Großer Umbau: Continental verpasst sich eine Holding-Struktur. Von 2020 an besteht der Technologiekonzern aus den Sparten Automotive, Rubber und Powertrain.

Continental AG

18.07.18
CFO

Continental wandelt sich in eine Holding

Continental verpasst sich eine neue Struktur. Im Zuge dieser will der Automobilzulieferer seine Antriebssparte schon 2019 an die Börse bringen.

Nachdem Continental Anfang Januar Aufspaltungsüberlegungen bestätigt hatte, konkretisiert der Zulieferer diese nun. Die Hannoveraner wollen künftig unter der Marke „Continental Group“ auf eine Holding-Struktur setzen.

Unter diesem Dach will der Dax-Konzern von 2020 die Geschäftsbereiche Rubber, Automotive und Powertrain bündeln. Momentan ist Continental noch in die beiden Bereiche Rubber (Reifen für Autos und Nutzfahrzeuge), der 2017 gut 17 Milliarden Euro zum Konzern-Umsatz beisteuerte, und die größere Sparte Automotive (26,6 Milliarden Euro) aufgeteilt.

Zum Automotive-Bereich gehörte bislang neben den Geschäften mit Chassis und Sicherheitslösungen sowie dem Fahrzeuginnenraum auch das Segment Antriebstechnik (Powertrain). Diese Sparte, die das Geschäft mit Verbrennungsantrieben, das komplette Zukunftsgeschäft mit Hybrid- und Elektroantrieben sowie alle laufenden Batterieaktivitäten beherbergt, wird künftig eigenständig agieren.

Ausgliederung kostet Continental 350 Millionen Euro

Das Segment Powertrain soll bereits Anfang 2019 eigenständig werden. Der Grund für diesen Schritt ist, dass die Sparte „voraussichtlich“ bereits Mitte 2019 teilweise an die Börse gebracht werden soll. Diesen Schritt hatten Marktbeobachter schon länger erwartet. Mittel- bis langfristig will Continental nach eigenem Bekunden aber die Kontrolle über das Powertrain-Geschäft noch behalten. Damit dürften auch nach einem Börsengang die Mehrheit der Anteile bei Continental bleiben.

Für die Abspaltung der Antriebssparte nimmt CFO Wolfgang Schäfer ordentlich Geld in die Hand: Bei der Ausgliederung des Segments rechnet Continental mit operativen Kosten in Höhe von 350 Millionen Euro, die überwiegend 2018 und 2019 anfallen sollen.

Hinzu kommen steuerliche Belastungen von 100 Millionen Euro, so der Konzern. Der Ausblick des Continental-Konzerns für 2018 bleibe von den Belastungen allerdings unberührt. Was der Umbau für 2019 bedeutet, ließ Continental indes noch offen.

FINANCE-Köpfe

Wolfgang Schäfer, Continental AG

Von 1984 bis 1986 absolviert Schäfer ein internationales Trainee-Programm bei der Robert Bosch GmbH und arbeitet anschließend als Assistent der Geschäftsführung im Bereich Power Tools. Zwischen 1988 und 1989 ist Schäfer als Berater und Teamleiter bei Bain & Co. in München tätig. Anschließend kehrt er in die Unternehmenswelt zurück und leitet zwischen 1990 und 1995 die Finanzen und das Controlling der Westig GmbH.

Die folgenden sechs Jahre ist Schäfer Mitglied des Vorstands und CFO der Vorwerk Elektrowerke Stiftung. 2001 geht Schäfer zurück in die Automobilbranche und wird CFO des Autozulieferers Behr, wo er bis 2009 die Geschäftsbereiche Finanzen, Controlling, IT, Personal, Einkauf, Recht, Logistik und M&A verantwortet. Zeitgleich leitet er ab 2005 sämtliche Deutschlandaktivitäten als CEO von Behr.

Im Januar 2010 beruft Continental Schäfer zum CFO. Der Autozulieferer leidet unter einer hohen Verschuldung, weil das vorherige Management kurz vor Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise für mehr als 10 Milliarden Euro den Konkurrenten Siemens VDO übernommen hat. Gemeinsam mit CEO  Elmar Degenhart gelingt es Schäfer, Continental langfristig zu refinanzieren und den Großkonzern zunächst in ruhiges Fahrwasser und anschließend wieder in Dax zu führen.

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Die Continental-Aktie reagierte nach der Veröffentlichung der Pläne erst mit einem leichten Kurssprung von 205 auf über 209 Euro. Später rutschten die Papiere jedoch unter das Niveau des Vortages von 202 Euro. Den am heutigen Mittwoch verkündeten Veränderungen muss der Continental-Aufsichtsrat noch am 26. Juli zustimmen.

Continental: Automotive-Segment soll kräftig wachsen

Der Automotive-Bereich verliert durch die Aufspaltung fast 8 Milliarden Euro Umsatz. Der Bereich wird sich künftig aus den Geschäftsfeldern „Autonomous Driving Technologies“, das sich um das automatisierte und autonome Fahren sowie alle Chassis-Funktionen kümmert, und „Vehicle Networking Technologies“, wo es um die interne und externe Vernetzung von Fahrzeugen geht, zusammensetzen.

Das Automotive-Geschäft soll den Umsatzverlust in den kommenden Jahren wieder aufholen. Geplant ist eine Steigerung von 19 Milliarden Euro (ohne Powertrain) im Jahr 2017 auf 30 Milliarden Euro im Jahr 2023. Der Aufbau einer zentralen Forschungs- und Entwicklungsabteilung für Automotive soll dazu beitragen, den Bereich künftig schneller wachsen zu lassen.

Deutsche Konzerne setzen auf Abspaltungen

Auch die Rubber-Sparte, in der die Hannoveraner ihr Reifengeschäft bündeln, könnte künftig einmal eigenständig agieren. Ein immer wieder spekulierter Börsengang der Sparte und eine Abgabe von Minderheitsanteilen sei zwar „derzeit nicht geplant“, schreibt Continental. Dies sei aber eine denkbare Option für die Zukunft. Eine mögliche Abspaltung des Reifengeschäfts habe man vor einigen Jahren vorbereitet. Weitere Schritte seien hier „momentan nicht notwendig“.

Mit dem Umbau ist Continental nicht allein. Auch andere deutsche Großkonzerne spalten sich derzeit auf: So trennt sich der kriselnde Industriekonzern ThyssenKrupp von seinem Stahlgeschäft, Siemens hat seine Medizintechniktochter Healthineers  an die Börse gebracht. Die Autokonzerne Daimler, der sich ebenfalls in eine Holding wandelt, und Volkswagen wollen ihrerseits ihr Lkw-Geschäft an die Börse bringen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Wissenswertes zur Karriere vom Continental-CFO finden Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Wolfgang Schäfer.