Der Absturz von KTG Agrar: Bei näherer Betrachtung erscheint die Pleite des Agrarkonzerns immer dubioser.

Arndt Benedikt

07.09.16
CFO

KTG Agrar: Wo ist all das Geld hin?

Die Pleite von KTG Agrar ist die wohl spektakulärste am ganzen Mini-Bond-Markt. Wie konnte es so weit kommen? FINANCE deckt in der neuen Ausgabe die Hintergründe auf.

Jeans oder Cordhosen, dazu eine Karohemd oder ein Trachtenjanker: Siegfried Hofreiter inszenierte sich bei Anleiheinvestoren gerne als bodenständiger Unternehmer und versprach blühende Ackerlandschaften im Osten, wenn er über KTG Agrar berichtete. Die Anleger liebten ihn dafür und rissen ihm die Wertpapiere, die Zinsen von 7 Prozent und mehr verhießen, förmlich aus den Händen. Auf dem Höhepunkt des KTG-Hypes glaubte Hofreiter gar, er brauche gar keine Investmentbanken mehr, um Bonds zu platzieren.

Nach dem Hochmut kommt oft der Fall, so auch bei KTG Agrar: Die Euphorie legte sich, was man lange schon an dem vor sich hin dümpelnden Aktienkurs des Agrarkonzerns ablesen konnte. Auch die Anleiheinvestoren wollten endlich Ergebnisse sehen. Indes, Hofreiter behauptete immer, die Tilgung der Schulden sei mit Hilfe eines chinesischen Investors „kein Problem“ – auch noch vor gut einem Jahr gegenüber FINANCE.

Bereits im vergangenen Herbst sickerte allerdings durch, dass er auf der Suche nach neuem Geld immer wahlloser neue Investoren ansprach. Diese hielten sich aber zurück. Zu zweifelhaft erschien ihnen ein Investment nach einem Blick in die schwer angespannte Bilanz.

KTG Agrar am Ende, Prokon versucht Neustart

Der weitere Verlauf ist bekannt: Nachdem Hofreiter eine Zinszahlung im Juni schuldig blieb, meldete der Konzern Anfang Juli Insolvenz an. Die angetretenen Insolvenzspezialisten haben gerade erst damit begonnen, Licht in die dunklen Ecken des Hofreiter-Imperiums zu werfen. Ihre ersten Eindrücke lassen das Schlimmste befürchten

Michael Hedtstück, der den Aufstieg und Fall von KTG Agrar eng begleitet hat, zeichnet in der neuen FINANCE ein Bild von dubiosen Machenschaften, Seilschaften und Amigo-Geschäften. Die Titelgeschichte bietet klare Ansätze, wohin die ganzen Gelder geflossen sein könnten. Bereits heute können Sie die Geschichte als E-Paper beziehen.

Ein ähnlich schillernder Typ wie Siegfried Hofreiter ist Carsten Rodbertus, der Prokon groß gemacht hat. Dem Ökorebell aus Itzehoe vertrauten zahlreiche Privatanleger ebenfalls viel Geld an –  in der Spitze 1,4 Milliarden Euro. Auch Prokon scheiterte bekanntlich, in diesem Fall an schlechtem Finanzmanagement. Zwei Jahre nach der Pleite versucht der Windenergieprojektierer einen Neustart mit abgespecktem Kerngeschäft und seriöser Finanzierung.

Finanzchef Henning von Stechow erklärt, warum Banken nun wieder willkommen sind. „Nach der inneren Transformation wollen wir uns auch nach außen hin als ein ganz normales Unternehmen zeigen“, fügt sein Vorstandskollege Heiko Wuttke hinzu. Warum der Neustart nicht ohne Risiken ist, haben die Recherchen von FINANCE-Redakteurin Julia Schmitt ergeben.

DZ Bank: Die Kampfansage der Genossen im Firmenkundengeschäft

Viel vorgenommen haben sich auch die Genossen nach der Fusion von DZ Bank und WGZ Bank. Erstmals verraten Stefan Zeidler und Uwe Berghaus im FINANCE-Interview, was sie im Firmenkundengeschäft vorhaben.

Mit dem Ergebnis einer FINANCE-Umfrage aus dem Frühjahr, bei der DZ hinter der Deutschen Bank, Commerzbank, der Hypovereinsbank und der LBBW landet, zeigten sich die beiden jedenfalls nicht zufrieden: „Durch den Zusammenschluss wollen wir uns weiterentwickeln und Marktanteile gewinnen“, sagt Co-Firmenkundenvorstand Berghaus, der von der WGZ Bank kam. „Das bedeutet dann zwangsläufig, dass wir in dieser Rangliste weiter nach oben rutschen.“ Wir werten das als Kampfansage an andere Banken und sind gespannt auf die nächsten Schritte der Genossen.

Ganz ordentlich schlägt sich auch die Beteiligungsgesellschaft der Bank: Bereits vor vier Jahren haben sich DZ Equity Partner und WGZ Initiativkapital zu VR Equitypartner zusammengeschlossen und damit praktisch im Kleinen vorweggenommen, was jetzt gerade im Großen passiert. Was die „Private-Equity-Genossen“ in diesem Jahr planen und was sie gerade für Mittelständler spannend machen könnte, hat Florian Bamberg recherchiert.

Das fordern Private-Equity-Investoren von CFOs

Private Equity wird auch für Finanzchefs zu einer immer valideren Karriereoption. Welches Profil speziell Private-Equity-Gesellschaften von Finanzchefs fordern, verraten drei CFOs, die selbst reichlich Erfahrung mit der Arbeit für Finanzinvestoren gesammelt haben.

Auch bei Fintechs, die die Bankenwelt umkrempeln wollen, spielt das Finanzmanagement eine große Rolle. Wie es sich anfühlt, die spannende Aufbauarbeit zu begleiten, verrät Rene Griemens in der neuen Ausgabe. Nur so viel: Der ehemalige Investmentbanker und heutige CFO des Hamburger Startups Kreditech scheint sich ganz wohl zu fühlen, wie er FINANCE-Redakteurin Sabine Reifenberger berichtet hat.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Die neue FINANCE
Wie Kion-CFO Thomas Toepfer den Dematic-Deal eingefädelt hat, welche Macht Goldman Sachs in der Politik wirklich hat und wie nachhaltig deutsche Finanzabteilungen heute schon agieren, erfahren Sie in der neuen Ausgabe, die Sie hier bestellen oder heute schon direkt als E-Paper beziehen können.