Gerry Weber präsentierte zwar schlechte Zahlen, doch die zugekaufte Hallhuber entwickelt sich positiv.

Hallhuber

12.06.15
CFO

Gerry Weber: Quartalsgewinn bricht um fast die Hälfte ein

Der Modekonzern Gerry Weber hat eine richtig schlechte Woche hinter sich: Nach der Gewinnwarnung vor wenigen Tagen reichte Gerry Weber heute die schwachen Quartalszahlen nach. Die haben es in sich: Periodengewinn und Ebitda-Marge haben sich im zweiten Quartal fast halbiert. Die Aktie fällt weiter.

Erst vor wenigen Tagen musste Gerry Weber eine Gewinnwarnung für das Geschäftsjahr 2014/2015 bekannt geben – die heute veröffentlichten Zahlen für das am 30. April endende 2. Quartal des Geschäftsjahres bestätigen jetzt die problematische Lage. Besonders kritisch: Der Periodenüberschuss hat sich gegenüber dem Vorjahresquartal fast halbiert. Im zweiten Quartal 2013/14 lag er noch bei rund 21,1 Millionen Euro, jetzt sind es nur noch 11,4 Millionen Euro. Und auch die Ebit-Marge hat sich gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal halbiert, sie fiel von 14,2 Prozent auf zuletzt 7,8 Prozent. Das Ebit ist im zweiten Quartal 2014/15 auf 18,8 Millionen Euro gefallen (Vorjahresquartal: 31,3 Millionen Euro). Nicht ganz so dramatisch ist der Verlust beim Ebitda, aber dennoch sank auch der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen von 37,5 Millionen auf 28,3 Millionen Euro.

Zumindest der Umsatz des Unternehmens ist gegenüber dem Vorjahresquartal angestiegen, von 222,4 Millionen Euro auf 240,3 Millionen Euro. Allerdings ist der Umsatzanstieg vor allem auf die Übernahme von Hallhuber im Dezember 2014 und die Eröffnung neuer Geschäfte von Gerry Weber zurückzuführen. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres trug Hallhuber bereits 33,8 Millionen Euro zum Umsatz von Gerry Weber bei. Hallhuber ist damit auch ein Hoffnungsträger für Gerry Weber. In den ersten sechs Monaten 2015 zeigte das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 1 Prozent – Gerry Weber zufolge war dies angesichts der negativen Entwicklung im gesamten deutschen Markt von minus 5 Prozent keine schlechte Performance.

Gerry Weber: Aktie fällt weiter

Die Aktie ist mit der heutigen Veröffentlichung der Quartalszahlen weiter abgestürzt. Das Papier notierte am Freitagmittag um 20,56 Euro. Einen ersten massiven Einbruch hatte es bereits nach der Gewinnwarnung am Dienstag gegeben: Vor der Hiobsbotschaft hatte die Aktie noch bei mehr als 30 Euro notiert. Damit hat das Papier binnen einer Woche rund 30 Prozent an Wert eingebüßt. Noch im Mai hatte die Gerry-Weber-Aktie auf ihrem Allzeithoch von rund 39 Euro notiert.

CEO Ralf Weber, Nachfolger von Ex-CEO und CFO David Frink und Sohn des Firmengründers Gerhard Weber, hatte am Dienstag bereits die dritte Gewinnwarnung binnen zwölf Monaten für das Geschäftsjahr 2014/2015 aussprechen müssen. Die Analysten senkten zuletzt reihenweise die Daumen über Gerry Weber, wenn auch nicht alle. Nach der heutigen Veröffentlichung hat beispielsweise Analyst Volker Bosse von der Baader Bank die Aktie bei „Buy“ mit einem Kursziel von 37 Euro belassen. Dies begründete er allerdings auch mit einem Mangel an Informationen: Bevor er seine Jahresprognosen anpasse, brauche er Antworten auf etliche Fragen.

Strategische Maßnahmen sollen negative Entwicklung stoppen

Gerry Weber gab als Grund für die schlechte Entwicklung Rabattschlachten und expansionsbedingt höhere Kosten an, nicht zuletzt auch durch die Übernahme von Hallhuber. Der Konzern führte mehrere Maßnahmen auf, mit denen er das Ruder wieder rumreißen will. So will Gerry Weber beispielsweise weiterhin international expandieren und außerdem flexibler werden, indem Kollektionen schneller in die Läden geliefert werden. Nicht zuletzt soll auch die voranschreitende Integration von Hallhuber Synergieeffekte bringen, hieß es. Insgesamt erwartet Gerry Weber jetzt für das Geschäftsjahr 2014/2015 noch einen Umsatzanstieg im hohen einstelligen Prozentbereich.   

julia.becker[at]finance-magazin.de