CFO des Monats: Thomas Kusterer

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05.06.15
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CFO des Monats: Thomas Kusterer

EnBW-CFO Thomas Kusterer trommelt für die Übernahme des insolventen Windparkbetreibers Prokon. Gelingt der M&A-Deal, wäre der Karlsruher Stromkonzern ein ganzes Stück weiter beim Erreichen seines ambitionierten Umbauplans.

Die Top-Manager der deutschen Energieversorger übertreffen sich seit geraumer Zeit gegenseitig im Brechen von Versprechen und im Einkassieren ihrer Visionen. Nicht wenige wähnten auch die beiden EnBW-Chefs Frank Mastiaux (CEO) und Thomas Kusterer (CFO) auf dem besten Weg in diese Gesellschaft.

Vor zwei Jahren formulierten sie ihre „Strategie 2020“. Diese gleicht aber eher einer Vision, denn Mastiaux und Kusterer wollen den Atom- und Kohlekonzern EnBW komplett vom Kopf auf die Füße stellen. Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der installierten Leistung soll von 19 Prozent im Jahr 2012 auf über 40 Prozent im Jahr 2020 wachsen. Dann wollen die Karlsruher auch 250 Prozent mehr operativen Gewinn (Ebitda) aus diesem Bereich einfahren als 2012. Dies entspräche fast einem Drittel des dann avisierten Ebitdas. Allein, zu sehen war davon bislang wenig: Im vergangenen Jahr ging auf Ebitda-Basis der Gewinnbeitrag des Renewables-Geschäfts sogar von 220 auf 191 Millionen Euro zurück.

EnBW hat gute Chancen mit seinem Prokon-Angebot

Doch jetzt wendet sich das Blatt, und spätestens seit dem mutigen Vorstoß für die Übernahme des insolventen Windparkbetreibers Prokon glauben auch die EnBW-Investoren wieder an die Story 2020. 550 Millionen Euro bietet EnBW für Prokon und den gebeutelten Genussscheingläubigern damit eine Recovery-Quote von 52 Prozent ihrer ursprünglichen Forderungen.

Das ist zwar nicht ganz so viel wie bei dem konkurrierenden Genossenschaftsmodell, bei dem die Gläubiger weiter engagiert blieben und auf 59 Prozent Rückzahlung hoffen könnten. Aber EnBW-CFO Kusterer wirbt damit, dass er das Geld cash auf den Tisch legen würde, während die in Aussicht gestellten Rückflüsse bei dem konkurrierenden Genossenschaftsmodell unsicher seien und erst in einigen Jahren kommen würden. Es spricht vieles dafür, dass die Mehrheit der Prokon-Gläubiger dem EnBW-Angebot zuneigen wird. Anfang Juli wird man es wissen, dann stimmen die Prokon-Gläubiger ab.

Mit Prokon wäre das Ziel 2020 schon in Reichweite

Eine erfolgreiche Übernahme von Prokon wäre der Durchbruch für die „Strategie 2020“. Mastiaux und Kusterer reiben sich schon die Hände: „Eine Zusammenlegung würde Prokon und EnBW entscheidend weiterbringen.“ Prokon betreibt in Deutschland und Polen Windparks mit einer Leistung von 537 MW, in der Pipeline stecken zahllose weitere Windparks mit einer Leistung von zusammen bis zu 4.200 MW. Das vergleicht sich mit vergleichsweise mickrigen 335 Megawatt an installierter Windkraftleistung, die EnBW Ende 2014 am Netz hatte.

Die Karlsruher drücken aber nicht nur am M&A-Markt, sondern parallel auch aus eigener Kraft kräftig aufs Gas. Dieses Jahr sollen organisch 455 Megawatt an neuer Windenergieleistung ans Netz gehen, das Ergebnis der Erneuerbaren soll dadurch um mindestens 20 Prozent zulegen. Gemeinsam mit Prokon läge EnBW am Jahresende dann schon bei über 1.300 Megawatt und damit nicht mehr weit unter dem für 2020 formulierten Ziel von 1.750 Megawatt installierter Onshore-Windkraftkapazität. Die dann noch fehlenden Meter bis zum Jahr 2020 zurückzulegen, wäre ein Kinderspiel.

CFO Thomas Kusterer achtet auf stabile Finanzen

Dass das ehrgeizige Ausbauziel jetzt schon in greifbare Nähe rückt, verdeckt aber das Ausmaß des Kraftakts, den CFO Kusterer bewältigen muss. 7 Milliarden Euro hat er für neue Investitionen budgetiert, um die Ziele der Strategie 2020 zu erreichen, die Hälfte davon soll in neue Windparks fließen. Die Finanzierung dafür hat Kusterer schon vorbereitet, EnBW nutzt einen breiten Mix aus Anleihen, Commercial Papers und Kreditlinien.

Trotzdem wird es eine Herkulesaufgabe sein, die zusätzlichen Investitionen zu schultern und dennoch gleichzeitig das Finanzprofil solide zu halten, ein Kernziel von CFO Kusterer. Schließlich darf man nicht vergessen, dass auch der EnBW in der konventionellen Stromerzeugung die Gewinne immer schneller wegschmelzen. Dennoch will Kusterer auch 2015 das bereinigte Ebitda im Bereich von 2,1 bis 2,2 Milliarden Euro wieder stabil halten – wie schon im vergangenen Jahr, als das Ergebnis nur minimal auf 2,17 Milliarden Euro zurückging. Damit schlägt sich EnBW deutlich besser als Eon und RWE. Im „Maschinenraum der Energiewende“, wie sich die Karlsruher vollmundig selbst bezeichnen, geht es voran.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Für ausgezeichnete Leistungen, besonderen Spürsinn oder mutige Entscheidungen zeichnet FINANCE jeden Monat einen Finanzvorstand aus. Welche Finanzchefs die Auszeichnung bislang erhalten haben, lesen Sie auf unserer Themenseite CFO des Monats. Unabhängig davon verleiht die Redaktion jährlich auf dem Kongress Structured FINANCE die Auszeichnung für den CFO des Jahres.

Lesen Sie mehr über den Werdegang und die Karriere-Highlights unseres CFOs des Monats im FINANCE-Köpfe-Profil von Thomas Kusterer.