First-Sensor-CFO Mathias Gollwitzer hat in seinen ersten Monaten das Working Capital aufgeräumt.

First Sensor

17.12.15
CFO

First-Sensor-CFO Gollwitzer: „Wollen den Markt überraschen“

Seit wenigen Monaten ist Mathias Gollwitzer Finanzvorstand bei First Sensor. Im FINANCE-Interview erklärt er, wie sich sein neuer vom alten Arbeitgeber unterscheidet und wie er das Working Capital Management verbessern will.

Mathias Gollwitzer, seit August sind Sie CFO des Sensorspezialisten First Sensor, einem Unternehmen mit zuletzt 124 Millionen Euro Umsatz. Bislang waren Sie nur in Konzernen tätig. Eine große Umstellung?
Eigentlich nicht. Ich war zwar zuletzt bei ENBW und bei Daimler tätig. Dort war ich aber auch schon für Einheiten mit bis zu 3.000 Mitarbeitern verantwortlich, mit ähnlichen Strukturen wie ich sie jetzt bei First Sensor vorfinde.

Im Konzern sind die Strukturen oft rigider. Da muss sich für Sie doch etwas verändert haben.
Nach oben hin unterscheidet sich das natürlich zu meiner jetzigen Funktion bei First Sensor als freies mittelständisches Unternehmen. Früher musste ich noch einmal in die Zentrale berichten, das entfällt jetzt. Konzernstrukturen darf man aber nicht pauschal negativ sehen: Ich habe durch meine Tätigkeit dort alle zwei Jahre etwas Neues kennengelernt. Das war eine sehr gute Schule.

CFO Mathias Gollwitzer: „Wollen Working Capital optimieren“

Kommen wir zu Ihrer neuen Position: Gleich zu Beginn haben Sie die Bilanz aufgeräumt und 1,4 Millionen Euro abgeschrieben – eine beachtliche Summe bei einem Neun-Monats-Ergebnis von 417.000 Euro. Was war da los?
Die Abwertung haben wir vorgenommen, weil wir in der Vergangenheit oft mehr produziert haben, als der Kunde tatsächlich bestellt hat.

Und dann mussten Sie die Abschreibung vornehmen, weil die Extra-Einheiten nicht immer nachgefragt wurden?
Genau. Deshalb haben wir unsere betrieblichen Abläufe kritisch analysiert. In Zukunft werden wir nur zusätzlich produzieren, wenn der Kunde die Abnahme zusichert. So optimieren wir unser Working Capital Management und tragen weniger Eigenrisiko. Dadurch steigen aber auch die Stückkosten, was wir mit einer effizienteren Produktion auffangen wollen.

Sie haben auch Ihr Werk in Singapur geschlossen. Fällt der Standort den Änderungen zum Opfer?
Nein, die Schließung in Singapur wurde bereits vor meinem Dienstantritt entschieden. Wir wollen grundsätzlich effizienter produzieren und bauen einen Fertigungsverbund auf. Dadurch, dass wir das Werk in Singapur stilllegen, sparen wir jährlich 750.000 Euro, dem gegenüber steht ein Einmalaufwand von 1 Million Euro. Die Fertigung aus dem Werk verlagert sich auf Dresden und Berlin.

Die Schließung heißt aber nicht, dass Sie sich aus Asien zurückziehen wollen. First Sensor hat im November die Strategie 2020 ausgegeben und will sich in Zukunft nicht nur stärker auf die Vereinigten Staaten, sondern auch auf China konzentrieren. Was sind die Umsatz- und Profitabilitätsziele?
Unsere Branche wächst mit 8 bis 9 Prozent pro Jahr. Diesen Wert wollen wir schlagen.

Haben Sie ein Ziel für den Gewinn vor Steuern und Zinsen?
Wir wollen auch profitabler werden, aber keine konkrete Zahl nennen. Da wollen wir den Markt überraschen.

First-Sensor-CFO: „Haben deutlichen Abstand zu unseren Covenants“

Wachstum muss finanziert werden. Ende November haben Sie erneut einen Schuldschein platziert, um eine Ende 2016 auslaufende Tranche zu refinanzieren. Anvisiert hatten Sie 25 Millionen Euro, um dann um 3 Millionen aufzustocken. Warum haben Sie nicht mehr angepeilt? Die Konditionen sind für Unternehmen zur Zeit ja sehr gut.
Die Banken haben weit mehr als 25 Millionen Euro angeboten. Wir wollen unsere Verschuldung aber deutlich unter 3,0x Ebitda halten. Jetzt bewegen wir uns zwischen 2,6x und 2,9x und haben damit noch deutlichen Abstand zu unseren Covenants.

Zapfen Sie 2016 noch einmal den Kapitalmarkt an?

Voraussichtlich nicht. Wir haben ausreichend Liquidität und können kurzfristig gut atmen. Wir konzentrieren uns jetzt darauf, die Umsatz- und Profitziele zu erreichen. Heute ist First Sensor wunderbar finanziert.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Mathias Gollwitzer ist seit dem 10. August CFO des Berliner Sensorikspezialisten First Sensor. Davor leitete der 53-Jährige das Konzerncontrolling des Energiekonzerns ENBW. Von 2008 bis 2012 verantwortete Gollwitzer als CFO die Finanzen der französischen Niederlassung von Mercedes-Benz. Wenn Sie mehr über Mathias Gollwitzer erfahren wollen, schauen Sie auf seinem FINANCE-Köpfe-Profil vorbei.