In Digitalisierungsfragen stehen CFOs oft noch vor einem Zwiespalt: Automatisierungslösungen versprechen schnelle Effizienzgewinne, doch die Skepsis gegenüber den technischen Möglichkeiten ist noch nicht ganz ausgeräumt.

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10.07.17
CFO

CFOs zwischen Automatisierungswunsch und technischen Zweifeln

Viele Finanzchefs sind der Meinung, ihre CFO-Organisation anpassen zu müssen. Durch stärkere Automatisierung soll der Bereich effizienter arbeiten. Allerdings lassen viele CFOs den Blick für die technologischen Möglichkeiten noch vermissen.

Ein steigender Effizienzdruck ist einer der wichtigsten Treiber für die Digitalisierung in der Finanzabteilung. Das hat die „CFO Studie: Finance Excellence 2020“ der Managementberatung Horváth & Partners ergeben, für die 124 Fragebögen ausgewertet wurden, die Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgefüllt haben. 94 Prozent der Befragten stimmten zu, dass ein „enormer Effizienzdruck in der Finanzfabrik“ herrsche.

Die Leistungsfähigkeit zu steigern, steht für immer mehr CFOs oben auf der Agenda. Jeder zweite arbeitet derzeit daran, die CFO-Organisation anzupassen – ein Anstieg um 14 Prozentpunkte gegenüber der vorangegangenen Befragung im Jahr 2014. Mehr als 90 Prozent halten es für bedeutend, ihre Systemlandschaften zu harmonisieren sowie Prozesse neu aufzusetzen und zu automatisieren. 89 Prozent der Teilnehmer wollen die Steuerung automatisieren – ein Plus von 22 Prozentpunkten gegenüber der vorangegangenen Befragung.

Deutlich mehr CFOs als früher denken offenbar auch darüber nach, wie sie die Basis für die Nutzung von Big Data schaffen: Die Datenanalytik organisatorisch zu verankern gehört für 70 Prozent der Befragten zu den wichtigsten Maßnahmen, ein Plus von 17 Prozentpunkten gegenüber 2014.

Blockchain stellt viele CFOs noch vor Rätsel

Neben neuen Analysemöglichkeiten stehen die Prozesse auf den Prüfstand. Um die Effizienz in der Finanzorganisation zu steigern, setzen fast alle CFOs auf Prozessstandardisierung (95 Prozent), viele auch auf eine Weiterentwicklung von Shared-Service-Ansätzen (57 Prozent) sowie die Automatisierung transaktionaler Finanzprozesse durch Robotics (52).

Die Möglichkeiten sind da: Mit Robotics, künstlicher Intelligenz, Big Data oder der Blockchain stehen CFOs heute so viele Technologien zur Verfügung wie nie zuvor. Allerdings stehen die Finanzchefs in der Praxis mit vielen dieser Anwendungen noch auf Kriegsfuß, wie auch das jüngste FINANCE CFO Panel gezeigt hat. Nur rund jeder fünfte der dafür befragten Panel-Teilnehmer nutzte bereits Big-Data-Analysen oder Predictive Analytics.

Auch die Robotics-Technologie war noch bei kaum einem Unternehmen im Einsatz, 20 Prozent planen zumindest die Einführung. Zur Nutzung der Blockchain hatte bei der Befragung im Frühjahr noch keines der Unternehmen ein konkretes Einsatzfeld definiert – hier leistete Daimler kürzlich mit der Platzierung eines Schuldscheindarlehens Pionierarbeit.

Wenn die CFOs ihre eigene Agenda ernst nehmen, dürfte zumindest die Robotics-Software bei repetitiven Tätigkeiten künftig deutlich stärker genutzt werden. Ohne eine Öffnung gegenüber den weiteren technologischen Neuerungen werden die Finanzchefs ihrem Ziel einer effizienteren und stärker automatisierten Organisationsstruktur aber nur schwer näherkommen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de