Trotz der Ausgliederung bürgt die HSV e. V. noch für die neugegründete Profifußball-AG.

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10.07.14
CFO

HSV: Verein bürgt für die neue Profifußball-AG

Dem Hamburger SV ist es gelungen, die Lizenzspielerabteilung aus dem Verein auszugliedern. In dem 300 Seiten starken Vertrag zu „HSV Plus“ finden sich brisante Passagen – der wirtschaftliche Spielraum der neuen HSV AG ist offensichtlich deutlich größer als gegenüber den Mitgliedern kommuniziert.

Trotz der aufschiebenden Klage eines Klubmitglieds ist es dem der Hamburger Sportverein (HSV) gelungen, seine Profiabteilung auszugliedern. Die Fußball-AG wird fortan für Investoren geöffnet sein. Neuer Vorstandschef der AG wird der frühere Spieler Dietmar Beiersdorfer, der von 2002 bis 2009 schon einmal recht erfolgreich als Sportdirektor für den HSV gearbeitet hatte.

Damit setzt der Hamburger Bundesligaklub das von den Mitgliedern Ende Mai mit großer Mehrheit befürwortete Konzept „HSV Plus“ um. Die Ausgliederung der Profiabteilung soll nach Angaben seiner Befürworter die Strukturen des Fußballunternehmens verschlanken und den eingetragenen Verein von den finanziellen Risiken des Profifußballs abschirmen. Laut einigen Kritikern des Konzepts finden sich brisante Passagen. Offensichtlich ist der finanzielle Spielraum, den sich die Manager der Profiabteilung geschaffen haben, deutlich größer als den Mitgliedern kommuniziert.

HSV Plus: Brisante Schlupflöcher im Vertrag

Die wichtigste Neuerung: Im Zuge von HSV Plus dürfen externe Investoren sich in das Kapital der HSV-AG einkaufen. Der Unternehmer Klaus-Michael Kühne hat bereits sein Interesse bekundet, Anteile zu erwerben. Kühne trat bereits in der Vergangenheit als Mäzen auf und finanzierte unter anderem den Transfer des ehemaligen Publikumslieblings Rafael van der Vaart.

Die von der vereinsinternen Opposition vorgetragenen Bedenken vor einer zu großen Einflussnahme durch Investoren traten die Befürworter von HSV Plus mit der Aussage entgegen, die maximal mögliche Anteilsveräußerung an strategische Partner betrage 24,9 Prozent.

Einem Schriftstück zufolge, welches der Hamburger Rechtsanwalt Rainer Ferslev aufgesetzt hat, trifft dies nicht zu. Falls der HSV beispielsweise ein Darlehen in Anspruch nimmt – was er bei Kühne bereits mehrfach getan hat – und dieses nicht fristgerecht zurückzahlen kann, dürfe ein strategischer Partner sich bis zu 33 Prozent der HSV-Anteile sichern. Kritiker werfen Kühne vor, genau einen solchen Debt-to-Equity-Swap anzustreben. Als Beleg dient den Kritikern die Rolle des Kühne-Vertrauten Karl Gernandt, der den Vorsitz im neu formierten Aufsichtsrat der HSV-AG übernommen hat.

Auch das Markenzeichen des Vereins, die Raute, gehört jetzt der AG. Laut Aussagen der Befürworter von HSV Plus bringe die Übertragung der Marke an die AG der Profiabteilung steuerliche Vorteile. Laut Ferslev könnte diese Regelung im Fall einer Insolvenz der Fußball-AG jedoch dazu führen, dass der Insolvenzverwalter die unentgeltliche Überlassung der Nutzungsrechte der Marke an den Verein nachträglich anfechtet. „Als außenstehender Dritter müsste der Verein Lizenzgebühren zahlen“, meint der Anwalt.

Auch die Risikoverteilung in der neuen HSV-Welt wirft Fragen auf. Wie die Unterlagen belegen, bürgt im Falle einer schweren Schieflage schlimmstenfalls der Verein für die AG. Obwohl  der Verein beinahe sämtliche Vermögenswerte an die HSV-Fußball-AG übertragen hat, haftet er die nächsten fünf Jahre für die Lizenzspielerabteilung, so Ferslev.

Streit um HSV-Fananleihe

Aber auch die Risiken aus aktuellen Rechtsstreitigkeiten liegen nun in der AG. Anfang Juni  erstattete der ehemalige Volleyballspieler  Klaus Meetz Anzeige gegen die Vereinsbosse des HSV. Sein Vorwurf lautete, der HSV habe 17,5 Millionen Euro, die der Klub aus der Emission  einer Fananleihe eingenommen habe, zweckwidrig entfremdet. Das Geld wurde ursprünglich für den Bau Trainingszentrums „HSV-Campus“ eingesammelt, wurde aber offenbar zum Stopfen von Löchern im Tagesgeschäft verwendet. Allerdings steht im Anleiheprospekt  lediglich, das Geld werde „anteilig“ für den Bau des HSV-Campus verwendet. Wie groß dieser Anteil sein muss, wurde nicht spezifiziert.

FINANCE-Informationen zufolge war Meetz  jedoch nicht der erste, der in der Causa Fananleihe Strafanzeige erhoben hat. Der Verein habe daraufhin eine Anwaltskanzlei beauftragt, diesen Vorwurf zu prüfen. Auf Anfrage gab ein HSV-Sprecher an, er wisse lediglich von der Anzeige von Klaus Meetz. Die erhobenen Anschuldigungen weist der HSV zurück.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Was plant Kühne? Wie schlimm steht es um die Finanzen des HSV? Wer steht im Verein gegen wen? Mehr Hintergründe zur aktuellen Lage gibt es auf unserer Themenseite zum Hamburger SV.

Wer ist der Mann, der um die Sanierung der HSV-Finanzen kämpft? Erfahren Sie mehr im FINANCE-Köpfe-Profil von HSV-Finanzchef Frank Wettstein.