Tiefe Einschnitte in der Berliner Holding? Das Rocket-Internet-Management um Oliver Samwer (Mitte links) und CFO Peter Kimpel (Mitte rechts)

Rocket Internet

18.11.16
CFO

Massiver Personalabbau bei Rocket Internet?

Offenbar baut Rocket Internet in seiner Berliner Zentrale massiv Personal ab, um die hohen Kosten der Holding radikal zu kürzen. Dahinter steckt aber wohl noch wesentlich mehr.

Nach einem Bericht in der heute erschienen Ausgabe des Manager Magazins baut Rocket Internet in seiner Berliner Konzernzentrale im großen Stil Personal ab. Von den 425 Mitarbeitern, die die Start-up-Schmiede Ende 2015 noch in Berlin beschäftigt hat, sollen inzwischen nicht einmal mehr 200 übrig sein. Unter der Hand gebe es sogar das Ziel, bis zum Jahreswechsel unter 100 zu kommen, schreibt das Wirtschaftsmagazin. Rocket Internet dementierte aber, dass ein Stellenabbau in einem so erheblichen Umfang geplant sei. 

Die tiefen Einschnitte, von denen das Manager Magazin berichtet, kämen zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt, denn Rocket bezieht gerade neue, größere Büroräume in einem Bürohaus in Berlin-Kreuzberg. Dort sollten ursprünglich auf 22.000 Quadratmetern Rocket-Mitarbeiter unterkommen. Rocket hatte aber schon im Winter seine Umzugspläne zusammengekürzt und umfangreiche Flächen im neuen „Rocket-Tower“ an andere Firmen untervermietet, wie Berliner Medien berichteten.

Investoren kritisieren die hohen Personalkosten von Rocket Internet

Das Dementi von Rocket Internet deutet darauf hin, dass nicht alle betroffenen Stellen bei Rocket verschwinden, sondern auch Verlagerungen stattfinden. Viele Mitarbeiter dürften Unterschlupf bei Beteiligungsunternehmen der Berliner finden. Dort herrscht traditionell eine Mischung aus hoher Fluktuation und wachstumsbedingt erhöhtem Personalbedarf. Das Entsenden von Personal in Start-ups gehört zum Geschäftsmodell von Rocket Internet.

Trotzdem wäre ein derart starker Personalabbau, wie vom Manager Magazin in den Raum gestellt, ein Einschnitt in der Geschichte von Rocket Internet, weil ein veritabler Strategieschwenk dahinter stehen könnte. Seit dem Börsengang vor zwei Jahren kritisieren die Investoren immer wieder die hohen Kosten der Holding, die auf der Gewinn-und-Verlust-Rechnung lasten. Im vergangenen Geschäftsjahr beliefen sich alleine die Personalausgaben, die überwiegend in der Holding anfallen, auf fast 172 Millionen Euro.

Rocket hat 1,7 Milliarden Euro Cash für Investments

Nun scheint die Rocket-Führung um Gründer Oliver Samwer und Finanzchef Peter Kimpel bereit zu sein, das bisherige Geschäftsmodell anzupassen, dessen Kern der Aufbau neuer Unternehmen aus eigener Kraft ist. Es verdichten sich die Hinweise, dass die neue Geschäftsstrategie des kürzlich in den Prime Standard der Deutschen Börse gewechselten und inzwischen im SDax gelisteten Tech-Unternehmens nicht mehr nur auf der Gründung von Start-ups, sondern zunehmend auch auf Venture-Investments beruhen könnte.

Die Weichen dafür hat Rocket schon im Januar diesen Jahres gestellt, als die Berliner einen Co-Investment-Fonds mit einem Volumen von einer halben Milliarde Dollar auflegten. Zusätzlich stehen Samwer und Kimpel aus der eigenen Bilanz 1,7 Milliarden Euro an liquiden Mitteln für Investments zur Verfügung. Mit dieser hohen Schlagkraft hätte Rocket die Möglichkeit, künftig stärker in einem späteren Stadium in bereits etablierte Internet-Unternehmen zu investieren, anstatt Neugründungen über viele Jahre mühsam in Richtung Profitabilität zu führen.

Eine Blaupause könnte der Einstieg bei dem Essensbringdienst Delivery Hero im Februar 2015 sein. Damals pumpte Rocket Internet über eine halbe Milliarde Euro und eigene Tochterfirmen in Delivery Hero und kontrolliert inzwischen fast die Hälfte der Anteile. Delivery Hero gilt als heißer Kandidat für einen Börsengang im Frühjahr 2017.    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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