Die neue Deutz-Zentrale steht in Köln-Porz. Das alte Grundstück in Deutz hat sich nun die Gerchgroup gesichert.

Deutz

04.05.17
CFO

Deutz erhält 125 Millionen aus Standortverkauf

Der alte Stammsitz des Motorenherstellers Deutz wird zu einem Edel-Wohngebiet. Das bringt den Kölnern 125 Millionen Euro cash, einen zweistelligen Millionengewinn – und wohl noch mehr in den nächsten Jahren.

Seit Februar liefen die Verhandlungen, nun hat der Kölner Motorenhersteller Deutz sich entschieden: Die Grundstücke des bisherigen Standorts in Köln-Deutz werden verkauft. Der Düsseldorfer Projektentwickler Gerchgroup übernimmt das 160.000 Quadratmeter große Areal. Auf der bisherigen Industriefläche soll in den kommenden Jahren ein Wohnquartier entstehen. Der Motorenhersteller hat seinen Hauptsitz mittlerweile nach Köln-Porz verlagert.

Deutz-CFO Margarete Haase kann Einmalertrag verbuchen

Deutz-CFO Margarete Haase spült der Verkauf einen großen Betrag in die Kassen: Der Kaufpreis beträgt mindestens 125 Millionen Euro. Je nach Ausgang des laufenden Verfahrens zum Bebauungsplan sind für die kommenden Jahre noch weitere, variable Kaufpreisraten vereinbart. Im Erfolgsfall könnte Deutz eigenen Aussagen zufolge noch einmal einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag einstreichen. Schon die jetzt fest vereinbarten Zahlungen führen dazu, dass das Deutz-Management in diesem Geschäftsjahreinen positiven Ergebnisbeitrag nach Steuern im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich verbuchen kann.

Der Ergebnisbeitrag, der bilanziell als Sondereffekt ausgewiesen wird, liegt damit offenbar am oberen Rand der Erwartungen. Noch im Februar hatte Deutz damit kalkuliert, im Falle eines Verkaufs „zeitnah einen möglichen Einmalgewinn im mittleren bis höheren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich“ erzielen zu können. Die Deutz-Aktie hat seit Bekanntwerden der Verkaufsgespräche im Februar schon über 25 Prozent zugelegt. „Auch der Mittelzufluss aus dem Immobilienverkauf ist viel höher, als wir bislang veranschlagt haben“, kommentierte das Bankhaus Lampe die am heutigen Donnerstag von Deutz kommunizierten Eckdaten der Transaktion.

Deutz kommt operativ nur langsam voran

Für Deutz ist der erwartete Einmalertrag der zweite positive Sondereffekt aus Immobiliengeschäften. Schon  2016 verkaufte der Traditionskonzern das Erbbaurecht an einem nicht mehr genutzten Grundstück der Tochtergesellschaft Strüver in Hamburg und realisierte dadurch einen positiven Sondereffekt von rund 10 Millionen Euro.

Im eigentlichen Geschäft läuft es für Deutz nicht so gut. Der Konzern machte im Geschäftsjahr 2016 aus einem Umsatz von 1,26 Milliarden Euro lediglich ein operatives Ergebnis (Ebit) von 23,4 Millionen Euro. Umsatz und Gewinn stehen seit Jahren unter Druck. Das Eigenkapital lag zum 31. Dezember 2016 bei rund 491 Millionen Euro, das Nettofinanzguthaben bei 31,6 Millionen Euro.

Als Verbindlichkeit gegenüber Kreditinstituten weist Deutz derzeit im Wesentlichen ein 54 Millionen Euro umfassendes Darlehen der Europäischen Investitionsbank aus, das bis 2020 in Raten getilgt wird. Eine syndizierte Betriebsmittellinie, über die das Unternehmen insgesamt 160 Millionen Euro in Anspruch nehmen könnte, wurde zum 31. Dezember 2016 nicht in Anspruch genommen. Die Linie ist bis Mai 2020 fixiert.

Durch den Grundstücksverkauf wird die Liquiditätslage der Kölner noch komfortabler werden – Mittel, die Finanzchefin Haase auch für Investitionen einsetzen könnte, um Deutz wieder auf einen profitablen Wachstumskurs zurückzuführen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Nähere Informationen über die langjährige Finanzchefin des Motorenherstellers finden Sie in unserem CFO-Almanach FINANCE-Köpfe im Steckbrief der Deutz-Finanzchefin Margarete Haase