Stefan Junker ist seit einem Jahr CFO der Erwin-Hymer-Gruppe und hat im September den Verkauf an den US-Rivalen Thor eingefädelt.

Erwin Hymer Group

09.10.18
CFO

CFO des Monats: Stefan Junker

Finanzchef Stefan Junker hat den Verkauf von Hymer an den US-Konkurrenten Thor eingefädelt. Es war das Finale eines ereignisreichen Jahres bei dem Wohnwagenbauer.

Normalerweise gelten Familienunternehmen als ruhige und stabile Arbeitgeber. Doch auf die Erwin-Hymer-Gruppe traf das in den vergangenen Monaten nicht zu. CFO Stefan Junker hatte seit seinem Amtsantritt im September 2017 alle Hände voll zu tun, um den Wohnwagenhersteller finanzseitig fit für die Zukunft zu machen: Refinanzierung, IPO-Vorbereitungen und IT-Projekte – die Bandbreite an Aufgaben für den Finanzchef war immens.  

Verkauf an Thor: Hymer-Familie ändert ihre Meinung

FINANCE-Köpfe

Stefan Junker, Erwin Hymer Group AG & Co. KG

Während  seines berufsbegleitenden Studiums beginnt Stefan Junker seine Karriere 1989 im Controlling des Automobilzulieferers Leopold Kostal. Nach einer zweijährigen Zwischenstation im Beteiligungscontrolling des Wasserspezialisten Gerolsteiner Brunnen, kehrt Junker zu Leopold Kostal als kaufmännischer Leiter eines Joint Ventures in China zurück, um dieses von erster Stunde an aufzubauen. Später leitet er sämtliche kaufmännischen Funktionen einer Tochtergesellschaft von Leopold Kostal in Mexiko.

2000 wechselt Junker zum Akustikspezialisten Sennheiser, wo er  nach drei Jahren Tätigkeit als Director Finance and Controlling zum Mitglied der Geschäftsleitung berufen wird. 2011 folgt dann der Wechsel als CFO zu dem Klimaanlagen- und Heizgerätehersteller Spheros. Dort begleitet er erfolgreich einen Secondary Exit und wechselt anschließend im April 2013 zum Wäge- und Schneidespezialisten Bizerba, wo er die Position des CFO und Chief Operating Officer übernimmt. Im September 2017 wird Junker CFO des familiengeführten Reisemobilanbieters Erwin Hymer Group.

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Prägend war aber vor allem der Verkauf des Mehrheitsanteils der Hymer-Familie, den Junker in den vergangenen Monaten gemeinsam mit CEO Martin Brandt verhandeln musste. Bei der Suche nach einem passenden Investor musste der Finanzchef mit sich stetig verändernden Rahmenbedingungen klarkommen. Denn Hymer setzte beim Verkauf auf ein sogenanntes Dual-Track-Verfahren, erörterte also parallel, ob ein Börsengang oder ein privater Verkauf der Anteile am meisten Geld bringen könnte.

Während des Verkaufs- und IPO-Prozesses änderte der Hymer-Clan dann auch noch seinen Plan. Wollten die Gesellschafter zunächst nur einen Minderheitsanteil verkaufen, war man später auch bereit, einen Mehrheitsanteil abzugeben.

Mitte September folgte dann der Komplettverkauf: Der US-Rivale Thor Industries übernahm Hymer für einen Unternehmenswert von 2,1 Milliarden Euro. Der M&A-Deal ist allerdings so strukturiert, dass die Hymer-Gesellschafter im Gegenzug mit 5 Prozent an Thor beteiligt sind.

Bis zum Schluss hatte CFO Junker verschiedene Optionen offen gehalten. Auch der Finanzinvestor Centerbridge soll an einem Einstieg bei Hymer interessiert gewesen sein.

Hymer-CFO Junker zapft erstmals Schuldscheinmarkt an

Für Finanzchef Junker ist der Verkauf der Schlusspunkt eines ereignisreichen Jahres bei dem schwäbischen Wohnwagenbauer. Im September 2017 hat der 49-Jährige seine jetzige Position angetreten. Zuvor agierte er vier Jahre als CFO des familiengeführten Wäge- und Schneidespezialisten Bizerba.

Bei Hymer war die Taktung für Junker von Beginn an hoch: Gleich in seinen ersten Wochen stellte der Finanzchef die Finanzierung auf neue Beine. Er verhandelte einen neuen Konsortialkredit im dreistelligen Millionenbereich. 

Die neuen syndizierten Linien sind deutlich schlanker gestaltet, so dass die Erwin Hymer Group schneller und flexibler auf das Geld zugreifen kann. „Wir haben jetzt nur noch einen finanziellen Covenant für die Verschuldung. Die Klausel für das Eigenkapital ist entfallen“, sagte Junker seinerzeit gegenüber FINANCE.

Kurz darauf feierte Hymer sein Debüt am Schuldscheinmarkt. Parallel zur Umstellung der Finanzierung musste Junker die durch zahlreiche M&A-Deals etwas undurchsichtig gewordene ERP-Landschaft harmonisieren.

Konsortialkredit und Schuldschein: CFO Junker hat die Finanzierung von Hymer neu aufgestellt.

Hymer zieht es nach China

Verkauf an Thor, Refinanzierung, IT-Projekte: Neben all den Baustellen durfte Junker nicht die Internationalisierung vergessen. Hymer zieht es neben dem US-amerikanischen vor allem auf den chinesischen Markt, den das Management als sehr attraktiv einstuft. Vor wenigen Wochen haben die Baden-Württemberger mit der chinesischen Unternehmensgruppe Lingyu ein Joint Venture für die Produktion und den Vertrieb von Wohnwagen und Reisemobilen gegründet.

Der Grund: Aufgrund der Regulierung darf Hymer als Caravanhersteller keine 100-prozentige Tochter in China haben. Das Gemeinschaftsunternehmen mit Lingyu war somit das Mittel der Wahl. Schon in seiner Zeit bei dem Autozulieferer Leopold Kostal hatte Junker ein Joint Venture in Fernost aufgebaut.

Rückt Hymer-CFO Junker ins zweite Glied?

Wie es für CFO Junker unter der Regentschaft der US-Amerikaner weitergeht, ist derweil unklar. Bekannt ist lediglich, dass Hymer-CEO Martin Brandt auch nach Abschluss der Übernahme durch Thor an Bord bleiben und an den dortigen Chef Bob Martin berichten wird. Ob Junker ebenfalls ins zweite Glied rücken wird, muss sich noch zeigen. Ähnlich ereignisreich wie das vergangene Jahr dürfte es für den Finanzchef dort auf jeden Fall nicht werden.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Alles zur Karriere des Hymer-CFOs finden Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Stefan Junker.