Sabine Kauper hat als CFO bei SKW Stahl-Metallurgie die erste Krise gemeistert.

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06.02.15
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CFO des Monats: Sabine Kauper

Wertberichtigungen, dünne Eigenkapitaldecke, Covenant-Bruch: Die Ausgangslage, die Sabine Kauper bei SKW Stahl-Metallurgie vorgefunden hat, war bedrohlich. Doch schon nach wenigen Monaten als Finanzchefin hat die erfahrene Saniererin das Ruder herumgerissen.

Sabine Kauper hat in ihrem ersten Jahr als Finanzchefin von SKW Stahl-Metallurgie ordentlich aufgeräumt. Im Januar 2014 wechselte sie vom Aufsichtsrat des Unternehmens, dem sie seit 2009 angehörte, auf den CFO-Posten. Zu diesem Zeitpunkt lief im Unternehmen bereits das Sparprogramm „Every Penny Counts“, mit dem SKW den Ertrag steigern wollte.

Doch nur wenige Monate nach ihrem Wechsel in den Vorstand musste CFO Kauper nachlegen: Mitte August wurde bekannt, dass SKW im Rahmen eines Impairment Tests eine außerordentliche Wertberichtigung über 84 Millionen Euro vornehmen musste, allen voran bei Werken zur Kalziumkarbidproduktion in Bhutan und Schweden. Der Aktienkurs, der über Wochen hinweg immer weiter gesunken war, brach in der Spitze um mehr als die Hälfte auf 3,30 Euro ein. Prognosen zu Umsatz- und Gewinnwachstum waren hinfällig.

Noch schlimmer: Auch die Finanzierung des Stahlzulieferers geriet ins Wanken, bei wichtigen Finanzierungen wurden Covenants gebrochen. SKW schaltete konsequent in den Krisenmodus. Für Kauper, die von 2007 bis Ende 2011 als CFO bei Phoenix Solar die negativen Auswirkungen einer Branchenkrise schon einmal zu spüren bekommen hatte und später als Restrukturiererin bei der Beratungsfirma Management Link arbeitete, war dies keine unbekannte Aufgabe. Noch im August starteten Kauper und CEO Kay Michel das Restrukturierungsprogramm „Remake“. 

CFO Sabine Kauper geht Restrukturierung konsequent an

Das Ziel: Ergebnis und Free Cashflow sollen steigen, die Strategie einer vertikalen Integration mit einer konzerninternen Rohstoffversorgung mit Kalziumkarbid wurde gestoppt. Wie eng die Lage zwischenzeitlich war, zeigt der Bericht zum dritten Quartal 2014: Eine nicht ganz ausgenutzte Rahmenkreditlinie mit drei deutschen Banken über bis zu 40 Millionen Euro unterlag einem Waiver, der schließlich von den Banken in einen Stand-Still mit Frist bis zum 31. Januar 2015 umgewandelt wurde. Zwei Banken waren mit der Neufinanzierung mandatiert.

Ebenfalls oben auf der Agenda von Kauper dürfte die teilweise Ablösung eines Schuldscheindarlehens  gestanden haben: Der Schuldschein über insgesamt 45 Millionen Euro war im März 2012 begeben worden. Ein Anteil von 18 Millionen Euro wird laut Konzernzwischenlagebericht im März 2015 fällig.

SKW Stahl-Metallurgie erntet Früchte der Restrukturierungsarbeit

Das Management stellte sich schnell auf die verschärfte Situation ein – und kann nun die ersten Früchte ernten. Der Vorstand hat auch nicht lange gefackelt,  bereits wenige Wochen nach dem Strategieschwenk verkaufte SKW das schwedische Werk für die Kalziumkarbidproduktion an den Konzern AlzChem.

Jetzt im Januar gelang Kauper auch der finanzielle Befreiungsschlag: Der Stahlzulieferer unterzeichnete einen Konsortialkreditvertrag über 86 Millionen Euro, der eine Laufzeit bis Anfang 2018 hat. Commerzbank und Norddeutsche Landesbank arrangierten die Finanzierung. Mit den Mitteln kann CFO Sabine Kauper den bisherigen Rahmenkreditvertrag refinanzieren und darüber hinaus die Fälligkeiten beim Schuldscheindarlehen bedienen.  Außerdem steht dem Unternehmen nun nach eigenen Angaben „ausreichend Fremdkapital zur Verfügung, und es werden Freiräume geschaffen, die für weiteres Wachstum sowie damit verbundene mögliche Kapitalmaßnahmen förderlich sind.“

Kaupers Spielraum, die  Finanzseite nach einer gelungenen Neuausrichtung weiter zu verbessern, ist dank der Kreditlaufzeit bis 2018  deutlich gestiegen. Der Konzern hat schon angedeutet, dass Kapitalmarkttransaktionen auf der Agenda stehen: Man werde „im weiteren Verlauf des Jahres 2015 die Kapitalmärkte auf Opportunitäten für Kapitalmaßnahmen prüfen.“ Nachdem die dringlichsten Baustellen aufgeräumt sind, will SKW Metallurgie damit wieder in den Wachstumskurs umschalten. Es wäre bemerkenswert, wenn SKW nur ein Jahr nach dem tiefen Fall in eine schwere Unternehmenskrise schon wieder Kapitalmarktinvestoren für sich gewinnen könnte.  

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Für ausgezeichnete Leistungen, besonderen Spürsinn oder mutige Entscheidungen zeichnet FINANCE jeden Monat einen Finanzvorstand aus. Welche Finanzchefs die Auszeichnung bislang erhalten haben, lesen Sie auf unserer Themenseite CFO des Monats. Unabhängig davon verleiht die Redaktion jährlich auf dem Kongress Structured FINANCE die Auszeichnung für den CFO des Jahres.

Lesen Sie mehr über den Werdegang und die Karriere-Highlights unserer CFO des Monats im FINANCE-Köpfe-Profil von Sabine Kauper.