02.10.17
CFO

Constantin stoppt Sport1-Verkauf

Der Medienkonzern Constantin hat den M&A-Prozess für sein Sportsegment Sport1 gestoppt. Gleichzeitig schlagen Millionenkosten für den eskalierten Machtkampf zu Buche.

Constantin Medien zieht sein Vorhaben, sein Sportsegment „Sport1“ zu verkaufen, zurück. Noch im Juni dieses Jahres hatte der Konzern mit der Entscheidung überrascht, diesen Geschäftsbereich verkaufen zu wollen. Der Deal sollte je nach Umfang der Transaktion zwischen 30 und 120 Millionen Euro einbringen und die angespannte finanzielle Situation des Münchener Unternehmens mildern – insbesondere was die 2018 auslaufende Mittelstandsanleihe angeht. Zahlreiche Strategen hatten ihr Interesse an einer Übernahme von Sport 1 bekundet, darunter Axel Springer und Sky.

Gewinnwarnung über 30 Millionen Euro?

Nun, da der Deal abgeblasen ist, muss die neu formierte Führungsriege von Constantin neue Wege finden, um die ausstehenden Verbindlichkeiten zu bedienen. Die Verantwortung dafür dürfte nun in die Schweiz wandern, wo Bernhard Burgener sitzt. Der Unternehmer ist der starke Mann bei der Constantin-Schwestergesellschaft Highlight Communications. Vor wenigen Wochen gewann er den erbitterten Machtkampf mit Constantin-Großaktionär Dieter Hahn, woraufhin er die Beteiligungsverhältnisse im Medienkomplex Constantin/Highlight rasch umkehren ließ: Im Kern ist Highlight nun keine Tochtergesellschaft Constantins mehr, sondern umgekehrt.

Durch die Entkonsolidierung von Highlight entsteht bei Constantin ein Einmalertrag von 37,3 Millionen Euro, wie die Münchener ebenfalls vermeldeten. Außerdem entfallen Schulden in Höhe von 36 Millionen Euro, weil die neue Constantin-Führung ein Darlehen bei der Burgener nahestehenden Finanzfirma Stella Finanz nicht in Cash, sondern in Highlight-Aktien zurückgezahlt hat.

Doch wie das Unternehmen jetzt offenlegt, hat der bittere Machtkampf zwischen Hahn und Burgener viel Geld gekostet. Abfindungszahlungen für ehemalige Vorstände, Rechtsberatungskosten und Sonderprüfungen kosten einen Millionenbetrag, dessen Höhe Constantin allerdings nicht genauer beziffert. Hinzu kommen Probleme im operativen Geschäft von Sport1 und der Tochterfirma Plazamedia, die Sportübertragungen produziert.

Die finanziellen Folgen dieser Einschnitte sind offenbar erheblich. Trotz des Sonderertrags von 37 Millionen Euro erhöht Constantin die Gewinnprognose für das laufende Jahr nur um 7 Millionen Euro auf ein Konzernergebnis von höchstens 10 Millionen Euro. Daraus lässt sich das Ausmaß der Gewinnwarnung auf rund 30 Millionen Euro taxieren.

Anleiheinvestoren von Constantin setzten auf Burgener

Zur Bedienung der Finanzschulden ist Constantin damit nun auf Finanzspritzen von Highlight angewiesen, wo tatsächlich auch viel Liquidität vorhanden ist. Diese könnte über Dividendenausschüttungen, aber auch über Darlehen nach München transferiert werden.

Die Mittelstandsanleihe umfasst 65 Millionen Euro und wird im April 2018 fällig, zuzüglich der letzten fälligen Kuponzahlung von 4,5 Millionen Euro. Daneben wurde bereits Ende September ein Darlehen der Unicredit über 36 Millionen Euro fällig. Ob dieses getilgt, verlängert oder refinanziert wurde, ist aktuell noch nicht bekannt.

Die Bondholder setzen offensichtlich auf die Finanzkraft Burgeners. Auch heute notiert das Papier unverändert bei 100 Prozent seines Nennwerts. Die Aktie hingegen, die sich nach Ende des Machtkampfs leicht erholt hatte, dreht wieder Richtung Süden: In den vergangenen zweieinhalb Wochen hat sie rund 10 Prozent nachgegeben.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de