19.08.14
CFO

Karstadt-Sanierung liegt auf Eis

Quälender Stillstand bei Karstadt: Der Aufsichtsrat der Warenhauskette wird erst dann über die anstehende Sanierung beraten, wenn das Bundeskartellamt grünes Licht für die Übernahme durch Investor René Benko gibt. Im Spitzenmanagement um CFO Miguel Müllenbach gibt es dagegen Bewegung.

Der Warenhauskonzern Karstadt schiebt seine Sanierung auf. Ursprünglich sollte der Aufsichtsrat noch diesen Donnerstag zusammenkommen, um über die künftige Sanierung des angeschlagenen Konzerns zu beraten.

Die Aufsichtsratssitzung soll nun doch erst stattfinden, wenn das Bundeskartellamt die Karststadt-Übernahme durch Signa Retail, das Unternehmen des österreichischen Immobilieninvestors René Benko genehmigt hat, meldet Karstadt heute. „Wir werden die Sanierung der Karstadt Warenhaus GmbH zügig und entschlossen angehen. Aber wir können der Entscheidung der Kartellbehörde nicht vorgreifen“, begründet der Aufsichtsratsvorsitzende Stephan Fanderl den Aufschub in der Mitteilung.

Erst vor wenigen Tagen hat Benko die Warenhauskette für den symbolischen Preis von einem Euro gekauft. Er hatte bereits die profitablen Karstadt Sporthäuser und die Premiumsparte von Nicolas Berggruen übernommen, zu der beispielsweise das KaDeWe in Berlin und das Alsterhaus in Hamburg gehören.

CFO Müllenbach führt Karstadt nun alleine

Erste Sanierungspläne für Karstadt waren zwar schon kurz nach dem am Freitag bekannt gewordenen M&A-Deal kolportiert worden, doch CFO Miguel Müllenbach wird sich nun mit dem Beginn der ersten Sanierungsschritte so lange gedulden müssen, bis der Gesellschafterwechsel endgültig vollzogen ist. Ob Benko dann noch mit ihm als Finanzvorstand plant, ist noch unklar.

Doch eine erste neue Aufgabe kommt dennoch sofort auf Müllenbach zu. Laut einer heute Nachmittag veröffentlichten Unternehmensmitteilung muss er Karstadt bis auf weiteres alleine führen. Nach nur zwei Monaten mit der Doppelspitze aus Müllenbach und Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz verlässt letzterer das Unternehmen „im beiderseitigen Einvernehmen“, wie es bei Karstadt heißt.

Benko könnte bis zu 20 Karstadtfilialen schließen

Laut den ersten bekannt gewordenen Details über die mögliche Sanierung könnte der neue österreichische Investor 15 bis 20 der verbliebenen 83 Warenhäuser schließen. Ebenfalls im Gespräch sind Pläne des 37-jährigen Tirolers, Karstadt ein neues Geschäftsmodell zu verpassen und fremde Mieter, ähnlich wie in einem Einkaufszentrum, in die Häuser zu holen. Nach der Sanierung, die in rund zwei Jahren geschafft sein soll, sei es Benkos Ziel, Karstadt mit dem weitaus profitableren Wettbewerber Kaufhof zur Deutschen Warenhaus AG zu fusionieren.

Sicher ist bislang jedoch wohl nur, dass auf den Konzern und seine Mitarbeiter weitere harte Einschnitte zukommen werden. Schon in den vergangenen Jahren haben die Mitarbeiter bereits mehrere hundert Millionen Euro über Lohnverzicht in die Rettung des maroden Unternehmens investiert.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de

Lesen Sie mehr über die Karriere von Karstadt-Finanzvorstand Miguel Müllenbach  im CFO-Almanach FINANCE Köpfe.