Cat Oil-CFO Ronald Harder verlässt den Ölbohrspezialisten mit einer Millionenabfindung.

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08.01.15
CFO

CFO des Monats: Ronald Harder

Mit dem dubiosen designierten neuen Eigentümer des Ölbohrspezialisten Cat Oil wird sich CFO Ronald Harder nicht mehr herumschlagen müssen: Nach einer sehr erfolgreichen Amtszeit zieht er seine Change-of-Control-Klausel und geht mit einer Millionenabfindung von Bord. Der Zeitpunkt dafür könnte besser nicht sein.

Finanzchef Ronald Harder wird den österreichischen Ölbohrspezialisten Cat Oil am 31. März verlassen – und an diesem Tag eine Überweisung in Höhe von 1,05 Millionen Euro auf seinem Konto vorfinden. Diese Abfindung steht dem 51-jährigen zu, weil er – wie der gesamte Vorstand – eine Change-of-Control-Klausel gezogen hat. Mit-Geschäftsführerin und Großaktionärin Anna Brinkmann hat Cat Oil schon Ende Dezember verlassen, ohne Abfindung.

Cat Oil steht vor der Übernahme durch ein auf Zypern registriertes ominöses Finanzvehikel namens Joma, das sich mit rabiaten Methoden den Zugriff auf die Anteile des Großaktionärs Walter Höft gesichert hat und auch Anspruch auf einen Großteil der Beteiligung von Anna Brinkmann erhebt. Das Pflichtangebot an die freien Aktionäre in Höhe von 15,23 Euro je Aktie läuft noch bis zum 8. Januar, aber mit einem Anteil von 41 Prozent sind die freien Aktionäre in der Minderheit.

Die Großaktionäre zweifeln die Richtigkeit und Rechtmäßigkeit des Übernahmeangebots an. Außerdem kursieren Zweifel, ob es solide finanziert ist. Cat-Oil-CEO Manfred Kastner klagt, dass „die Intentionen des vermeintlichen neuen Großaktionärs im Dunkeln liegen“. Aber all dies ist dank ihres Sonderkündigungsrechts bald nicht mehr das Problem von Kastner, Harder & Co.

Ronald Harder verlässt Cat Oil auf dem Höhepunkt

Mit hoher Wahrscheinlichkeit verabschiedet sich CFO Ronald Harder auf dem Höhepunkt seines Erfolgs: Als er 2006 als CFO bei Cat Oil anheuerte, hatte das Unternehmen gerade erst den Sprung an die Frankfurter Börse geschafft. Aus einem Umsatz von 194 Millionen Euro erwirtschaftete Cat Oil damals einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 37 Millionen Euro und einen operativen Cashflow von 23 Millionen Euro.

Seitdem haben Kastner und Harder ein goldenes Händchen bewiesen, indem sie massiv in den Ausbau der Bohrflotte des Unternehmens investiert haben. Cat Oil vermietet seinen Kunden hochmodernes Spezial-Equipment für anspruchsvolle Erdölbohrungen und ist dank der konsequenten Expansion zu einem relevanten Player im internationalen Öl- und Gasgeschäft geworden. Der aktuelle Börsenwert liegt bei mehr als 700 Millionen Euro.

2013 konnte Harder schon einen Umsatz von über 426 Millionen Euro präsentieren, das Ebit stieg auf 64,6 Millionen Euro – viermal so viel wie im Jahr 2011, das noch von Nachlaufeffekten der Wirtschaftskrise geprägt gewesen war. Und Cat Oil ist unter Harder und Kastner zu einer Geldmaschine geworden: Der Cashflow von 107 Millionen Euro liegt fast viermal so hoch wie bei Harders Amtsantritt vor acht Jahren – und wenn Harder in einigen Wochen noch die finale Bilanz für 2014 vorlegt, dürften die Ergebnisse summa summarum nicht schlechter ausgefallen sein als 2013.

Ölpreis, Rubel-Crash, M&A-Drama: Über Cat Oil tobt ein perfekter Sturm

Aber besser wird es auf absehbare Zeit wohl nicht mehr werden, denn über Cat Oil tobt ein perfekter Sturm – nicht nur wegen des unerwünschten Gesellschafterwechsels: Die Firma macht fast ihr gesamtes Geschäft in Russland und Kasachstan. Der Crash des russischen Rubels wird sich schon im vierten Quartal in der Gewinn- und Verlustrechnung von Cat Oil heftig bemerkbar machen. Und es ist zu erwarten, dass die russischen Öl- und Gaskonzerne vor dem Hintergrund des eingebrochenen Ölpreises ihre Investitionen in neue Bohrlöcher kürzen werden.

Im schlimmsten Fall könnten Cat Oil sogar Forderungsausfälle drohen: Russlands größter Ölkonzern Rosneft scheint auf eine schwere Finanzierungskrise zuzusteuern, und die kleineren Ölförderer dürfte es noch heftiger treffen als den Branchenprimus. Nach jahrelangem Wachstum ist bei Cat Oil jetzt Krisenmanagement angesagt.

Der Verlust der kompletten Expertise des Management-Teams, das Cat Oil groß gemacht hat, wird die neuen Eigentümer vor eine große Herausforderung stellen. Die Zukunftsaussichten des Wiener Konzerns sind so nebulös wie die Hintermänner von Joma. Als offizieller Joma-Vertreter wird der französische Ölmanager Maurice Dijols genannt, der gute Kontakte zur russischen Ölindustrie hat. Sollte er sich tatsächlich ohne die Rückendeckung mächtiger Männer im Herbst auf den Cat-Oil-Deal eingelassen haben, wird Harder froh sein, dass er die Folgen des Übernahmeangriffs nicht mehr verantworten muss.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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