Heideldrucks Hauptsitz in Wiesloch: Ein Drittel freie Fläche

Heidelberger Druckmaschinen

21.01.20
CFO

Heideldruck muss restrukturieren

Margen- und Geschäftsrückgänge auf breiter Front zwingen den Druckmaschinenbauer Heidelberg in den Sanierungsmodus. Doch substantielle Einschnitte ließe die Bilanz nicht zu. Was kann der neue CFO machen?

Der Druckmaschinenhersteller Heidelberg wechselt in den Sanierungsmodus. Nach einer weiteren Geschäftseintrübung im dritten Geschäftsquartal (Ende Dezember) hat das Management eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, die die Handschrift des erst im September als Nachfolger von Dirk Kaliebe angetretenen neuen Finanzchefs Marcus Wassenberg tragen. Dieser hatte zum Start angekündigt, einen stärkeren Fokus auf Cashflow und Kosten legen zu wollen, und dieser Botschaft lässt er nun Taten folgen.

Wie Heideldruck gestern nach Börsenschluss bekanntgab, arbeitet der Konzern „unter Hochdruck an der Finalisierung eines umfassenden Maßnahmenpakets zur Anpassung unserer Strukturen und nachhaltigen Steigerung der Profitabilität“, wie Vorstandschef Rainer Hundsdörfer sagte.

Die Hinweise, die der seit vielen Jahren darbende Druckmaschinenproduzent gibt, lassen nennenswerte Einschnitte erwarten: Der Vorstand will das Produktportfolio bereinigen, Randbereiche verkaufen, Prozesse effizienter machen, Kosten senken und nicht zuletzt auch „das internationale Produktionsnetzwerk neu aufstellen“. Damit stehen auch Produktionsverlagerungen und Stellenkürzungen im Raum.   

Heideldrucks Eigenkapitalquote liegt bei 10 Prozent

Die Herausforderung: Eine tiefgehende Restrukturierung ist in der Regel mit hohen Einmalkosten und oft auch mit Wertberichtigungen verbunden. Dafür mangelt es Heideldruck jedoch an der nötigen Bilanzstärke, denn der Konzern ist hoch verschuldet. Zum Ende des zweiten Quartals des laufenden Geschäftsjahres stand eine Nettofinanzverschuldung von 416 Millionen Euro zu Buche, was einem Leverage von 2,1x Ebitda entsprach. 

Doch tatsächlich sind die Lasten noch größer, denn hinzu kommen noch Pensionsverpflichtungen in Höhe von 727 Millionen Euro. Rechnet man diesen Bilanzposten hinzu, stiege der Leverage auf rund 5,7x Ebitda.

Die wegen der Niedrigzinsen immer weiter steigende Pensionslast hat die Eigenkapitalquote inzwischen auf 10 Prozent gedrückt. Neu-CFO Wassenberg hat bereits deutlich gemacht, dass vor tiefergehenden Umbaumaßnahmen zunächst einmal die Eigenkapitalsituation adressiert werden müsse. 

„Verkäufe außerhalb des Kerngeschäfts“

Dies zeigt, wie komplex die Lage bei Heideldruck ist. Verkompliziert wird das Ganze noch durch den Aktienkurs, der in Folge der gestrigen Ankündigung wieder in Richtung der 1-Euro-Marke gefallen ist (siehe Kurs-Chart). Verharrt er an dieser kritischen Grenze, müsste einer größeren Kapitalerhöhung vermutlich ein Kapitalschnitt vorangehen – eine drastische Maßnahme für die bestehenden Aktionäre.

Dennoch könnte der Spielraum des neuen Finanzchefs Wassenberg etwas größer sein, als es auf den ersten Blick erscheint. Insbesondere die bereits begonnene Überprüfung des Portfolios, über die bereits munter spekuliert wird, könnte den Druck auf die Bilanz senken. So brachte etwa das Bankhaus Lampe den Verkauf des defizitären Geschäfts mit sehr großen Druckmaschinen ins Spiel.

