Nach Monaten des Kämpfens und Manövrierens feiert Freenet-CFO Ingo Arnold einen Triumph am Übernahmemarkt – oder war es eher einen Pyrrhussieg? Der FINANCE-CFO-des-Monats.

Freenet

06.11.19
CFO

Ingo Arnold: Der Aktionärsflüsterer

Nach acht Monaten des Kämpfens, Taktierens und Manövrierens konnte Freenet-CFO Ingo Arnold im Oktober schließlich seinen Sieg vermelden: Die Freenet-Beteiligung Sunrise sagt ihre hart kritisierte Milliardenübernahme von UPC ab. Wird Arnold diesen Triumph noch bereuen?

Es war der fulminante Höhepunkt eines monatelangen Streits zwischen dem norddeutschen Telekomunternehmen Freenet und seiner 25-Prozent-Beteiligung, dem Schweizer Telekomkonzern Sunrise – und gleichzeitig das vorzeitige Ende des größten Deals in der Geschichte des Schweizer Telekommarktes. Sunrise wollte die Liberty-Global-Tochter UPC Schweiz für 6,3 Milliarden Franken (5,7 Milliarden Euro) übernehmen, aber sein größter Aktionär Freenet war dagegen.

Ingo Arnold war frühzeitig gegen den UPC-Deal

Ingo Arnold, der CFO der Norddeutschen, war von Anfang an von der Transaktionsstruktur nicht überzeugt. Schon im Frühjahr erklärte er gegenüber den Medien, dass die Dealstruktur „den Verkäufer nicht ausreichend an den Risiken“ beteilige. Sunrise hätte über eine 2,8 Milliarden Franken schwere Kapitalerhöhung die Übernahme größtenteils von seinen Eigentümern finanzieren lassen, während der Wert der Synergien dem Verkäufer zugeflossen wäre, so Arnold.

Arnold und Freenet-Chef Christoph Vilanek engagierten sich stark darin, die übrigen Sunrise-Aktionäre von ihren Vorbehalten zu überzeugen. Es ging ihnen darum, ihr eigenes Investment in Sunrise – und ihren Einfluss auf das Unternehmen – zu schützen. Der Kampf war kein leichter,  von der Gegenseite kam massives Störfeuer: Die Schweizer gingen im August sogar soweit, ihren größten Aktionär von allen künftigen Beratungen über den UPC Schweiz-Deal auszusperren. 

FINANCE-Köpfe

Ingo Arnold, Freenet AG

Ingo Arnold beginnt seine berufliche Laufbahn im Treasury des Konsumgüterherstellers Henkel, wo er mehr als zehn Jahre unterschiedliche Finanzfunktionen besetzt. Danach wechselt er für drei Jahre zu dem Energiekonzern Veba Oil & Gas, um dort das Treasury zu leiten.

Im Jahr 2001 verschlägt es Arnold in die Telekommunikationsbranche zum Mobilfunker Debitel, wo er eine leitende Position bekleidet. 2008 kauft Freenet den Wettbewerber Debitel vom Finanzinvestor Permira. Im Zuge des M&A-Deals steigt Arnold bei Freenet ein, zunächst als Leiter Controlling & Treasury, später übernimmt er die Führung der Ressorts Finance und Investor Relations. Im Januar 2019 tritt Arnold das Amt als Finanzvorstand von Freenet an.

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Doch kurz vor der Generalversammlung gelang es Vilanek und Arnold, den einflussreichen Aktionärsberater Institutional Shareholder Services (ISS) auf ihre Seite zu ziehen. Das war der Schlüssel zum Sieg. Als sich auch noch die aktivistischen Investoren AOC und Axxion gegen den Deal positionierten, war die Übernahme tot: Einen Tag vor der entscheidenden Versammlung sagten die Schweizer die Veranstaltung ab.

Was macht Freenet jetzt aus seinem Triumph?

Was aber bringt dieser Erfolg dem erst zu Jahresbeginn in den Vorstand beförderten Arnold?  Ein Ausstieg bei Sunrise ist unwahrscheinlich, dafür fehle Freenet „der unmittelbare finanzielle Zwang“, wie es die Analysten von Berenberg schreiben – und wohl auch ein Käufer, der bereit wäre, gleich 25 Prozent an Sunrise zu übernehmen. 

Andererseits ist die weitere Zusammenarbeit zwischen Freenet- und Sunrise-Management schwer getrübt. Das Friedensangebot von Sunrise-Chef Olaf Swantee dürfte kaum genug sein, um den riesigen Graben zuzuschütten, den das Duell um die UPC-Übernahme aufgerissen hat. Das bringt Freenet in eine schwierige Situation, denn außer einem „Weiter so“ haben die Norddeutschen keinen alternativen Wachstumsplan für Sunrise zur Hand. Einen solchen Großaktionär will kein Vorstand in seinem Rücken haben.

Am Kapitalmarkt und bei Freenet selbst hat Arnold dafür zweifellos an Format gewonnen. Wie er dieses in den nächsten Monaten nutzt, wird großen Einfluss darauf haben, wie die Investoren ihn und die Freenet-Strategie im nächsten Jahr beurteilen werden.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

Mehr Infos zur Vita des Freene-CFOs bietet das FINANCE-Köpfe-Profil von Ingo Arnold.

Eine Übersicht über alle bisherigen CFOs des Monats gibt es auf der dazu gehörigen FINANCE-Themenseite CFO des Monats.