Electrolux

21.11.12
CFO

Electrolux: CFO Eliasson wird zum Daueroptimierer

Tomas Eliasson ist seit diesem Jahr CFO beim schwedischen Haushaltsgerätehersteller Electrolux. Das Unternehmen optimiert seit Jahren seine Abläufe und spart damit hunderte von Millionen Euro im Jahr. Der Prozess soll weitergehen. Aber CFO Eliasson weiß auch: ohne Wachstum ist Electrolux gefährdet.

Herr Eliasson, Sie sind erst seit diesem Jahr CFO von Electrolux. Wie stellt sich das Unternehmen im Vergleich zu Ihren früheren Arbeitgebern dar?

Ich arbeite seit gut 25 Jahren in Unternehmen, die Electrolux sehr ähneln – europäische Konzerne mit einer globalen Präsenz. Und ehrlich gesagt sind die Kernfragen und Herausforderungen, grundlegend betrachtet, überall dieselben. Wie interagiert man am besten mit seinen Kunden? Wie sollte die Marktpräsenz aussehen? Wie wächst man erfolgreich in den Emerging Markets? Und wie kann man Größenvorteile nutzen und die Produktion, das Supply Management und die Verwaltung optimieren?

Aber Electrolux ist insofern etwas anders, als dass das Unternehmen im Endkundengeschäft tätig ist.

Das ist richtig. Für einen Hersteller langlebiger Verbrauchsgüter habe ich bislang nicht gearbeitet. Der Unterschied im Vergleich zu meinen B-to-B-Unternehmen vorher ist vor allem, dass man noch mehr Einblicke in das Kundenverhalten braucht und noch mehr Wert auf Markenbildung legen muss. Beim B-to-B-Geschäft ist das auch wichtig, aber bei Electrolux dann eben doch nochmal ein bisschen mehr.

Der CFO und sein Unternehmen

Electrolux ist ein weltweiter Hersteller von langlebigen Verbrauchsgütern und verkauft mehr als 40 Millionen Produkte pro Jahr in mehr als 150 Ländern. Die Produktpalette von Electrolux umfasst unter anderem Kühlschränke, Spülmaschinen, Waschmaschinen, Klimaanlagen und Staubsauger. 2011 setzte Electrolux mit 58,000 Mitarbeitern rund 12 Milliarden Euro (102 Milliarden Schwedische Kronen) um.

CFO Tomas Eliasson ist seit 2012 Finanzvorstand bei Electrolux. Zuvor war er unter anderem bei ABB und als CFO von Seco Tools (2002 bis 2006) tätig sowie als CFO von ASSA ABLOY (2006 bis 2012). Er hat einen Bachelor Abschluss in Business Administration and Economics.

Electrolux hat sich das Schlagwort “operational excellence” als Leitmotiv auf die Fahnen geschrieben. Wie weit ist das Unternehmen da bereits gekommen?

Unser Restrukturierungsprogramm in der Produktion, das wir 2004 initiiert haben, hat bislang etwa 3 Milliarden Schwedische Kronen (ca. 350 Millionen Euro) an jährlichen Einsparungen gebracht. Letztes Jahr haben wir kommuniziert, dass wir das Programm weiterlaufen lassen, wovon wir uns nochmal jährliche Einsparungen von etwa 1,6 Milliarden Kronen erwarten. Außerdem reduzieren wir unsere Produktkosten und die Kapitalintensität durch globale modulare Produktion, Shared Services und besser abgestimmte Einkaufs- und F&E-Prozesse. Das wirkt sich jetzt schon positiv aus, sollte aber ab 2015 nochmal etwa 3 Milliarden Kronen pro Jahr einsparen.

Und wie sehen die Herausforderungen für die nächsten Jahre aus?

Ich will es mal so sagen: Electrolux ist sehr gut darin, seine EBIT-Marge zu halten oder in Bereichen wie Einkauf, Kostenstruktur oder Working Capital zu rationalisieren und zu optimieren. Die Maschinerie läuft rund und wir haben eine solide Bilanz, genug Cash und gute Returns on Assets. Was fehlt ist Wachstum. Wenn wir Verkäufe und Spin-offs mal abziehen, bleibt im Kerngeschäft für die vergangenen zehn Jahre praktisch kein Wachstum. Das müssen wir ändern. Niemand kann nur mit Kostenreduktion und Produktivität überleben.

Wie sehen Sie die aktuelle Lage für Unternehmensfinanzierung?

Zunächst einmal herrscht an Geld kein Mangel, das ist sicher. Die Konditionen sind momentan auch sehr gut, aber da muss man auf längere Sicht vermutlich etwas vorsichtig sein. Der große Unterschied zu der Zeit vor dem Zusammenbruch der Lehman Brothers ist aber, dass sich Kreditmärkte seither fast wie Aktienmärkte verhalten. Kreditgeber, egal ob Banken oder Kreditgeber auf den Kapitalmärkten, schauen sich seither sehr viel genauer an, wem sie Geld geben und wem nicht. Für gut geführte Unternehmen heißt das, dass sie günstig an Kapital herankommen, für weniger solide Unternehmen, dass Kapital für sie teurer und knapper wird. Und diese Neuausrichtung der Finanzmärkte wird auch in Zukunft Bestand haben.