Will weiter wachsen: Cargo-Partner bereitet sich darauf vor den Kapitalmarkt anzuzapfen.

Cargo-Partner

20.08.14
CFO

CFO Gutmann macht Cargo-Partner fit für den Kapitalmarkt

Das österreichische Logistikunternehmen Cargo-Partner will weiter wachsen. Dazu öffnet sich das Familienunternehmen für den Kapitalmarkt – eine große Herausforderung für CFO Alexander Gutmann.

Alexander Gutmann hat ein anstrengendes Jahr hinter sich: Als CFO von Cargo-Partner ist Gutmann dafür verantwortlich, das österreichische Logistikunternehmen mit 550 Millionen Euro Umsatz kapitalmarktfähig zu machen. Bilanzierung, Controlling, Treasury, Risikomanagement – alle Bereiche des Finanzressorts hat der CFO in den vergangenen Monaten auf den Prüfstand gestellt, professionalisiert und zentralisiert. Im kommenden Jahr soll das Projekt abgeschlossen werden. „2015 oder 2016 könnte der erste Schuldschein oder eine Debütanleihe folgen – je nachdem, wie die Expansion weitergeht“, kündigt Gutmann an.

Für das Familienunternehmen wäre das ein großer Schritt: Seit der Gründung 1983 ist der Logistiker rein organisch gewachsen – und hat dies mit eigenen Mitteln und Bankkrediten finanziert. Doch dieses Konzept stößt irgendwann an eine Grenze, wenn Unternehmen sich nicht zu abhängig von ihren Banken machen wollen. Bei Cargo-Partner war das 2013 der Fall. CEO, Gründer und Alleingesellschafter Stefan Krauter stand vor einer Grundsatzentscheidung: Wenn die Expansion weiter gehen soll, müssen auch andere externe Finanzierungsquellen her.

Ein Börsengang ist ausgeschlossen, doch den Kapitalmarkt für Fremdmittel will das Unternehmen anzapfen. „Die Innenfinanzierungskraft des Konzerns ist zwar weiterhin stark, aber die aktuell günstigen Konditionen machen die Aufnahme von Fremdkapital am Kapitalmarkt attraktiv“, sagt Gutmann.

Treasury zentralisiert, Controlling aufgebaut

Doch dafür musste sich das Unternehmen, das inzwischen in fast 30 Ländern mit Tochtergesellschaften vertreten ist, zunächst transparenter aufstellen: „Durch das schnelle Wachstum war im Unternehmen ein gewisser Wildwuchs entstanden“, räumt der CFO ein. „Wir mussten die Konzernstruktur straffen, um weiter expandieren zu können.“ Unter Gutmanns Führung gründete das Unternehmen eine eigene Finanzierungsgesellschaft und zentralisierte die bis dato lokal verteilten Verantwortlichkeiten für das Treasury und das Risikomanagement. Auch  ein effektives Beteiligungscontrolling baute der CFO auf.

Für den erst 33-jährigen Österreicher, der vor drei Jahren den Karrieresprung zum CFO schaffte, ist das eine anspruchsvolle Aufgabe. Allerdings auch eine, an der er spürbar großen Gefallen findet: Mit Leidenschaft und einem Blick für die Details berichtet er über die Professionalisierung der Treasury-Arbeit – ein zentraler Baustein, um Cargo-Partner fit für den Kapitalmarkt zu machen.

„Die Logistikbranche hat zwei Besonderheiten, die ein standardisiertes und zentralisiert Treasury erfordern“, sagt Gutmann. Zum einen seien die Margen sehr niedrig – Gutmann zufolge liegen sie bei 2 bis 4 Prozent vom Umsatz – was ein gutes Cash Management erfordert. Zum anderen laufe der Zahlungsverkehr in vielen verschiedenen Währungen ab: „Wir kaufen oft in Euro oder US-Dollar ein und verkaufen in einer anderen lokalen Währung“, sagt Gutmann. „Ohne ein gutes Fremdwährungs-Management geht es da nicht.“

CFO Gutmann bündelt das Cash Management in Asien

Sowohl Fremdwährungs- als auch Cash Management lassen sich im Unternehmen am sinnvollsten zentral steuern. Die Verantwortlichkeit bei Cargo-Partner lag jedoch bislang bei den lokalen Gesellschaften. Das ändert sich gerade: Für Europa bündelt das Unternehmen unter Leitung von CFO Gutmann die Verantwortung in der Konzernzentrale in Fischamend, in der Wiener Umgebung, für die zweitwichtigste Region Asien baut Gutmann ein Treasury-Center in Hongkong auf: Hier soll künftig mithilfe von Cash Pooling die Liquidität aller neun asiatischen Landesgesellschaften zusammenfließen.

Trotz Kapitalverkehrskontrollen und anderer regulatorischen Restriktionen ist Gutmann zuversichtlich, Zugriff auf den Großteil der Liquidität zu erhalten: „Wir gehen davon aus, dass wir in Hongkong knapp 80 Prozent unseres asiatischen Cashs poolen können.“ So will das Unternehmen sein Innenfinanzierungspotential besser ausschöpfen. Der Zugriff auf konzernweite Liquidität ist aber auch für externe Geldgeber wichtig – sie fließt in die Bonitätsbewertung von Unternehmen ein und hat damit auch Einfluss auf die Finanzierungskonditionen. Sollte Cargo-Partner also tatsächlich den Kapitalmarkt anzapfen, könnte eine gute Innenfinanzierung auch für externe Geldgeber ein wichtiger Pluspunkt sein.

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