Preh

21.05.12
CFO

PE-Investoren pushen Internationalisierung

Die Finanzinvestoren ändern ihr Geschäftsmodell. Von Deals, Deals, Deals verschiebt sich der Fokus in Richtung Internationalisierung – eine Chance für expansionswillige Unternehmen, aber die Anforderungen an CFOs und CEOs wachsen dadurch.

Private-Equity-Investoren setzen immer stärker darauf, ihre deutschen Portfoliounternehmen zu internationalisieren. Wie eine aktuelle Studie von FINANCE-Research zeigt, für die führende Vertreter von fast 100 verschiedenen PE-Häusern anonym zu ihrer Wertsteigerungsstrategie befragt wurden, verstärkt sich dieser Trend immer mehr.

Schon in ihren aktuellen Portfoliounternehmen setzen die PE-Häuser am stärksten auf die Internationalisierung des Geschäftsmodells, gefolgt von Umbauten des Produktionsnetzwerks, Zukäufen und der Erweiterung des Produktspektrums. Für die nächste Fondsgeneration, für die die Beteiligungen jetzt und in den nächsten Jahren zusammengekauft werden, planen 62 Prozent der PE-Häuser, die Internationalisierung ihrer Unternehmen noch weiter zu intensivieren. Mit weitem Abstand folgen Vertriebsausweitungen  (44 Prozent), die Vertiefung der Wertschöpfungskette (38 Prozent) und M&A (33 Prozent).

Geschäftsmodell akut bedroht

Dass sich Private Equity verändern wird, werden auch die Managementteams der Portfoliounternehmen zu spüren bekommen. Auf den ersten Blick könnte der Bedeutungsverlust aggressiver Buy-and-Build-Strategien CEOs und CFOs als Erleichterung erscheinen, denn im Kaufen und Integrieren von Wettbewerbern haben die wenigsten Manager nennenswerte Erfahrung. Gleichwohl wird insbesondere der Drang zur Internationalisierung die Anforderungen an Manager in Private-Equity-finanzierten Unternehmen nach oben treiben. Sie werden in Zukunft weltläufiger sein und über umfassende Auslandserfahrung verfügen müssen. Im Mittelstand ist das aber nicht die Regel. Daher werden Finanzinvestoren künftig wohl auch häufiger Veränderungen im Top-Management ihrer Unternehmen vornehmen und die Führungsteams um auslandserfahrene Manager ergänzen.

Mit dem Strategiewechsel reagieren die Finanzinvestoren darauf, dass ihr aktuelles Geschäftsmodell akut bedroht ist. Die PE-Fonds sind von der zweiten Welle der Finanzkrise gleich doppelt getroffen worden: Anders als viele Unternehmen sind sie nach wie vor schwer abhängig von den Banken, die ihnen ihre Übernahmen finanzieren. Doch diese müssen ihre Kreditbücher schrumpfen. Gleichzeitig profitieren Konzerne von ihren starken Gewinnen und dem Hunger der Investoren nach Unternehmensanleihen – erstmals seit sehr lange Zeit haben sie vollere Kassen und weitaus besseren Zugang zu Finanzierungen als die Finanzinvestoren. Die einfachen Mega-Renditen der Vergangenheit – gespeist aus günstigen Bankkrediten, schlecht geführten Konzerntöchtern als Targets und wenig Konkurrenz im M&A-Prozess – sind für die Finanzinvestoren damit passè.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Die Studie

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