James von Moltke. Vor sechs Monaten stimmten einige schon seinen Abgesang an. Jetzt ist er unser FINANCE-CFO-des-Monats.

Deutsche Bank

27.02.20
CFO

James von Moltke: Der Kämpfer

James von Moltke, unser CFO des Monats, galt vor einem halben Jahr fast schon als gescheitert. Doch zusammen mit der Deutschen Bank ist auch ihm ein erstaunlicher Stimmungswechsel gelungen – plötzlich ist Moltke obenauf.

Wie sich die Zeiten ändern können: Als die Nachrichtenagentur Bloomberg im Juni 2019 unter Berufung „auf mit der Sache vertraute Personen“ berichtete, dass Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing plane, mit dem eisernen Besen durch den Vorstand zu kehren, schien es kurzzeitig so, als stünde CFO James von Moltke vor dem Abgang. Ohne nennenswerte Erfolge am Revers hätte er dann wohl als gescheitert gegolten.

Doch anders als Investmentbanking-Chef Garth Richie und Compliance-Chefin Sylvie Matherat behielt Moltke sein Amt. Mehr als das: Ein gutes halbes Jahr später steht er plötzlich neben Sewing als der zentrale Akteur des sich abzeichnenden Turnarounds der blauen Bank da. Seit die Deutsche Bank Mitte August ihr historisches Kurstief von 5,78 Euro je Aktie erreichte, konnte das Papier um 75 Prozent auf rund 10 Euro zulegen. Erst die Sorgen rund um das Coronavirus ließen die Kursgewinne wieder abschmelzen.

Deutsche Bank-Aktie wieder im Aufwind (3-Jahres-Chart)

Moltke bekommt Kreditausfallversicherungen in den Griff

Moltkes Wiederaufstieg vom CFO auf Abruf zum Turnaround-Macher ist eine Mischung aus Glück und Geschick. Glück, weil die Deutsche Bank zum Beispiel von einer Anpassung bei den Kreditausfallversicherungen (CDS) deutscher Banken im Mai 2019 profitierte. Diese korrigierte eine Besonderheit im deutschen Umgang mit CDS und verbesserte den Risikorang aller deutschen Bankanleihen von einen Tag auf den nächsten – mit der Deutschen Bank und der Commerzbank als den größten Gewinnern.

In den Wochen und Monaten danach sank der CDS-Spread der Deutschen Bank in eine Spanne zwischen 60 und 90 Basispunkten. Das war immer noch mehr als bei vielen Konkurrenten, aber nur noch zwei Drittel des Wertes vor der Anpassung. Das änderte auch die Wahrnehmung des Risikograds der Deutschen Bank am Kapitalmarkt.

Dass der Spread inzwischen sogar auf unter 50 Basispunkte gesunken ist, lässt sich hingegen eher auf Geschick zurückführen. Der Turnaround-Plan, den Moltke und Sewing im September präsentierten und in den Monaten danach den Investoren erklärten, hat neues Vertrauen in die Zukunft der Deutschen Bank geweckt. Bester Beleg dafür ist der Einstieg des US-Investors Capital Group vor wenigen Wochen.    

FINANCE-Köpfe

James von Moltke, Deutsche Bank AG

Nach seinem Bachelor-Abschluss an der Universität Oxford beginnt James von Moltke seine Karriere 1992 bei der Investmentbank Credit Suisse First Boston in London. Drei Jahre später und bis 2005 ist er für JP Morgan in New York und Hongkong tätig. Anschließend wechselt er zu Morgan Stanley in New York. In diesen Rollen berät er vor allem Unternehmen aus dem Financial-Services-Bereich.
 
2009 übernimmt von Moltke die Leitung der Corporate M&A Abteilung bei der Citigroup und drei Jahre später die Verantwortung für die weltweite Finanzplanung der US-Bank. 2015 wird er zum Treasury-Chef der Citigroup befördert. Im Frühjahr 2017 verkündet von Moltke seinen Wechsel zur Deutschen Bank, wo er seit Juli des gleichen Jahres Konzern-CFO ist.

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Von Moltkes Doppelschlag im Februar

Die Kalifornier drangen direkt in den Kreis der fünf größten Aktionäre der Deutschen Bank vor und könnten in Zukunft ein Gegengewicht zu den als aktivistischen Aktionären bekannten Hedgefonds Cerberus und Hudson sowie den beiden Investmentvehikeln aus Katar bilden. „Wir freuen uns über alle Aktionäre, besonders über solche, die eine Erfahrung und Glaubwürdigkeit wie Capital mitbringen“, teilte die Bank mit.

Die wesentlich verbesserte Situation der Bank nutzte der 50-jährige Finanzvorstand, um die Refinanzierung wetterfester zu machen: Er platzierte die erste Nachranganleihe der Deutschen Bank seit November 2014 und hatte keinerlei Probleme, Käufer für die Transaktion zu finden. Obwohl diese Art von Anleihen für Investoren riskant ist, war das Papier zehnfach überzeichnet.

Mit der 1,25 Milliarden US-Dollar (rund 1,15 Milliarden Euro) schweren Anleihe stärkt die Deutsche Bank nicht nur ihre Kapitalbasis. Sie hilft auch dabei, die angepeilte Verschuldungsquote von 4,5 Prozent bis Ende 2020 zu erreichen. Und sie verleiht Rückenwind für die weiteren anstehenden Aufgaben in Moltkes Finanzbereichs: Insgesamt will die Bank alleine bis Jahresende neue Anleihen im Umfang von 15 bis 20 Milliarden Euro emittieren und gleichzeitig 32 Milliarden Euro tilgen.

Aber endgültig über den Berg ist die Bank – und damit auch von Moltke – noch nicht: Der Konzernumbau ist in vollem Gang, und die vergangene Präsentation der Jahreszahlen 2019 kann so und so gelesen werden. Die Deutsche Bank ist eine Glaubensfrage. Aber sie ist kein hoffnungsloser Fall mehr.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

Mehr Infos zur Vita des Deutsche-Bank-CFOs bietet das FINANCE-Köpfe-Profil von James von Moltke. Eine Übersicht über alle bisherigen CFOs des Monats gibt es auf der dazu gehörigen FINANCE-Themenseite CFO des Monats.