Steht Schaeffler bald ein Führungswechsel ins Haus? CFO Klaus Rosenfeld könnte CEO Jürgen Geißinger Ende 2014 ablösen.

Schaeffler

17.09.13
CFO

CFO Klaus Rosenfeld wird als neuer Schaeffler-CEO gehandelt

Schaeffler kommt beim Schuldenabbau weiter voran: Der Automobilzulieferer trennte sich von Conti-Aktien im Wert von 950 Millionen Euro und tilgte damit Schulden. Zeitgleich halten sich die Gerüchte, dass CFO Klaus Rosenfeld Ende 2014 CEO Jürgen Geißinger ablösen könnte.

Der Automobilzulieferer Schaeffler hat Aktien von Continental im Wert von rund 950 Millionen Euro verkauft und den Erlös zum Schuldenabbau eingesetzt. Zusammen mit einer Sondertilgung von 325 Millionen Euro aus dem Cashflow hat die Gruppe, die die Schaeffler AG und die Holding umfasst, ihre Finanzverbindlichkeiten nun auf rund 9 Milliarden Euro gesenkt. Der Zeitpunkt ist günstig: Der Aktienkurs von Conti liegt bei über 120 Euro – rund das Zehnfache seit dem Tiefstand im März 2009.


Damit hat CFO Klaus Rosenfeld einen bedeutenden Schritt bei der Entschuldung des Unternehmens getan – seine nach wie vor wichtigste Aufgabe. Er hat einen guten Zeitpunkt für den Verkauf abgepasst: Die Conti-Aktie befindet sich seit Monaten im Aufwärtstrend.

Auch bei dem Verkauf bleibt Schaeffler wichtiger Ankeraktionär. Nach dem Verkauf von knapp 4 Prozent der Conti-Aktien, ist der Anteil von Schaeffler nun auf 46 Prozent gesunken. Zugleich ist die Veräußerung der Anteile eine der einfachsten Möglichkeiten, um den hohen Schuldenberg abzutragen. Ein Investor, der das Eigenkapital stärken könnte, ist nicht in Sicht und brächte wohl auch eine ungewollte Verwässerung der Familienanteile mit. Bereits im vergangenen September hatte sich das Unternehmen deshalb von etwa 10 Prozent seiner über Banken indirekt gehaltenen Anteile getrennt.

Schuldenabbau genießt Priorität bei Schaeffler

Fast zeitgleich mit dem Aktienverkauf kamen  am vergangenen Wochenende Gerüchte auf, dass die Tage von CEO Jürgen Geißinger gezählt sein könnten. Medienberichte zufolge sei die Verlängerung seines Ende 2014 auslaufenden Vertrages unsicher, stattdessen könne Rosenfeld dann auf den Chefposten aufrücken. Damit läge er im Trend – unlängst übernahm mit Joe Kaeser beim Industriegiganten Siemens der CFO das Ruder. Doch Schaeffler wiegelt ab: Ein Sprecher sagte dazu gegenüber FINANCE, dass die Vertragsverlängerung von Geißinger derzeit „zeitlich und inhaltlich“ kein Thema sei. Ein klares Bekenntnis seitens der Eigentümer Maria-Elisabeth Schaeffler und ihres Sohns Georg zum CEO blieb aus, der Sprecher lobte lediglich den Gesamtvorstand und hob den Abbau der Schulden in den vergangenen Jahren hervor.

Die Gerüchte über die Ablösung von Geißinger, der seit 1998 CEO des Unternehmens ist, sind nicht neu: Schon seit der Rettung des Unternehmens im Jahr 2009 gilt CFO Klaus Rosenfeld als Liebling der Schaeffler-Familie. Als er im März 2009 als CFO von der Dresdner Bank zu Schaeffler wechselt,  war der Automobilzulieferer schon totgesagt. Das Unternehmen hatte sich gerade an der auf Pump finanzierten Milliardenübernahme von Conti verhoben, die Geißinger eingeleitet hatte.

Der Ex-Banker Rosenfeld konnte sich in den Verhandlungen mit den Kreditgebern durchsetzen und dem Unternehmen so wertvolle Zeit kaufen. Er ordnete die Verschuldung im Konzern neu und öffnete das bis dato scheue Familienunternehmen für den Kapitalmarkt. Für seine Erfolge bei der Restrukturierung und Stabilisierung des hoch verschuldeten Unternehmens, wurde Rosenfeld von FINANCE zum CFO des Jahres 2009 gekürt, auch der Zuspruch der Schaeffler-Familie ist ihm seither sicher. Rosenfeld ist allerdings kein „Auto-Guy“, sondern ganz klar ein Finanzer, er könnte den Konzern aber so lange führen, bis die Schuldenthematik endgültig im Griff ist.

Heute steht das Unternehmen auch dank der gesamtwirtschaftlichen Erholung wieder gut da: Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2012 bei 11,1 Milliarden Euro, 2009 waren es nur 7,3 Milliarden Euro, die EBIT-Marge ist im gleichen Zeitraum von 6 auf 13 Prozent gestiegen. Doch während CEO Geißinger diesen Aufwärtstrend für neue Investitionen und Wachstum nutzen wollte, hatte für Rosenfeld in den vergangenen Monaten die Senkung der Schuldenlast Vorrang. Es bleibt spannend, welche Sichtweise sich langfristig durchsetzt – davon dürfte auch die Entscheidung über das Amt des CEOs abhängen.

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