatten seine Förderers, CEO Reiner Winkler, heraus.

Kameritsch kam 1999 zu MTU und stieg stetig die Karriereleiter hinauf. Winkler, der zwischen 2001 und seinem Aufstieg zum CEO im Jahre 2014 selbst Finanzvorstand bei MTU war, bereitete den studierten Physiker und Betriebswirt schrittweise auf den Vorstandsposten vor. Und statt ihm einen neuen CFO vorzusetzen, führte er das Unternehmen bis zu Kameritschs Amtsantritt Anfang 2018 in Personalunion – offenbar wollte er unbedingt Kameritsch als Nachfolger.

MTU steht im Rampenlicht des Dax‘

Nur wenige Wochen nach der Platzierung des Wandlers hat der CFO MTU nun beim nächsten großen Schritt begleitet: Der Konzern ist in den Dax aufgestiegen. Während aktuell viele Unternehmen Gewinnwarnungen herausgeben und Stellen streichen, brummt bei dem Triebwerkhersteller das Geschäft. Doch mit dem Dax-Aufstieg steigen auch die Sichtbarkeit und der Druck auf den CFO rapide. Und die hohe Bewertung der Aktie erlaubt keine Schnitzer.

MTU-Aktie seit Amtsantritt von CFO Kameritsch (seit 01.01.2018)

Für Kameritsch ist das ein Risiko, aber auch eine Chance, sich zu profilieren. Eine Möglichkeit ist der geplante Schuldenabbau. Denn der Hersteller von Triebwerken für zivile wie militärische Flugzeuge hat viel Geld in die Hand genommen und in den vergangenen Jahren mit führenden Herstellern wie General Electric oder Pratt & Whitney sechs Triebwerke mitentwickelt.

MTU-CFO Kameritsch muss Schulden abbauen

Durch dieses nach eigenen Angaben größte Investitionsprogramm der Unternehmensgeschichte stieg die Netto-Finanzverschuldung Ende 2018 auf 854 Millionen Euro an und entsprach damit fast genau dem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Genau hier dürfte der 50-jährige Manager ansetzen: Ziel sei es, den Leverage auf Ebitda-Basis perspektivisch wieder auf unter 1 zu senken, kündigte Kameritsch vor gut einem Jahr im Interview mit FINANCE an.

Glaubt man Marktprognosen, so könnte dies im nächsten Jahr bereits gelingen. In den Folgejahren könnte der Leverage sogar deutlich darunter liegen. Bisher liegt MTU mit einem Rating von Baa3 (Moody’s) und BBB (Fitch) am unteren Ende des Investment Grades. Das Rating langfristig anzuheben, wäre ein gutes Signal an den Kapitalmarkt und ein wichtiger Erfolg für den Finanzchef.

Mehr über Peter Kameritsch, CFO des Triebwerkbauers MTU Aero Engines, im FINANCE-Portrait „Auf Umwegen" (1,99 € zzgl. MwSt.)

Seit Anfang 2018 ist Peter Kameritsch CFO des Triebwerkbauers MTU Aero Engines, nachdem er sich in den vergangenen 20 Jahren im Konzern hochgearbeitet hat. Dabei wollte er ursprünglich etwas ganz anderes machen. 

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MTU profitiert von planbaren Cashflows

Helfen sollten ihm dabei die planbaren Geldzuflüsse in der Zukunft: Denn das große Geld verdient MTU nicht etwa mit dem Verkauf der entwickelten Triebwerke, sondern auf dem Aftermarket, also mit der Wartung der Triebwerke und dem Vertrieb von Einzelteilen – ein sicheres und lukratives Geschäft. So weiß der dreifache Familienvater schon jetzt, dass MTU in den kommenden Jahren deutlich höhere Cashflows erzielen wird.

Das Geld wird der CFO aber nicht nur in die Schuldentilgung stecken. Auch Aktionäre sollen davon profitieren und höhere Dividenden erhalten: In den nächsten Jahren könnte die Ausschüttung auf 40 Prozent des Nettogewinns steigen, stellte er in Aussicht. Zudem will Kameritsch seine Finanzabteilung in der cashflowstarken Phase auf ein neues Level heben: Die Einführung der neuen ERP-Software SAP S/4 Hana ist bereits durch, bei der Digitalisierung der Prozesse und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz dürften indes noch einige Herausforderungen warten. Der Finanzvorstand, der im Konzern auch den IT-Bereich verantwortet, muss hierbei für den nötigen finanziellen Spielraum sorgen.

FINANCE-Köpfe

Peter Kameritsch, MTU Aero Engines AG

Peter Kameritsch steigt 1999 bei MTU Aero Engines ein. Im Laufe seiner Karriere bei dem Triebwerkshersteller arbeitet er in verschiedenen Führungspositionen – unter anderem als Leiter der Bereiche Finanzen, Controlling, Strategie und Investor Relations. Anfang 2018 tritt Kameritsch in den Vorstand der Münchener ein, wo er die Bereiche Finanzen und IT verantwortet.

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Dabei ist viel Fingerspitzengefühl gefragt, denn Kameritsch muss MTU in den kommenden Jahren auch auf die nächste große Investitionsphase vorbereiten: „Wenn wir einen Investitionszeitraum verpassen, sind wir 20 Jahre aus dem Markt. Das können wir nicht aufholen“, sagte er gegenüber FINANCE. Das Unternehmen will seine Programmanteile ausbauen und dafür in neue Technologien investieren.

Kameritsch muss MTU durch Klimadebatte führen

Gerade hier wird sich MTU aber kritische Fragen der Investoren gefallen lassen müssen: Wie will das Luftfahrtunternehmen in der aktuellen Klimadebatte sein Geschäftsmodell zukunftsfähig gestalten? Wie viel soll in neue Triebwerke investiert werden, die energiesparender und schadstoffärmer sein müssen?

CFO Kameritsch muss jetzt die Equity Story des Unternehmens in Richtung Nachhaltigkeit entwickeln und als exzellenter Kapitalmarktkommunikator überzeugen. Er bringt gute Voraussetzungen dafür mit, schließlich verantwortete er bereits vor seiner Zeit als Finanzchef mehrere Jahre lang die Investorenkommunikation bei MTU. Doch in der ersten Börsenliga ist die Aufmerksamkeit noch einmal deutlich höher – dieser Herausforderung muss sich Kameritsch jetzt stellen.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Mehr Infos zur Vita des MTU-CFOs bietet das FINANCE-Köpfe-Profil von Peter Kameritsch.

Eine Übersicht über alle bisherigen CFOs des Monats gibt es auf der dazu gehörigen FINANCE-Themenseite CFO des Monats.