Mann+Hummel

08.03.16
CFO

Mann+Hummel-CFO Weissenbacher: „Anhangangaben sind Neuland“

Eigentlich wollte Mann+Hummel mit der Umstellung von HGB zu IFRS noch etwas warten – doch wegen einer großen M&A-Transaktion musste es jetzt schnell gehen. Finanzchefin Emese Weissenbacher über komplizierte Anhangangaben, veränderte Kennzahlen und zeitraubende Prozesse.

Frau Weissenbacher, Mann+Hummel ist ja eigentlich kein klassischer Mittelständler mehr. Mit mehr als 16.000 Mitarbeitern, über 60 Standorten und 3 Milliarden Euro Umsatz gehören Sie zu den großen Automobilzulieferern. Im Oktober vergangenen Jahres haben Sie außerdem einen Mega-Schuldschein über 1,1 Milliarden platziert. Trotzdem hat Mann+Hummel bislang nach HGB bilanziert und nicht nach den Bilanzierungsregeln IFRS, die bei internationalen Konzernen Standard sind. Warum?
Ganz richtig ist dies so nicht. Intern hat Mann+Hummel schon zum Jahreswechsel 2008/2009 IFRS eingeführt. Dieses „IFRS-Light“ war kein vollständiger externer Abschluss, aber dennoch eine sehr gute Basis für die Umstellung des Konzernabschlusses von HGB auf IFRS. Extern hat die Bilanzierung nach HGB für unsere Zwecke bisher gereicht. Allerdings sind wir in den vergangenen Jahren sehr stark gewachsen und haben unsere Internationalisierung vorangetrieben, sodass wir uns jetzt dazu entschlossen haben, auch extern von HGB auf IFRS umzustellen. Die Vereinheitlichung des internen und externen Rechnungswesens führt zu einer Vereinfachung unseres Jahresabschlussprozesses und steigert die Effizienz. Eigentlich wollten wir die Rechnungslegung zum Jahresabschluss 2016 umstellen, haben das jetzt aber vorgezogen.

Warum?
Auslöser war der größte M&A-Deal unserer Firmengeschichte aus dem August. Wir wollen die Filtersparte des US-Konzern Affinia übernehmen, vorausgesetzt, die Kartellbehörden stimmen zu. Affinia bilanziert bislang nach den nationalen Standards US-GAAP, müsste nach einer Integration aber auch einen Abschluss nach HGB abliefern. Das wäre sehr aufwendig, denn HGB und US-GAAP könnten unterschiedlicher kaum sein. Weil US-GAAP viel näher an IFRS ist als an HGB, haben wir die angestrebte Akquisition zum Anlass genommen, unsere komplette Rechnungslegung auf IFRS umzustellen.

Hat ein besserer Zugang zu Kapitalmärkten auch eine Rolle bei Ihrer Entscheidung gespielt?
Nein, das war kein Motiv.

Mann+Hummel-CFO Emese Weissenbacher: „Liegen gut in der Zeit“

Ihr Jahresabschluss für 2015 sollte ursprünglich im April erscheinen. Jetzt haben Sie aber verkündet, dass er nicht vor Juli kommen wird. Haben Sie den Umstellungsaufwand unterschätzt?
Nein. Für April war der Jahresabschluss nur ohne eine Umstellung der Rechnungslegung vorgesehen. Uns war klar, dass so eine Umstellung sechs bis acht Monate dauert. Aufgrund der verbindlichen Vereinbarung zur Übernahme des Filtergeschäfts von Affinia aus dem Spätsommer 2015 haben wir anschließend die Entscheidung getroffen, im November mit der Umstellung zu beginnen. Hinzu kommt, dass wir ja auch den Abschluss für 2014 rückwirkend auf IFRS umstellen müssen, das erschwert die Arbeit zusätzlich.

Wie weit sind Sie jetzt mit der Umstellung?
Wir haben schon einiges gestemmt. Wir haben zunächst eine Machbarkeitsstudie durchgeführt und analysiert, welche Bilanzteile sowie Gewinn- und Verlustrechnungspositionen in welchem Umfang betroffen sind. Auch den Aufwand der Umstellung haben wir geprüft. Vor allem die inhaltliche und systemtechnische Konzeption der Anhangangaben fordert uns. Hierfür haben wir technisch aufgerüstet und ein selbsterstelltes webbasiertes Tool zur Erfassung der notwendigen Daten eingeführt. Wir liegen gut in der Zeit, weil wir die Umstellung als richtiges Projekt aufgesetzt haben.

Mann+Hummel: IFRS erleichtert Konzernbilanzierung der Töchter

Wie wird sich Ihre Bilanzierung durch den Umstieg auf IFRS verändern?
Wir haben hauptsächlich drei Themenfelder, in denen wir Änderungen erwarten. Hierzu zählt das Anlage- und Umlaufvermögen. Die Nutzungsdauern im Anlagevermögen verändern sich. Goodwill wird im Rahmen von IFRS nicht mehr abgeschrieben. Außerdem ist die Folgebewertung der Bestände bei IFRS deutlich geringer. Ein weiteres Feld ist die Bewertung der Rückstellungen für Pensionen und Altersteilzeit. Hier orientiert sich der Zins in IFRS stärker am Markt und es findet kein geglätteter Durchschnittswert Anwendung. Dadurch besteht insgesamt eine stärkere Volatilität. Ein drittes Feld sind die Spezialfonds. Diese werden nach Einzeltiteln ausgewiesen und bewertet. Eine Gesamtbewertung findet nicht mehr statt. Effekte daraus entstehen in der Gewinn- und Verlustrechnung anstatt im Eigenkapital.

Viele Unternehmen beschweren sich, dass die Bilanzierung nach IFRS viel aufwendiger und komplexer ist als nach HGB. Manche bereuen den Schritt sogar und wechseln wieder zurück.
Es gibt schon Aspekte, die sehr komplex sind. Viele von denen haben wir bereits in der ersten Phase der Umstellung bewältigt. Dazu zählt beispielsweise die Aktivierung von Kosten für Forschung und Entwicklung oder die Umstellung der Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung von Gesamtkosten- auf Umsatzkostenverfahren. Der größte Aufwand für uns sind nun die Anhangangaben, die unter IFRS anfallen. Diese sind inhaltlich Neuland. Trotzdem denke ich, dass eine Umstellung viele Vorteile für ein internationales Unternehmen wie Mann+Hummel mit sich bringt. Der größte Vorteil: IFRS erleichtert die Konzernbilanzierung der internationalen Tochterunternehmen enorm. Wir schaffen damit die richtige Basis für zukünftige Integrationen von neuen Gesellschaften. und richten uns auf einen internationalen Standard aus.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de


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