Wieder in ruhigen Gewässern: Die Containerreederei Hapag-Lloyd befreit sich aus ihrem engen Finanzkorsett und gewinnt langsam das Vertrauen der Investoren.

Hapag-Lloyd

12.07.17
CFO

Kapitalmarkt fasst Vertrauen in Hapag-Lloyd

In mehreren Schritten hat Hapag-Lloyd-CFO Nicolás Burr gleich drei auslaufende High-Yield-Anleihen abgeräumt, die Kapitalkosten der Reederei fallen rapide. Dem Großaktionär Tui ermöglicht das den Ausstieg.

Der Reisekonzern Tui hat neun Jahre nach der ersten Ankündigung endlich den heiß ersehnten Ausstieg aus der Containerreederei Hapag-Lloyd geschafft. Die Beteiligung war ein Überbleibsel aus der Zeit, als Tui noch kein fokussierter Reisekonzern, sondern ein Industriekonglomerat war. Gestern platzierte Tui 8,5 Millionen Hapag-Lloyd-Aktien zu Kursen knapp unter 30 Euro, nachdem der Konzern seit März zu ähnlichen Preisen schon 6 Millionen Anteilsscheine über den breiten Markt verkauft hatte. Insgesamt brachte der Ausstieg aus Hapag-Lloyd dem Reisekonzern rund 395 Millionen Euro. 

Umschuldung vertreibt Finanzierungssorgen um Hapag-Lloyd

Tui nutzte den Rückenwind des Marktes, hat sich das Sentiment bezüglich der Hapag-Lloyd-Aktie seit dem Herbst doch umfassend verbessert. Die verschiedenen Schritte, die CFO Nicolás Burr seit Jahresbeginn zur Umschuldung unternommen hat, lassen den Kapitalmarkt wieder mehr Vertrauen in die Containerreederei fassen. Erst in der vergangenen Woche hatte Burr einen neuen Bond platziert, dessen Volumen von 450 Millionen Euro genügt, um die beiden 2018 und 2019 auslaufenden High-Yield-Anleihen der Hamburger vorzeitig abzulösen. Der Zinssatz des neuen Bonds liegt mit 5,125 Prozent deutlich unter den Kupons der auslaufenden Papiere von 7,5 beziehungsweise 7,75 Prozent. Dadurch senkt Burr die Zinskosten um 11 Millionen Euro pro Jahr. 

Wie schnell sich die Sicht der Investoren auf Hapag-Lloyd zum Positiven gewandelt hat, zeigt der Vergleich mit der Bondemission vom Januar dieses Jahres. Damals musste Burr noch einen Kupon von 6,75 Prozent bieten, um sich die ersten 250 Millionen Euro für seine Refinanzierungsoffensive zu sichern. Bei der Aufstockung des Papiers wenige Wochen später konnte der CFO weitere 200 Millionen Euro schon für einen Preis von 102,375 Prozent unterbringen, woraus sich eine Rendite von 6,2 Prozent errechnet.

Mit diesen Emissionen hat Burr den noch offenen Anteil von 125 Millionen US-Dollar für die vorzeitige Rückzahlung einer Anleihe beschafft, die eigentlich in diesem Herbst fällig geworden wäre. Daraus ergeben sich weitere Zinseinsparungen von mehr als 1 Million Euro. Allerdings kosten die vorzeitigen Tilgungen der teuren 2017, 2018 und 2019 fälligen High-Yields Hapag-Lloyd in diesem Jahr einmalig 13 Millionen Euro.

Berenberg sieht Turnaround bei Hapag-Lloyd-Fusionspartner UASC

Die Performance der neuen Papiere am Bondmarkt ist gut. Die zu Jahresbeginn mit 6,75 Prozent aus heutiger Sicht üppig bepreiste Anleihe ist inzwischen auf über 106 Prozent ihres Nennwerts geschossen. Auch das vor wenigen Tagen begebene Papier notiert leicht über seinem Nennwert.

Im Kielwasser der Bonds bewegt sich auch der Aktienkurs wieder nach oben: Nach einer Kursexplosion, die das Papier zwischen Ende November und Anfang März von 18 auf 30 Euro nach oben getrieben hatte, konsolidierte der Kurs mehrere Monate lang im Bereich zwischen 25 und 27 Euro. Die erfolgreichen Manöver am Bondmarkt und der Wegfall des Aktienüberhangs von Tui haben die Aktie nun aus dieser Handelsspanne ausbrechen und auf ein Allzeithoch von über 32 Euro steigen lassen. 

Die Rückkehr der Investorengunst stützt sich aber nicht nur auf Burrs Finanzierungsmanöver, sondern auch auf eine Verbesserung des Marktumfelds: Die Frachtraten steigen, der Wettbewerbsdruck nimmt ab. Während Hapag-Lloyd im ersten Quartal noch verhalten abschnitt, konnte die arabische Reederei UASC, mit der die Hamburger gerade fusionieren, nach Berechnungen der Berenberg Bank einen operativen Gewinn (Ebitda) von 117 Millionen Euro einfahren – mehr als im gesamten Jahr 2016.

Den Merger haben Hapag-Lloyd und UASC mit leichter Verspätung Ende Mai vollzogen. Er soll jährlich wiederkehrende Synergien in Höhe von 435 Millionen US-Dollar bringen – 4,7 Prozent der gemeinsamen Kostenbasis. Die Berenberg-Analysten halten dieses Ziel für realistisch und verweisen auf die Übernahme der chilenischen Reederei CSAV im Jahr 2014, deren Integration sogar Synergien von 5 Prozent der gemeinsamen Kostenbasis erbracht habe. 

Neue Milliardenfusionen stärken Position von Hapag-Lloyd

Nachdem die führenden Containerreedereien trotz der schweren Branchenprobleme viele Jahre lang am M&A-Markt erstaunlich passiv waren, schwenken viele von ihnen jetzt auf die Linie von Hapag-Lloyd um. Der Weltmarktführer Maersk übernimmt gerade für 3,7 Milliarden Euro die bisher zum Familienunternehmen Oetker gehörende Reederei Hamburg Süd. Am Montag dieser Woche kündigten die beiden chinesischen Reedereien Cosco und OOCL eine Fusion mit einem Volumen von 5,5 Milliarden Euro an. Cosco wird dadurch eine starke Nummer 3 am Weltmarkt. Nach Berechnungen von Berenberg bewertet Cosco den Fusionspartner mit dem 1,3-fachen des Buchwerts, während Hapag-Lloyd derzeit an der Börse nur auf einen Wert von 0,7x kommt.

Weil sich aktuell auch noch drei japanische Reedereien zusammenschließen, könnten die sechs größten Container-Reedereien (zu denen als Nummer 5 auch Hapag-Lloyd zählt) am Jahresende einen Weltmarktanteil von 70 Prozent auf sich vereinen. Zum Vergleich: 2013 waren es nur 49 Prozent.

Die Investoren setzen darauf, dass die Fusionswelle die Überkapazitäten eindämmt und zu einem rationaleren Preisverhalten der Reedereien führt. Kommt es tatsächlich dazu, könnte Burr in den kommenden Jahren viel Geld für das Abtragen des hohen Schuldenbergs mobilisieren – Investitionen in neue Schiffe muss Hapag-Lloyd dank der Übernahme der jungen Flotte von UASC in den nächsten Jahren einstweilen nicht mehr tätigen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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