Finanzchef Wolfgang Schäfer hat mit Continental eine Anleihe ohne Kupon emittiert.

Continental

05.12.16
CFO

CFO des Monats: Wolfgang Schäfer

Continental-Finanzchef Wolfgang Schäfer hat eine Anleihe ohne Zinsen platziert. Bei seinem Dienstantritt vor fast sieben Jahren war eine solche Emission undenkbar.

Für Continental-CFO Wolfgang Schäfer dürfte die jüngste Finanzierungstransaktion ein Meilenstein sein. Der Finanzvorstand hat eine Euro-Anleihe über 600 Millionen platziert, die drei Jahre und zwei Monate läuft. Das besondere an dem Bond: Der Kupon liegt bei 0 Prozent, Continental zahlt also keine Zinsen.

Die Anleihe hat der Dax-Konzern begeben, weil er einen 750 Millionen Euro schweren Bond aus dem Jahr 2013 refinanzieren muss, der im März des kommenden Jahres fällig wird. Dieser ist noch mit 2,5 Prozent verzinst. Durch die jüngste Anleiheemission spart Continental gegenüber dem alten Bond knapp 19 Millionen Euro pro Jahr. Das liegt nicht nur am Niedrigzinsumfeld. Es ist maßgeblich Finanzchef Schäfers Verdienst.

Continental-CFO Wolfgang Schäfer übernimmt in schwieriger Lage

Schäfer hat dem Konzern durch schwere Zeiten geholfen. Der 57-Jährige ist seit 2010 CFO des Hannoveraner Autozulieferers. Er war vom ebenfalls in der Autobranche tätigen Familienunternehmen Behr gekommen. Seinerzeit befand sich Continental noch in prekärer Lage. Der Konzern war von der Finanzkrise 2008 überrascht worden, als es galt, die 11,4 Milliarden Euro teure Übernahme von Siemens‘ Autosparte VDO zu verdauen.

Auf dem Konzern lasteten hohe Schulden, zudem brachen die Umsätze weg und die Hannoveraner rutschten tief in die roten Zahlen. Zeitgleich machte die Schaeffler-Gruppe sich die finanzielle Schieflage von Continental zunutze, und probte die feindliche Übernahme. Schaeffler verhob sich aber und hatte plötzlich selbst Schlagseite. Heute ist Schaeffler mit 46 Prozent größer Continental-Aktionär. Beide Konzerne haben sich mittlerweile erholt.

Als eines der ersten Projekte als Continental-CFO platzierte Schäfer eine High-Yield-Anleihe – mit einem aus heutiger Sicht astronomischen Kupon von 8,5 Prozent. Mit dem Geld löste Schäfer Bankkredite ab, die mit strengen Covenants belegt waren.

Auch die wichtigsten Kennzahlen verbessern sich unter Schäfers Ägide deutlich und führen dazu, dass sich die Finanzierungskosten nach und nach verbessern. Die Nettoverschuldungsquote (Gearing) liegt bei seinem Dienstantritt bei 226 Prozent. Zum Ende des dritten Quartal dieses Jahres beträgt das Gearing noch 24 Prozent.

CFO Wolfgang Schäfer steigerte Umsatz, Gewinn und Aktienkurs

In den ersten neun Monaten steigerte Continental den Umsatz um knapp 3 Prozent auf 30 Milliarden Euro. Die Marge gemessen am Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) liegt heute bei für einen Autozulieferer starken 9,6 Prozent. 2010 hatte diese noch bei 7,3 Prozent gelegen. Seit 2010 sind die Ratings von B+ auf BBB+ (S&P) und von B1 auf Baa1 (Moody’s) ins Investmentgrade zurückgekehrt.

Dem Aktienmarkt ist die Performance der Hannoveraner nicht entgangen. Bei Schäfers Dienstantritt lag der Kurs noch unter 50 Euro je Wertpapier, während der Finanzkrise gar unter 20 Euro. Derzeit notieren die Aktien bei fast 170 Euro.

All diese Verbesserungen haben nun dazu beigetragen, dass Finanzchef Schäfer für die jüngste Anleihe keine Zinsen mehr zahlen muss. Ganz umsonst ist das Fremdkapital jedoch nicht: Da der Ausgabekurs unter Par liegt, kommt Continental nicht um eine kleine Zahlung herum. Investoren erhalten über die Laufzeit knapp 0,6 Prozent Rendite.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Für herausragende Leistungen, besonderen Spürsinn oder mutige Entscheidungen zeichnet FINANCE jeden Monat einen Finanzvorstand aus. Welche Finanzchefs die Auszeichnung bislang erhalten haben, lesen Sie auf unserer Themenseite CFO des Monats.

Der Continental-CFO hat dem Unternehmen durch schwere Zeiten geholfen. Welche Karriere-Highlights er erlebt hat und was er vor seiner Zeit beim dem Autozulieferer gemacht hat, erfahren Sie auf dem Köpfe-Profil von Wolfgang Schäfer.