Schaeffler nutzte die DAX-Rückkehr von Conti, um Schulden zu reduzieren.

Schaeffler

25.09.12
CFO

Schaeffler verkauft Conti-Aktien

Schaeffler-CFO Klaus Rosenfeld muss die drückende Schuldenlast seines Unternehmens weiter senken. Daher trennt sich Schaeffler nun von einem Teil seiner Continental-Aktien. Doch damit führt der Finanzchef nicht nur schrittweise die gescheiterte Conti-Übernahme zurück, sondern reagiert auch auf den Abschwung in der Automotivebranche.

Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler muss seine Schulden senken. Daher hat sich das Unternehmen aus Herzogenaurach von Continental-Aktien getrennt. Die bei den beiden Banken M.M. Warburg und Bankhaus Metzler im Rahmen der gescheiterten Übernahme 2008 geparkten 20,8 Millionen Conti-Aktien wurden laut einer Schaeffler-Mitteilung zu 77,50 Euro je Aktie verkauft. Nach Marktpreisen hat der Anteil an Conti von rund 10 Prozent ein Volumen von etwa 1,7 Milliarden Euro.

Mit dem Verkauf nutzte Schaeffler die DAX-Rückkehr des Automobilzulieferers und Reifenherstellers vom Montag. Noch im Juli lag der Preis je Conti-Aktie bei nur knapp über 60 Euro. Am Montag, dem Tag der DAX-Rückkehr, kletterte er sogar zwischenzeitlich auf über 80 Euro. Bis zum heutigen Mittag fiel der Kurs allerdings wieder um gut 4 Prozent. „Mit der Transaktion ist es uns gelungen, die Kapitalstruktur der Schaeffler Holding weiter zu verbessern. Durch die Beendigung der Vereinbarung mit M.M.Warburg & CO und dem Bankhaus Metzler reduzieren wir zudem Komplexität in der Beteiligungsstruktur“, sagt Klaus Rosenfeld, CFO der Schaeffler Holding. Die Aktien wurden bei internationalen Investoren platziert.

Ihr Erlös soll zum Schuldenabbau verwendet werden. Im Rahmen der Refinanzierung  will die Schaeffler Holding ihre Verbindlichkeiten von 5,1 Milliarden Euro um rund 1,6 Milliarden Euro auf 3,5 Milliarden Euro verringern.
Durch den Anteilsverkauf steigt der Streubesitz der Continental-Aktie von derzeit 39,7 Prozent auf 50,1 Prozent. Schaeffler bleibt mit 49,9 Prozent aber Hauptaktionär des Zulieferers Continental. Das Unternehmen aus Herzogenaurach unterstrich auch, dass die Beteiligung an dem im DAX notierten Unternehmen langfristig und strategisch ausgelegt sei. Conti wird seit diesem Montag erstmals seit 2008 wieder im DAX geführt.

Kehrtwende bei Schaeffler: Schuldenabbau statt Wachstum

Der forcierte Schuldenabbau in Herzogenaurach zeigt aber auch, dass die Krise mittlerweile in der deutschen Automobilbranche angekommen ist. Noch im März dieses Jahres sagte Finanzvorstand Rosenfeld auf der Bilanzpressekonferenz, dass Wachstum die höhere Priorität für das Unternehmen als die Reduzierung der Schuldenlast habe. Obwohl der Umsatz 2011 um 13 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro zulegte und Schaeffler mit einem EBIT von 1,7 Milliarden Euro die eigenen Erwartungen übertraf, ging die Verschuldung nicht zurück. Die Netto-Finanzverschuldung belief sich Ende 2011 auf 7,1 Milliarden Euro. Auch für 2012 insgesamt rechnete das Unternehmen damals nicht mit einem deutlichen Rückgang der Schulden.

Mit dem Verkauf der Conti-Aktien zum Zweck des Schuldenabbaus  beweist CFO Rosenfeld, dass er die Zeichen der Zeit erkannt hat. Schaeffler und sein Finanzchef werden nicht die einzigen bleiben, die hart gegensteuern müssen. Erste Bremsspuren sind bereits sichtbar. Volkswagen hat seine Zulieferer bereits vor gut zwei Wochen vor möglichen Produktionsrückgängen gewarnt. Die Planzahlen der deutschen Automobilzulieferer müssen daher gesenkt werden. „Viel zu spät“, sagt jedoch Christoph Stürmer, Branchenanalyst beim Analysehaus IHS Automotive zu FINANCE. „Schon im zweiten Quartal hat sich die Dynamik abgeschwächt.“

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de

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