Japanische Verhältnisse in Frankfurt: Niedrigzinsen halten Banken und Unternehmen in Schwach.

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30.01.20
CFO

Der Angriff der Negativzinsen

Auch unter Christine Lagarde hält die EZB an ihrer Nullzinspolitik fest. Die Folgen für die Unternehmensfinanzen sind dramatisch. Dass Banken „Strafzinsen“ jetzt flächendeckend ausrollen, ist nicht das einzige, das auf CFOs zukommt, zeigt die neue FINANCE-Titelgeschichte.

Mario ist weg, Christine ist da, doch die (Negativ-)Zinspolitik bleibt. Spätestens seit Mitte September können Banken und Unternehmen nicht mehr die Augen vor der Tatsache verschließen, dass die Zinsen dauerhaft niedrig bleiben. „Im Großen und Ganzen haben wir japanische Verhältnisse“, konstatiert Carsten Brzeski, Chefökonom der ING in Deutschland. Daran ändere auch der personelle Wechsel an der EZB-Spitze „überhaupt nichts – das Zinsumfeld bleibt auf längere Frist niedrig“.

Die Unternehmensfinanzierung kommt dabei in bisher unbekannte Gewässer. In bisher nicht gekanntem Ausmaß werden Unternehmen in diesem Jahr Strafzinsen auf ihre Sichteinlagen zahlen müssen. Die Banken, insbesondere die Deutsche, haben angekündigt, dass sie diese nun auf breiter Front ausrollen müssen. In anderer Hinsicht werden die Geldhäuser den Unternehmen aber entgegenkommen müssen: Auch bei Finanzierungsinstrumenten wie syndizierten Krediten und Schuldscheinen fallen die Tabus, dort halten negative Zins-Floors Einzug. Wie genau, lesen Sie in der neuen FINANCE, die morgen erscheint und heute bereits als E-Paper erhältlich ist.

LBBW-Vorstand Lochner: kein Rückzug von Firmenkunden

Auch LBBW-Firmenkundenvorstand Karl Manfred Lochner zeigte sich gegenüber FINANCE wenig begeistert von den jüngsten EZB-Entscheidung. Die Zentralbank habe zwar „einen sehr guten Job für Wirtschaft und Euro“ gemacht. „Jetzt wäre aber der Zeitpunkt gewesen, die Zinsen anzuheben“, findet der Firmenkundenchef der LBBW. Die Erneuerung des Anleihekaufprogramms hält er für „das falsche Signal“.

Schwerpunktmäßig ging es im Gespräch mit Lochner aber nicht um das Zinsumfeld, sondern um die Zukunft der Stuttgarter Landesbank, deren Zentrale direkt neben der Großbaustelle von „Stuttgart 21“ liegt. Den Vergleich mit dem umstrittenen Großprojekt wies er aber zurück. „Wir haben uns bereits in den Jahren 2016/2017 mit einer neuen Strategie auf die Zukunft eingestellt. Seitdem arbeiten wir Tag für Tag an deren Umsetzung.“ Im Gegensatz zu anderen Landesbanken wie der BayernLB, die gerade ihr Kapitalmarktgeschäft zusammenstreicht, gab Lochner ein klares Commitment zu einem breit aufgestellten Firmenkundengeschäft ab. Einem Rückzug aus Teilsegmenten erteilte Lochner eine klare Absage.

„Jetzt wäre der Zeitpunkt gewesen, die Zinsen anzuheben.“

Karl Manfred Lochner, Firmenkundenchef, LBBW

CFOs zwischen Deals und Börsengang

Über mangelndes Interesse von Banken können sich die CFOs derzeit ohnehin nicht beklagen. Für die neue Ausgabe haben wir gleich zwei besucht: Merck-CFO Marcus Kuhnert und den frisch angetretenen Ottobock-Finanzchef Jörg Wahlers, die derzeit ganz unterschiedliche Herausforderungen zu meistern haben.

Mit Kuhnert haben wir über Mercks jüngsten Mega-Deal gesprochen. Die Übernahme des US-Konzerns Versum war – entgegen des üblichen Ansatzes von Merck – feindlich angelegt. Das hatte Folgen für die Vorbereitung. „Wir haben sehr viel mehr Zeit als bei anderen Deals darauf verwendet, das Verhalten und die möglichen Reaktionen des Gegenübers einzuschätzen“, erzählt Kuhnert. Im Interview gab er noch mehr interessante Einblicke in den Deal, Mercks Taktik und die Ausfinanzierung des Kaufpreises am Kapitalmarkt.

Kein Mega-Deal, sondern ein Börsengang steht bei Ottobock auf der Agenda. Im Sommer 2019 ist Jörg Wahlers bei dem Prothesenhersteller aus dem niedersächsischen Duderstadt angetreten. Seine Mission: das Familienunternehmen mit Private-Equity-Touch (EQT ist beteiligt) fit für den Gang an die Börse zu machen. Doch der Weg dahin könnte länger sein als gedacht.

„Wir stehen nicht unter Zeitdruck.“

Jörg Wahlers, CFO, Ottobock

„Wir werden alles tun, um kontinuierlich zu wachsen und uns in der Finanzabteilung professionell aufzustellen, unter Zeitdruck stehen wir aber nicht“, sagte Wahlers im Gespräch mit FINANCE. Da klang CEO Philipp Schulte-Noelle zuletzt deutlich verbindlicher, als er einen Börsengang für 2020 avisierte. Aber auch Übernahmen stehen auf der Agenda des frischgebackenen Ottobock-CFOs, wobei der Prothesenhersteller dabei zuletzt nicht immer ein glückliches Händchen bewies.

Schwerpunkt M&A: So verändert KI den Deal-Prozess

Die Trends bei M&A-Deals bilden den Schwerpunkt der neuen FINANCE-Ausgabe. Wie verändert Künstliche Intelligenz den M&A-Prozess? Was beobachten Investmentbanker momentan bei den Unternehmensbewertungen? Und: Welche Übernahmen und Trends hielt der mittelständische Private-Equity-Markt im vergangenen Jahr bereit? Einen Auszug unserer neuen Midmarket-Buy-out-Liste finden Sie in der neuen Ausgabe, die gesamte Liste können Sie hier in unserem Shop herunterladen.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Welche Herausforderungen unser CFO des Jahres 2019 bei Cewe zu bewältigen hatte, wie Hauptdarsteller Barry Atsma sich auf die neue Staffel von „Bad Banks“ vorbereitet hat, und warum die Umstellung auf IFRS16 so schwerfällt – diese und viele weitere Themen finden Sie ebenfalls in der neuen FINANCE-Ausgabe, die Sie hier bestellen oder heute schon als E-Paper beziehen können.