Bioethanol-Produktionsanlage von CropEnergies: Seit der Intervention aus Brüssel vergangene Woche ist der Bau neuer Großanlagen für CropEnergies-CFO Joachim Lutz vorerst passè.

CropEnergies

24.10.12
CFO

CropEnergies legt Expansion auf Eis

Die EU-Kommission hat das Beimischziel für Biosprit aus Nahrungsmitteln mit einem Handstreich halbiert. Joachim Lutz, Finanzchef von Deutschlands größtem Bioethanolhersteller CropEnergies, macht das schwer zu schaffen. Trotz voller Kassen und starker Cashflows muss er die Expansion des Unternehmens nun auf Eis legen. Cash-Rückzahlungen an die Aktionäre sind plötzlich zu einer seiner dringendsten Aufgaben geworden.

Die Langfriststrategie von CropEnergies-CFO Joachim Lutz ist seit vergangener Woche Makulatur. Mit der Entscheidung, die verordnete Beimischung von Biosprit von 10 auf 5 Prozent zu halbieren, hat Brüssel die von Lutz ins Auge gefasste Expansion des Mannheimer Bioethanolproduzenten bis auf Weiteres gestoppt. „Wir haben drei große Werke. Bevor wir Werk vier, fünf oder sechs angehen, müssen wir uns jetzt erst einmal die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen genau ansehen“, sagte Lutz gegenüber FINANCE-TV.

CropEnergies-CFO Lutz: „Wir sind feuerfähig“

Die Unsicherheit kommt für Finanzchef Lutz zu einem schlechten Zeitpunkt. Denn nach drei Jahren mit niedrigen Investitionen und starken Cashflows sind die Mittel für den Bau einer neuen Bioethanolanlage, die leicht 150 Millionen Euro kosten kann, inzwischen wieder vorhanden. Zum Ende des zweiten Quartals am 30. August sank die Nettoverschuldung gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt von 178 auf 121 Millionen Euro, vor zwei Jahren hatte sie noch bei über 215 Millionen Euro gelegen.

Die Ebit-Prognose für das Gesamtjahr konnte Lutz dank einer hohen Anlagenauslastung von 53 auf 68 Millionen Euro heraufsetzen, womit CropEnergies ein Ebitda von rund 100 Millionen Euro erzielen dürfte. Läuft das zweite Halbjahr wie geplant, könnte der Verschuldungsmultiplikator der Südzucker-Tochter dann unter 1x Ebitda fallen. „Wir sind feuerfähig und finanziell bereit für unsere nächste Expansionsphase“, betont Lutz. Ohne eine neue Investitionsoffensive würde die Verschuldung Jahr für Jahr um mehr als 50 Millionen Euro sinken.

Doch durch die aktuelle politische Entwicklung auch die Finanzierungsstrategie des Biospritproduzenten gravierend verändert. Stand bis vor kurzem noch die Wachstumsfinanzierung auf der Agenda von CFO Joachim Lutz ganz oben, wird er sich nun Gedanken darüber machen müssen, wie er die freien Mittel über Aktienrückkäufe und Dividenden an die Aktionäre zurückgeben kann. Mit 71 Prozent ist der MDax-Konzern Südzucker der Hauptaktionär von CropEnergies.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de