Audi-Finanzvorstand Axel Strotbek auf dem Stuttgarter Controller-Forum.

Horváth & Partners

19.09.12
CFO

CFO Strotbek: „Die Hochphase der letzten Jahre hält nicht ewig“

Bislang hat der Audi-Konzern sich von der Volatilität wenig beeindruckt gezeigt und im Rahmen seiner langfristigen Strategie optimistische Ziele ausgerufen. Trotz allem: Finanzvorstand Axel Strotbek gibt sich vorsichtig und will die Perle des VW-Konzerns durch eine geänderte Unternehmenssteuerung auf die nächsten Jahre vorbereiten. Wie das aussehen soll, erklärte CFO Strotbek gestern auf dem Stuttgarter Controller-Forum.

2 Millionen Autos sollen im Jahr 2020 ausgeliefert werden – das ist das Ziel, das Audi im vergangenen Jahr ausgerufen hat. Die Messlatte legt der Konzern hoch, erwartet man in Ingolstadt für 2012 noch rund 1,4 Millionen ausgelieferte Fahrzeuge weltweit. Auf dem Stuttgarter Controller-Forum von Horváth & Partners gab sich Finanzchef Axel Strotbek aber vorsichtig: „Voraussetzung ist natürlich, dass die Volatilität sich in Grenzen hält.“

Audi stapelt tief bei erwarteter Rendite

Ein Thema, mit dem die Automobilindustrie besonders kämpft. Nicht nur die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen der Branche zu schaffen – allein in Spanien dürfte der KfZ-Markt gegenüber dem Schnitt der Jahre 2000 bis 2007 in diesem Jahr um mehr als 50 Prozent einbrechen, in Italien ist die Prognose ähnlich schlecht. Besonders massiv wirkt sich aber die ganz eigene Dynamik des weltweiten Pkw-Markts aus: „Der Markt reagiert im Vergleich zur Gesamtwirtschaft immer mit dem Faktor 2 bis 3 – sowohl positiv als auch negativ“, sagte der CFO. Darunter leiden indes besonders die Volumenhersteller, die Premiumhersteller profitieren von der Riesennachfrage aus den Schwellenländern.

Trotz Zukäufen wie zuletzt Ducati setzt Strotbek deshalb auf eine gemäßigte Strategie – wenngleich auch immer noch auf hohem Niveau. Im laufenden Jahr erwartet Audi eine operative Umsatzrendite von 12 Prozent, und trotz eines Durchschnitts von 9,5 Prozent in den vergangenen Jahren steckt der Finanzchef den Zielkorridor mit 8 bis 10 Prozent weiterhin konservativ: „Wir können die Hochphase der vergangenen zwei Jahre nicht ewig fortschreiben.“ Um dennoch durch kontinuierliches Wachstum dem Ziel für 2020 näherzukommen, krempelt der Konzern seine Unternehmenssteuerung um.

Szenarioplanung soll Risiken eingrenzen

Der Kern: Der Planungsprozess soll auf einer sichereren Grundlage erfolgen als bisher. Neben der Einführung einer langfristigen Szenarioplanung gehört dazu vor allem, dass Unternehmensexperten mit ständigen Sensivitätsanalysen Risiken messbar machen: Dafür verändern sie einzelne fixe Parameter der Planung wie beispielsweise Wechselkurse und errechnen die Auswirkungen der geänderten Prämisse. Kommt Audi dann zu neuen Einschätzungen, soll die Planung auch mehrmals unterjährig angepasst werden, zur Not auch ad-hoc – und eben nicht nur einmal pro Jahr, so wie das bislang der Fall war.

Damit der komplexe Prozess mit vertretbarem Aufwand funktionieren kann, muss der CFO Prioritäten setzen. Strotbeks Ansage ist eindeutig: „Die Genauigkeit muss sich dabei der Schnelligkeit unterordnen.“ Entscheidend sei, sich gezielt die KPIs für entscheidende Posten wie das Working Capital zu konzentrieren, anstatt die gesamte Bilanz im Detail zu analysieren. Um sich mit dem Projekt nicht zu übernehmen, muss das Unternehmen auch bei der Software ran – selbst im Großkonzern Audi basiert vieles noch auf Excel: „Von solchen Randlösungen müssen wir weg“, so Strotbek.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de