Daimler hat den ersten Green Bond platziert. Wie es dazu kam, erklärt CFO Harald Wilhelm.

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05.11.20
CFO

Daimlers Wandel, Corona-Sorgen und Restrukturierungen

Daimler im Wandel: Mit CFO Harald Wilhelm sprachen wir über den ersten Green Bond. Neben Nachhaltigkeit ist Corona das Thema der Stunde. Diese Themen erwarten Sie in der neuen FINANCE-Ausgabe.

Ortstermin in Sindelfingen. Als es die Pandemielage noch zuließ, trafen wir Daimler-CFO Harald Wilhelm im „Center of Excellence“ am Rande des riesigen Daimler-Werks im Schwäbischen. Näher am operativen Geschäft des Autobauers geht es kaum: Im Werk daneben werden die Autos produziert, im Kundenzentrum dann an Käufer aus aller Welt ausgeliefert.

Grund des Gesprächs war eine Pioniertat der Schwaben. Daimler hatte wenige Wochen zuvor erstmals einen Green Bond platziert, den ersten in der langen Geschichte des Autobauers. Die Anleihe mit einem Volumen von 1 Milliarde Euro steht aber für viel mehr, nämlich nichts weniger den Wandel hin zum umweltfreundlicheren Konzern. „Dies beinhaltet im Kern, dass die Neuwagenflotte von Mercedes-Benz Cars während der nächsten 20 Jahre CO2-neutral werden soll“, sagte uns Daimler-CFO Wilhelm im Interview. „Damit unterstützen wir die Pariser Klimaziele für 2040.“

Wie Wilhelm die Anleihetransaktion angegangen ist und wie er Daimler finanziell gegen Corona rüstete, erfahren Sie im neuen FINANCE-Magazin, das Sie heute schon als E-Paper lesen können. 

RWE-CFO setzt sich Nachhaltigkeitsziele

In ein ähnliches Horn wie Wilhelm stößt Markus Krebber. Der RWE-CFO und designierte Nachfolger von CEO Rolf Schmitz hat mit anderen Finanzvorständen einen Initiative gegründet, die die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen voranbringen soll. Es gibt 17 dieser sogenannten „Sustainability Development Goals“ (SDGs), darunter die Bekämpfung von Armut und Hunger sowie des Klimawandels.

Viele der beteiligten Konzerne stehen als Umweltsünder am Pranger, so auch RWE selbst. Ähnlich wie Daimler steht aber auch der Energiekonzern vor einer großen Transformation hin zu erneuerbaren Energien, was mit dem Innogy-Deal besiegelt wurde. „Jedes Unternehmen muss für sich die Sustainable Development Goals priorisieren und definieren, auf welche Ziele die eigene Geschäftstätigkeit einzahlt und wo es eine Verbesserung erreichen kann“, erklärte Krebber gegenüber FINANCE die guten Absichten der Initiative.

November/Dezember 2020

Daimlers Wandel

CFO Harald Wilhelm über grüne Finanzierungen, Coronakrise und Elektromobilität
 

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Tui und Omio kämpfen mit Corona-Folgen

Noch stärker als das Thema Nachhaltigkeit ziehen sich die Corona-Folgen durch die neue Zeitschrift. Besonders exponiert ist bekanntlich die Reisebranche. Wir werfen deshalb einen kritischen Blick auf den Reisekonzern Tui, der seit der Pandemie ziemlich Schlagseite hat.

Dessen Chef, Fritz Joussen, hofft eine baldige Einführung eines Impfstoffs und auf Schnelltests. Nur muss das alles auch schnell klappen, denn die Bilanz von Tui ist bis zum Zerbersten angespannt. Eingezwängt zwischen einem riesigen Schuldenberg, horrenden Zinsen und einem ausgebombten Aktienkurs kämpft die Führung um die Reparatur der Konzernbilanz – mit allergrößtem Risiko. Eine Kapitalerhöhung scheint dringend angebracht, Joussen hält sie momentan aber nicht für opportun. Mehr zu „Joussens großer Wette“ erfahren Sie im Magazin.

Aber auch die Kleinen der Reisebranche ringen mit der Pandemie. „Unsere Umsätze fielen auf null“, berichtete Jan Kemper im Gespräch mit FINANCE. Der ehemalige ProSiebenSat.1-CFO heuerte vor eineinhalb Jahren beim Reise-Start-up Omio an. Uns erzählte er vom schwierigen Balanceakt zwischen empathischer Mitarbeiterführung und rationaler Finanzierungssicherung. Statt der geplanten Expansion stehen jetzt Cost-Cutting und das schiere Überleben auf der Agenda.

Wer wird Pionier der präventiven Sanierung?

Dazu passt ganz gut der Schwerpunkt unserer Ausgabe mit dem Thema Restrukturierung. Dort geht es unter anderem um das neue Instrument der präventiven Sanierung. Ab kommendem Jahr soll das spannende Konstrukt dazu dienen, angeschlagene Konzerne zu retten, ohne das Stigma einer Insolvenz zu verbreiten. „Sie ist ein Mittelweg zwischen zwei bekannten Sanierungsverfahren – der außergerichtlichen Sanierung und dem gerichtlichen Insolvenzverfahren“, erklärt Maximilian Pluta von der auf Restrukturierung und Insolvenzrecht spezialisierten Kanzlei Pluta. Welches Unternehmen wohl der erste Fall sein wird? Beobachter glauben, dass die oben erwähnte Tui oder die Milliarden verbrennende Lufthansa Kandidaten sein könnten.

Gegen die Unternehmenskrise bei Heideldruck stemmt sich mit aller Macht der neue CFO Marcus Wassenberg. Der 53-Jährige ist seit September 2019 oberster Finanzer der Heidelberger. Schon seit zwei Jahrzehnten kämpft der Maschinenbauer mit einer ausgeprägten Ertragsschwäche. Prekär ist die Eigenkapitalquote von nur noch 6 Prozent – fallende Rechnungszinsen für die enormen Pensionslasten drücken sie immer weiter in die Tiefe. Nach ersten wichtigen Transaktionen, wie etwa den Pensionsfonds wieder zurück in die Bilanz zu holen, äußerte sich der ehemalige Rolls-Royce-Manager im FINANCE-Interview vorsichtig optimistisch: „Wir haben etwa ein Drittel der Wegstrecke zurückgelegt – aber den Teil mit den härtesten Steigungen.“

Sonderbeilage zur Structured FINANCE Digital Week

Wege aus der (Corona-)Krise stehen auch im Fokus unserer Beilage. Die Publikation flankiert die 16. Structured FINANCE, die in diesem Jahr vom 23. bis zum 26. November als „Digital Week“ stattfinden wird. Die Sonderbeilage bietet mit fast 80 Seiten einen Vorgeschmack auf die Konferenz – massenhaft Lesestoff rund um alles, was „State of the Art“ in der modernen Unternehmensfinanzierung ist. Blättern Sie mal rein!

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Warum Supply Chain Finance jetzt so wichtig ist, wie viel Gehalt die SDax-CFOs zuletzt verdient haben und wie sich Finanzchefs auf den Brexit vorbereiten  – diese und viele weitere Themen finden Sie ebenfalls in der neuen FINANCE-Ausgabe, die Sie hier bestellen oder heute schon als E-Paper beziehen können.