Ein Sprecher von Heideldruck wollte dazu auf FINANCE-Anfrage aber nicht konkret eingehen: „Stand jetzt richtet sich der Fokus auf die Trennung von Randaktivitäten außerhalb des Kerngeschäftes wie kürzlich mit Hi-Tech Coatings für Lacke.“ Zudem werde man sich im Produktportfolio verstärkt auf profitable Bereiche konzentrieren.

In besagten Randaktivitäten könnten sich stille Reserven verbergen, deren Hebung zumindest dazu beitragen könnte, bestimmte Einmalkosten im Rahmen einer Restrukturierung bilanziell zu kompensieren. Beispiel Hi-Tech Coatings: Der Verkauf dieser Tochterfirma brachte im November bei einem Kaufpreis von 38,5 Millionen Euro einen Einmalertrag von über 20 Millionen. Mit weiteren Deals dieser Art ist zu rechnen. 

Hart an der Grenze (Aktienkurs von Heideldruck seit Anfang 2017)

Kann Heideldruck den Masterworks-Deal wiederholen?

Desweiteren bringen die Rückzugsgefechte, die Heideldruck führt, neben Kosten auch gewisse Potentiale mit sich. Das größte bietet sich am Stammsitz in Wiesloch bei Heidelberg. Dort wird nach Unternehmensangaben ein Drittel der Fläche frei. Dabei handelt es sich um ein voll erschlossenes Gewerbegebiet, das Heideldruck gemeinsam mit der Stadt vermarkten könnte.

Auch die Altersstruktur der Belegschaft – in den nächsten Jahren gehen viele Fertigungsmitarbeiter in Rente – könnte dem Unternehmen zu Gute kommen. Anstatt üppig dotierte Abfindungsprogramme aufzulegen dürfte Heideldruck darauf hoffen, eher nach und nach den eigenen „Manufacturing-Footprint“ abzuschmelzen.

Darüber hinaus befindet sich der Konzern weiterhin auf Partnersuche. Vor knapp einem Jahr holte das Unternehmen bereits den chinesischen Maschinenbauer Masterworks an Bord. Dieser zeichnete eine Kapitalerhöhung über 8,5 Prozent zu einem Kurs von 2,68 Euro je Aktie, was einer Prämie von über 50 Prozent auf den damaligen Aktienkurs entsprach. Gelänge es dem Management ein zweites Mal, einen strategischen Investor von einer Finanzspritze über dem aktuellen Kursniveau zu überzeugen, ließe sich die Problematik, dass die Aktie haarscharf an ihrem Nennwert von 1 Euro notiert, zumindest für diese Transaktion umgehen. Genehmigtes Kapital in Höhe von 10 Prozent der bestehenden Aktien steht Wasserberg zur Verfügung.   

Die Marge sinkt, der Druck steigt

Allerdings nimmt der Druck auf das Management zu, schnell wirksame Entscheidungen zu treffen, denn die Geschäftslage verdüstert sich. Im zum Jahreswechsel abgeschlossenen dritten Quartal hat Heideldruck vorläufigen Zahlen zufolge – anders als erwartet – einen Umsatzrückgang von 579 auf 567 Millionen Euro verzeichnet. Zwar stieg der operative Gewinn (Ebitda) von 39 auf 47 Millionen Euro, aber nur wegen eines Sonderertrags in Höhe von 25 Millionen Euro aus dem Verkauf von Hi-Tech Coatings.

Auch für das vierte Quartal rechnet das Management mit einem Umsatz- und Gewinnrückgang. Dadurch lässt sich auch die bislang für das Gesamtjahr prognostizierte bereinigte Ebitda-Marge von 6,5 bis 7 Prozent nicht mehr halten. Die neue Prognose lautet nun 5,5 bis 6 Prozent. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Heidelberg noch eine Marge von 7,2 Prozent erzielt.

Als Grund für die Schwierigkeit nennt das Unternehmen Margendruck im Handel mit Verbrauchsmaterialien, vor allem aber schwache Geschäfte in Europa. Insbesondere die traditionell hochmargigen Absatzmärkte in Deutschland und Großbritannien leiden.        

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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