Die Attacke von RWE und Eon erwischte Innogy im denkbar ungünstigsten Augenblick.

Arndt Benedikt

03.05.18
CFO

Der Innogy-Deal, Abschied von Bayer und die Debt-Fonds-Attacke

Es ist der Energie-Deal des Jahres: Die Zerschlagung von Innogy durch Eon und RWE. FINANCE analysiert in der neuesten Ausgabe, wie es dazu kam und was die Konsequenzen sind.

Anfang März traf es Innogy gleich doppelt heftig: Zuerst wurde ein Attentat auf CFO Bernhard Günther verübt. Als wäre das nicht genug, folgte nur Tage später die Ankündigung von RWE und Eon, den Essener Stromerzeuger und Netzbetreiber zerschlagen zu wollen – gerade mal zwei Jahre nach dessen Gründung. Dass RWE Innogy zuerst abspalten musste, sich die Tochter jetzt teilweise aber schon wieder einverleiben kann, ist eine direkte Folge des fragwürdig umgesetzten Atomausstiegs, der RWE und Eon in Existenznot brachte.

Nun ist die Neuordnung des deutschen Strommarkts ein gefundenes Fressen  für Top-Investmentbanker, die den Energie-CFOs zur Seite stehen. Insbesondere Innogy ist in der Defensive – in den kommenden Tagen ist mit einer Reaktion auf das Übernahmeangebot zu rechnen, das Eon jetzt vorgelegt hat. Manager und Mitarbeiter reagierten konsterniert auf die „Essener Lösung“, geben sich aber kämpferisch. Alle Details rund um den Deal finden Sie in der neuen FINANCE, heute schon als E-Paper.

Bayer-CFO: der letzte Deal von Johannes Dietsch

Der Innogy-Deal ist noch steigerungsfähig, wie man gut 60 Kilometer entfernt von Essen in Leverkusen beobachten kann. Seit zwei Jahren feilt Bayer an der größten Übernahme, die ein deutsches Unternehmen je im Ausland getätigt hat. Mittendrin: CFO Johannes Dietsch.

Der bodenständige sympathische Finanzchef hat die Finanzierung vom ersten Tag an mitgestaltet, er wird den Konzern allerdings wie angekündigt Ende Mai verlassen. Im großen Abschiedsinterview mit FINANCE formuliert Dietsch noch eine Bitte: „Ich hoffe, zumindest an ,Day One‘, dem Tag des Closings, noch der amtierende CFO zu sein.“ Daneben gibt Dietsch tiefe Einblicke in seine Karriere und die Monsanto-Transaktion, bei deren Closing eine unvorstellbare Summe Geld bewegt werden muss.

„Ich hoffe, zumindest an ,Day One‘, dem Tag des Closings, noch der amtierende CFO zu sein."

Johannes Dietsch, CFO, Bayer

„Wir sehen Zeichen einer Wende, die Zinsen haben ihren tiefsten Stand erreicht.“

Christiane Lübke, BNP Paribas

Keine Frage: Mit der Monsanto-Finanzierung testet Bayer die Grenzen von Akquisitionsfinanzierungen aus. CFOs können auf diesem Feld derzeit aus dem Vollen schöpfen, wie der Schwerpunkt Akquisitionsfinanzierung der aktuellen Ausgabe zeigt. Ob Hochtief, Vonovia, SAP oder Corestate, die Finanzchefs setzen Finanzierungen weiterhin extrem günstig um – noch. „Wir sehen Zeichen einer Wende, denn die Zinsen haben unserer Meinung nach tatsächlich ihren tiefsten Stand erreicht“, glaubt Christiane Lübke, Bankerin bei BNP Paribas.

Akquisitionsfinanzierungen werden wieder waghalsiger

Besonders ein Segment zeigt sich derzeit aber völlig unbeeindruckt von den Diskussionen um die Zinswende: die Finanzierung von Private-Equity-Übernahmen im Mittelstand. Bei den Midcap-LBOs liefern sich Debt-Fonds und Banken einen heftigen Wettbewerb. Den kann man gut an ersten Covenant-lite-Dokumentationen im deutschen Mittelstand sehen, die sich Finanzierungsberater noch vor einem halben Jahr nicht haben träumen lassen.

Außerdem werden die Strukturen immer waghalsiger. Bei sogenannten „First-out/Second-out”-Deals stellen Banken und Debt-Fonds gemeinsam eine Unitranche-Finanzierung dar. Der Anlagedruck auf allen Seiten befeuert diese Strukturen. Wie robust sie in Krisenzeiten sein werden? Keiner weiß es.

Zumindest die Älteren werden sich an Bavaria Yachtbau erinnern, einen Mittelständler, den Private Equity bis zum Anschlag verschuldete und der nur durch einen extremen Forderungsverzicht gerettet werden konnte. Jetzt zeigt sich, dass sich selbst nach einem tiefen Haircut zu aggressive Strukturen irgendwann rächen – und wenn es so lange dauert wie bei Bavaria, die dieser Tage Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet hat.

Digitalisierung bei Klöckner und McDonald’s Deutschland

Die neue Ausgabe beschäftigt sich aber nicht nur mit Mega-Deals und den Auswüchsen der Finanzmärkte. Zahlreiche Unternehmen müssen ihren Geschäftsmodelle überdenken und dabei weiter digitalisieren. Als Vorreiter im Stahlhandel sieht sich Klöckner & Co. „Kein Stahlunternehmen digitalisiert wie wir“, behauptet CFO Marcus Ketter im FINANCE-Interview selbstbewusst.

Dort skizziert er, wie die Duisburger ihre Digitalisierung vorantreiben. Unter anderem hat Ketter in Berlin eine siebenköpfige Abteilung „Business Performance & Analytics“ aufgebaut, die inzwischen gänzlich neue Kennzahlen erfasst und beobachtet.

„Kein Stahlunternehmen digitalisiert wie wir."

Marcus Ketter, CFO, Klöckner & Co

Predictive Analytics, neue Apps und Tools sind es auch, die Marcus Almeling umtreiben. Der CFO und stellvertretende Vorsitzende von McDonald’s Deutschland will das Geschäft der Fastfoodkette voranbringen – mit seiner Finanzabteilung sowie ganz konkret im operativen Geschäft. „Wir haben an jedem Tag rund 2 Millionen Gäste, im Jahr entstehen einige 100 Millionen Datensätze“, sagt Almeling.

„Auf Basis dieser Daten können wir Thesen prüfen und beispielsweise Korrelationen mit dem Wetter, der Ausstattung des Restaurants, den Preisen, sozioökonomischen Daten und der Anzahl der Gutscheine pro Restaurant auswerten.“ Eine faszinierende Weiterentwicklung der CFO-Funktion, Almeling berichtet davon in der neuen FINANCE.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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