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03.03.16
CFO

Diese Möglichkeiten haben CFOs bei Finanzierungen in Iran

Nach dem Ende der Sanktionen wollen deutsche Unternehmen ihr Iran-Geschäft wiederaufnehmen, doch Banken winken bei Zahlungsverkehr und Finanzierung ab. Woran das liegt und welche Alternativen CFOs haben, erklärt CMS-Anwalt Jürgen Frodermann im Interview.

CMS hat gerade als erste Großkanzlei ein Büro in Iran eröffnet, nur wenige Wochen nachdem die EU große Teile ihrer Sanktionen gegen Iran aufgehoben hat. Wie einfach ist es für deutsche Unternehmen denn jetzt tatsächlich, Geschäfte in Iran zu machen?
Betrachtet man allein das operative Geschäft, ist die Bahn für die meisten deutschen Unternehmen frei. Seit dem 16. Januar gibt es in der EU, vereinfacht ausgedrückt, nur noch Einschränkungen bei Waffenlieferungen und den sogenannten Dual Use Gütern, die auch für militärische Zwecke eingesetzt werden können. Hinzu kommen noch Sanktionen gegen einige iranische Privatpersonen. Aber für das Herz der deutschen Wirtschaft, die Automobil- und Maschinenbauer, ist Iran nun wieder ein attraktiver Markt. Das Problem für diese Unternehmen wird allerdings sein, Banken zu finden, die ihr Iran-Geschäft finanzieren und Zahlungen abwickeln.

Warum tun sich europäische Banken denn so schwer, wieder nach Iran zurückzukehren? Die EU hat ihre Finanzsanktionen doch weitgehend aufgehoben. Auch der Finanznachrichtendienstleister Swift darf iranische Banken nun wieder an sein Netzwerk anbinden.
Der Grund für die Zurückhaltung der Banken liegt vor allem in den USA. Diverse europäische Banken haben in der vergangenen Jahren hohe Strafen gezahlt, weil sie gegen US-Sanktionen verstoßen haben. Das schreckt ab. Die amerikanische Regierung hat ihre Sanktionen für Nicht-US-Gesellschaften und Bürger Mitte Januar zwar aufgehoben, stuft den Iran aber weiterhin als „State of Terror“ ein. Das legt nahe, dass die USA auch in Zukunft streng durchgreifen werden, wenn es um Iran-Geschäfte geht.

Regionalbanken ohne US-Geschäft springen in Iran ein

Was bedeutet das konkret für deutsche CFOs, die auf der Suche nach Bankpartnern für ihr Iran-Geschäft sind?
Das ist die spannende Frage. Ich glaube nicht, dass die westlichen Großbanken ihr Iran-Geschäft wieder aufnehmen werden, bevor die Amerikaner ihre Sanktionen nicht klarer definieren. Im Zahlungsverkehr halte ich das allerdings für weniger problematisch als bei der Finanzierung.

Warum?
Unternehmen haben immer Schlupflöcher gefunden, auch als die Sanktionen noch bestanden. Eine direkte Verbindung ins iranische Bankensystem gab es seit dem Abklemmen vom Swift-Netzwerk nicht mehr. Viele Iran-Zahlungen liefen daher über den Umweg Dubai oder die Türkei. Großbanken haben diese Zahlungen zuletzt nicht mehr abgewickelt, jeglicher Iran-Bezug wurde nach den Strafzahlungen vermieden. Regionalbanken wie etwa Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die kein US-Geschäft haben und deshalb auch keine Strafen fürchten müssen, sind dann eingesprungen. Jetzt kommen auch die ersten iranischen Banken zurück nach Deutschland, die Zahlungen direkt übermitteln können.

Milliardenprojekte, wie sie etwa Siemens oder Daimler anstreben, werden diese Banken aber kaum stemmen können.
Das stimmt. In diesen Fällen könnten Innenfinanzierungen oder besicherte Projektanleihen eine Alternative sein. Auch der Deal, den Airbus gemacht hat, könnte Schule machen: Airbus liefert Flugzeuge, der französische Staat gibt eine Ausfallbürgschaft und Total nimmt Öllieferungen aus Iran. Letztendlich zahlt Iran die Flugzeuge mit Öl. Das scheint mir ein Konzept zu sein, Großprojekte zu finanzieren.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Welche weiteren Hindernisse für die Banken in Iran bestehen und wie deutsche Unternehmen mit der Zurückhaltung der Finanzindustrie umgehen, das lesen Sie in der nächsten Printausgabe von FINANCE, die am 11. März erscheint.