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16.04.13
CFO

„Die meisten Krisen sind hausgemacht“

Solarworld, Praktiker und Pfleiderer – Krisenfälle sind trotz robuster Konjunktur keine Seltenheit. Georgiy Michailov, Managing Partner bei der Beratung Struktur Management Partner, sprach mit FINANCE über typische Krisenursachen und die Zusammenarbeit in Finanzierungskonsortien.

Herr Michailov, wie schätzen sie aktuell die Lage der Wirtschaft ein?
Insgesamt ist die deutsche Wirtschaft immer noch recht robust und – vor allem im Vergleich zu unseren Nachbarn – sehr gut aufgestellt. Wir beobachten aber erste Anzeichen einer leichten Abkühlung. Das spüren wir vor allem an zurückgehenden Auftragseingängen und einer leicht rückläufigen Auslastung.

Diese Zurückhaltung trifft besonders Automobilindustrie. Ist das auch Ihr Eindruck?
Das kommt sehr auf den Einzelfall an. Hier zeigt sich nämlich, wer in den vergangenen Jahren seine Hausaufgaben gemacht hat: Einige Automobilzulieferer spüren vor allem den Absatzeinbruch in Europa, was sehr stark vom OEM-Mix im Portfolio abhängt. Andere sprechen von einer „gesunden Verschnaufpause“.

Neben Automobil stehen die erneuerbaren Energien schon länger im Fokus der Restrukturierungsabteilungen. Welche Entwicklungen sehen Sie hier?
Neben der Solarbranche sind zurzeit zum Beispiel die biogasrelevanten Unternehmen als krisenbehaftet hervorzuheben. Sie kämpfen mit einem sehr schwierigen Markt, was sich auf die Veränderung der Gesetzeslage bzw. Subventionen zurückführen lässt.

Schätzen Sie die meisten Problemfälle in Deutschland auch als selbstverschuldet ein wie die Experten, die wir im Restrukturierungsbarometer befragt haben?
Ja, wir teilen diese Einschätzung. Die meisten Krisen sind hausgemacht. Sie lassen sich häufig auf die nicht konsequente Umsetzung von notwendigen, aber oft schmerzhaften Maßnahmen zurückführen. Diese These lässt sich dadurch stützen, dass es selbst in der krisengeschüttelten Solarbranche noch profitable Unternehmen gibt. Das zeigt, dass es doch zu einem großen Teil auf das Geschäftsmodell, die Marktausrichtung und das Management ankommt.

Wir verhalten sich die Banken momentan in Konsortien? Verstärken sie die Krisen eher noch, oder herrscht umsichtiges Vorgehen vor?
Das hängt sehr davon ab, welche Finanzierer im Konsortium sind und wie professionell der Konsortialführer agiert. Unsere Beobachtung ist, dass die Entscheidungen innerhalb der Konsortien generell länger brauchen, was eine Krise verstärken kann. In vielen Fällen dienen die Finanzierer jedoch als eine Art „Katalysator“, der auf notwendige Veränderungen in einem Krisenunternehmen hinzuwirkt. Die frühzeitige und laufende Kommunikation mit den Finanzierern wird deshalb immer wichtiger.

Teilen Sie die Einschätzung, dass Krisenfinanzierungen im vergangenen Jahr deutlich schwieriger geworden sind?
Das können wir ganz klar bestätigen – ganz besonders bei den Unternehmen, in denen die Substanz stark aufgebraucht ist. Finanzierungsentscheidungen hängen noch stärker von der Ertragskraft ab, „Commodities“ sind die gefragten Sicherheiten. Häufig lässt die fehlende Bereitschaft der Gesellschafter, mit eigenen Beiträgen auszuhelfen, die Finanzierung platzen. Und wie bereits erwähnt, kann ein instabiles Konsortium die Finanzierung massiv erschweren.

Worin sehen Sie in der Restrukturierung in den kommenden Monaten die besondere Herausforderung?
Die größten Herausforderungen werden sein, die Finanzierung abzusichern und wenn die Abkühlung der Wirtschaft anhält, gegen den Markt zu restrukturieren.

markus.dentz(*)finance-magazin(.)de

Das Restrukturierungsbarometer …
... ist eine Onlineumfrage, die regelmäßig von FINANCE in Zusammenarbeit mit dem Beratungshaus Struktur Management Partner unter Professionals aus dem Intensive-Care-Bereich von Banken durchgeführt wird. Die Umfrage beleuchtet die aktuelle Marktsituation in der Finanzierung von Krisenfällen. An der aktuellen Umfrage haben 94 Spezialisten teilgenommen und die Fragebögen ganz oder teilweise ausgefüllt. Zu den vollständigen Ergebnissen geht es hier.