Grammer holt sich im Kampf gegen Hastor einen weißen Ritter zur Seite: Ningbo Jifeng kommt mit 9,2 Prozent an Bord.

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14.02.17
CFO

Grammer holt chinesischen Strategen als weißen Ritter

Im Abwehrkampf gegen die Investorenfamilie Hastor hat Grammer den Autozulieferer Ningbo Jifeng als weißen Ritter präsentiert. Die Chinesen zeichnen über eine Pflichtwandelanleihe 9,2 Prozent des Grundkapitals. Die Reaktion der Hastors steht noch aus.

Die Abwehrschlacht des Automobilzulieferers Grammer gegen die Unternehmerfamilie Hastor nimmt Fahrt auf: Die Franken haben einen chinesischen Wettbewerber als weißen Ritter gewonnen, der  ebenfalls Großaktionär bei Grammer werden soll. Über eine Pflichtwandelanleihe in Höhe von 60 Millionen Euro zeichnet das Unternehmen Ningbo Jifeng Auto Parts rund 9,2 Prozent des Grundkapitals von Grammer. Noch in der Nacht hatte Grammer nach Aufkommen von Marktgerüchten bestätigt, dass man mit Ningbo Jifeng verhandele und eine Beteiligung im Raum stehe – bis zum Morgen waren sich die Unternehmen dann offenbar handelseinig geworden.

Der Einstieg der Chinesen, der auch den verunsicherten Kunden von Grammer gefallen dürfte, ist  eine bittere Pille für die Investorenfamilie Hastor: Derzeit sind zwei Investmentvehikel bei Grammer investiert, die mit Mitgliedern der Hastor-Familie in Verbindung stehen: Die Firma Cascade hat den Anteil an Grammer Mitte Dezember auf gut 10 Prozent der Stimmrechte verdoppelt, über das Vehikel Halog hält die Familie nochmals rund 10,2 Prozent.

Ningbo Jifeng hilft Grammer im Abwehrkampf gegen Hastor

Setzt man ein abgestimmtes Stimmverhalten der beiden Vehikel voraus, könnte die Familie dem Management auf einer Hauptversammlung gefährlich werden. Der Grund: Die Präsenz auf den Grammer-Aktionärstreffen lag in der Vergangenheit zumeist zwischen 40 und 50 Prozent. Die Familie Hastor könnte damit durchaus mit ihrer Minderheitsbeteiligung die Mehrheit der Anwesenden stellen.

Die Bosnier wissen um ihre starke Stellung und wollen diese auch nutzen: Hastor fordert eine außerordentliche Hauptversammlung und will dort die Neubesetzung des Grammer-Aufsichtsrats und des Managements durchsetzen. Nun warten die Marktteilnehmer gespannt auf eine Reaktion des Familienclans auf den Schulterschluss der Grammer-Führung mit den Chinesen.

Gemäß der offiziellen Sprachregelung reicht die Zusammenarbeit mit Ningbo Jifeng wesentlich weiter als nur zur Abwehr der Hastor-Kampagne. Im Rahmen einer „strategischen Kooperation“ wollen Grammer und Ningbo Jifeng künftig enger zusammenarbeiten, um die Position am chinesischen Markt zu verbessern, teilten beide Konzerne am heutigen Dienstag mit. Dorthin dürfte auch ein guter Teil der neu aufgenommenen 60 Millionen Euro fließen. Grammer spricht lediglich von strategischen Wachstumsinvestitionen im In- und Ausland. Aber mit einem aktuellen Umsatzanteil von 15 Prozent in der Automotive-Sparte ist das China-Geschäft im Grammer-Konzern noch ausbaufähig.

Ningbo Jifeng treibt Grammer-Aktie auf Rekordhoch

Der Wandlungspreis der Pflichtwandelanleihe wird bei 56,47 Euro liegen, bei einem Anleihezins von 1,625 Prozent. Die Pflichtwandelanleihe muss spätestens ein Jahr nach Ausgabe in circa 1,1 Millionen stimmberechtigte Aktien der Grammer gewandelt werden, die Chinesen könnten aber auch schon vorher ihr Wandlungsrecht ausüben.

Grammers Aktienkurs hat der Einstieg der chinesischen Gruppe beflügelt: Im frühen Handel kletterte die Aktie auf ein neuerliches Allzeithoch von mehr als 58 Euro.

Einstieg von Ningbo Jifeng soll Grammer-Kunden beruhigen

Zwar werden die Chinesen auch nach Ausüben ihrer Wandlungsoption nicht einmal halb so viele Anteile wie die mit Hastor in Verbindung stehenden Investmentvehikel halten. Dennoch scheint das Auftreten der Chinesen am Markt für Beruhigung zu sorgen. „Führende Automobilhersteller und Hauptkunden begrüßen ausdrücklich die geplante strategische Partnerschaft zwischen Grammer und Ningbo Jifeng. Beide Unternehmen sind langjährige und verlässliche Partner der Automobilindustrie“, teilte Grammer mit.

Dies darf als Seitenhieb auf den aktivistischen Investor Hastor verstanden werden: Dessen Unternehmen Prevent hatte im vergangenen Jahr mit einem Lieferstopp dafür gesorgt, dass bei dem Großkunden VW tagelang die Bänder still standen. Grammer fürchtet daher, dass Kunden abspringen könnten, wenn die Familie Hastor ihren Einfluss bei dem Unternehmen noch weiter ausbaut. 

Grammer will auf dem chinesischen Markt wachsen

Strategisch erhofft sich Grammer durch die Zusammenarbeit mit dem neuen Großaktionär Zugang zu lokalen OEMs und neuen Vertriebswegen in China sowie verbesserte Einkaufsbedingungen, während Ningbo Jifeng auf die Ressourcen und die Erfahrung von Grammer setzt. Gemeinsame Projekte und Joint Ventures mit Ningbo Jifeng in China sowie in anderen Märkten seien ebenfalls denkbar. Die Produkte beider Unternehmen seien komplementär und würden künftig das Hoch- und Mittel- wie auch das Niedrigpreissegment abdecken, heißt es.

Grammer hat kürzlich vorläufige Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2016 vorgelegt. Demnach erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,69 Milliarden Euro (plus 19 Prozent), davon entfielen 1,2 Milliarden Euro auf das Automotive-Segment. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg um 70 Prozent auf 72 Millionen Euro (Vorjahr: 42,7 Millionen Euro). Die Ebit-Marge konnte das Unternehmen von 3,0 auf 4,3 Prozent verbessern.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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