Andreas Schmidt von der Commerzbank: "Wir sehen eine starke Hinwendung großer mittelständischer Unternehmen in Richtung Kapitalmarkt."

Commerzbank

26.10.12
CFO

„Der Kredit bleibt die Eintrittskarte“

Die Unternehmensfinanzierung steckt mitten in einem Umbruch. Die Commerzbank unterstützt das, erklärt Andreas Schmidt, Bereichsvorstand Großkunden in der Mittelstandsbank des Kreditinstituts.

FINANCE: Herr Schmidt, deutsche Unternehmen sind bislang ungewöhnlich stark über Bankkredit finanziert. Wird sich das wirklich drastisch ändern?

Ich denke, der Wandel ist in vollem Gange. Wir sehen eine starke Hinwendung großer mittelständischer Unternehmen in Richtung Kapitalmarkt. Und wir unterstützen das, weil es dem Kunden neben dem klassischen Bankkredit zusätzlich Handlungsalternativen eröffnet.

FINANCE: Was bedeutet diese Entwicklung denn für den Kredit als Ankerprodukt und Eintrittskarte zum Kunden. Bleibt er das auch zukünftig?

Ja. Der Kredit bleibt die Eintrittskarte für die allermeisten Kundenverbindungen. Aber die veränderten regulatorischen Anforderungen werden ihre Auswirkungen haben. Bei länger laufenden Finanzierungen, beispielsweise oberhalb von fünf Jahren, werden Unternehmen verstärkt auf Schuldscheine, Anleihen oder US Private Placements zurückgreifen.

FINANCE: Das ist plausibel, gilt aber nur für gut aufgestellte Unternehmen, die mindestens einen höheren zweistelligen Millionenbedarf haben. Was macht der Rest, die etwas kleineren, aber auch die bonitätsschwächeren Unternehmen?

Da gibt es ja heute schon eine Reihe interessanter Lösungen, zum Beispiel Leasing oder Factoring. Beides wird in Zukunft neben dem Betriebsmittelkredit und dem langfristigen Investitionskredit noch wichtiger werden. Und im Anleihenbereich sehen wir im Mittelstandssegment ja auch ein nicht unproblematisches Finanzierungsinstrument.

FINANCE: Nicht unproblematisch trifft es ganz gut. Was muss denn passieren, damit die Mittelstandsanleihen tatsächlich ein breiter, funktionsfähiger Markt werden und nicht verenden wie vor wenigen Jahren das Programm-Mezzanine?

Lassen Sie mich die Frage aus Sicht der Emittenten beantworten. Wir haben bei Programm-Mezzanine zuletzt gesehen, dass viele Unternehmen große Schwierigkeiten mit der Anschlussfinanzierung hatten. Im Markt für Mittelstandsanleihen sehe ich eine Zweiteilung: Da gibt es einerseits gut aufgestellte Unternehmen, die ihre Finanzierung diversifizieren wollen. Und es gibt andere, die aus anderen Finanzierungsquellen wohl kaum Fremdmittel in dieser Höhe erhalten hätten. Von der zweiten Gruppe kann eine Gefahr für den ganzen Markt ausgehen. Damit müssen sich auch die bonitätsstarken Emittenten auseinandersetzen. Die Zurückhaltung der Investoren bei der Anschlussfinanzierung – unabhängig von der Güte des einzelnen Gläubigers – ist eine reale Option. Jedes Unternehmen muss sich darum rechtzeitig die Frage nach der Anschlussfinanzierung stellen.

FINANCE: Da müssen im Zweifel die Banken ran. Wie hält man sich die in der Zwischenzeit warm?

Das ist genau der Punkt. Man braucht als Unternehmen immer eine Fallback-Position, die über Bankenlinien abgesichert ist. Hierbei ist natürlich stets die individuelle Liquiditätsplanung der Unternehmen zu berücksichtigen. Durch diese Absicherung entstehen dem Kunden zwar  Kosten in Form von Bereitstellungsprovisionen, die jedoch im Hinblick auf die Planungssicherheit für die langfristige Unternehmensfinanzierung gut investiert sind.

FINANCE: Wann soll man denn mit der Absicherung anfangen? Kann man sich nicht einfach zwölf Monate vor Laufzeitende Linien einräumen lassen?

Aus meiner Sicht sollte man die Linien über die komplette Laufzeit der Anleihe vorhalten. Das ist dem Vorsichtsprinzip des Kaufmanns geschuldet. Auch auf Veränderungen in der Bankenwelt ist man damit vorbereitet.

Das vollständige Interview lesen Sie in der neuen FINANCE, die am 26. Oktober 2012 erscheint.

bastian.frien[at]finance-magazin.de