Arndt Beneditk

25.01.18
CFO

Siemens, Steinhoff und die Paradise Papers

Siemens steht vor einem der größten Börsengänge der vergangenen Jahre – auch sonst ist Deutschlands größter Industriekonzern im Umbruch. Was die Risiken dabei sind, erfahren Sie in der neuen FINANCE – heute schon als E-Paper.

Börsengang, Joint Venture, Restrukturierung: 2018 wird ein Jahr des Umbruchs für Siemens. Insbesondere der IPO der Medizintechniksparte war bislang von Pannen geprägt. Das führte dazu, dass Siemens Mitte November Healthineers-Finanzchef Thomas Rathmann gegen Controlling-Chef Jochen Schmitz austauschte. Schmitz hinterließ dieser Tage vor Investoren einen deutlich souveräneren Eindruck als sein Vorgänger, noch vor Ostern könnte der IPO über die Bühne gehen, glaubt der Großteil der Banker und Investoren.

Healthineers ist allerdings nicht das einzige Großprojekt von Siemens-Chef Joe Kaeser. Der ehemalige CFO ist an mehreren Fronten gefragt: Die Windenergiesparte Siemens Gamesa ist nach zwei Gewinnwarnungen angezählt. Hier soll ein neues Personaltableau den Turnaround bringen. Zudem wollen die Münchener im Zuggeschäft bald das Joint Venture mit Alstom unter Dach und Fach bringen – kulturelle Schwierigkeiten dürften hier wie bei Gamesa programmiert sein. Die vollständige Analyse zum Neustart bei Siemens lesen Sie in der Titelgeschichte von FINANCE, die bereits heute als E-Paper erhältlich ist.

Kommt jetzt endlich die IPO-Welle?

Siemens Healthineers, Knorr-Bremse, Deutsche Asset und noch weitere bekannte Namen – gleich mehrere große IPOs stehen bereits in den Startlöchern oder sind für dieses Jahr angekündigt. Im vergangenen Jahr lag das Volumen allerdings unter Vorjahr. Was hält viele Unternehmen noch zurück, an die Börse zu gehen? Was sind die aktuellen Trends bei Börsengängen? FINANCE-Redakteure trafen sich mitten in der Frankfurter City mit CFO Emmanuel Thomassin, der mit dem Essenlieferanten Delivery Hero den größten IPO 2017 hingelegt hat. Mit am Tisch saßen die Kapitalmarktexperten Foruhar Madjlessi (Deutsche Bank), Jürgen Hackenberg (Union Investment) und Dirk Busch (Hengeler Mueller). Der Konsens: Alle rechnen mit einem lebendigen IPO-Jahr 2018.

Aber die Experten brachten auch kritische Themen aufs Tablett: Bei Gewinnprognosen wünschen sie sich mehr Flexibilität der Aufseher. Und besonders gegenüber IPOs von Unternehmen mit Private-Equity-Hintergrund und Privatplatzierungen herrscht bei den Investoren nach wie vor eine gewisse Skepsis.

Steinhoff wird von den Anlegern vermöbelt

Mehr als diese schlägt Steinhoff entgegen. Wenn ein Börsenwert in den vergangenen Wochen für negative Schlagzeilen sorgte, dann der schwer angeschlagene Möbelriese. Anfang Dezember vergangenen Jahres sorgte ein über 30-seitiges Papier des Shortsellers Viceroy für Aufregung: Fragwürdige Geschäfte mit außerbilanziellen Firmen, überteuerte M&A-Deals, fehlende Transparenz, zu hohe Verschuldung. Kurz: Der faire Wert der Steinhoff-Aktie müsste bei der Hälfte liegen. Nachdem der MDax-Konzern tatsächlich bilanzielle Unregelmäßigkeiten eingeräumt hatte, rauschte der Aktienkurs in die Tiefe – Aktionäre und Gläubiger sind tief beunruhigt. Wegen der schwachen Kassenlage scheint selbst das Schlimmste nicht ausgeschlossen.

In der neuen Ausgabe präsentieren wir eine Analyse der Situation, die verworrener kaum sein könnte. Es gibt allerdings Hoffnung, wie sich während der Recherchen herausstellte: Der Konzern konnte Kreditinstitute noch motivieren, frische Rettungskredite via Südafrika zur Verfügung zu stellen, wie wir bereits vorab exklusiv vermeldeten.

Die Reaktion der Märkte ließ nicht lange auf sich warten, der Aktienkurs schoss unmittelbar nach Versand unseres FINANCE-Daily-Newsletters um knapp 12 Prozent in die Höhe. Die Meldung wurde alsbald von Steinhoff bestätigt. Anfang dieser Woche füllte die Gruppe auch noch durch den Verkauf von PSG-Anteilen ihre Kasse weiter auf. Trotzdem ist der Konzern noch nicht gerettet – seine Situation weckt Erinnerungen an einen anderen Fall, der in der Pleite und in Haftstrafen für wichtige Manager mündete.  

Paradise Papers und die Big Four

Haft kann auch bei Steuerhinterziehung drohen. Immer mehr zum heißen Eisen werden die Steuervermeidungsstrategien von Konzernen und Mittelständlern, insbesondere nach den Enthüllungen verschiedener Internetplattformen. Nach Luxemburg Leaks, den Panama Papers und zuletzt den Paradise Papers stehen auch deutsche Unternehmen am Pranger – besonders wenn sie, wie etwa Siemens, immer wieder genannt werden.

Im neuen Magazin haben wir die Rolle der Big Four bei den Paradise Papers genauer beleuchtet. Gerade durch ihre globale Aufstellung sind KPMG, PwC, EY und Deloitte prädestiniert dafür, Steuervermeidungsstrategien zu empfehlen. Steigende Erträge im Steuerberatungsgeschäft zeigen ihren Erfolg. Doch Vorsicht ist angesagt: Der Rat der Berater kann gefährlich sein. Bei einigen dieser Fälle kann es sich um handfeste Steuerhinterziehung handeln, erklärt Janika Sievert gegenüber FINANCE. Die Rechtsanwältin der Beratungsgruppe Ecovis muss es wissen, denn sie war bereits als Strafverteidigerin in Fällen der Panama Papers tätig.

Vonovia-CFO Stefan Kirsten im Portrait

Mit steuerlichen Verfehlungen hatte Stefan Kirsten bisher keine Probleme. Dennoch hat der streitbare Manager in seiner Karriere zahlreiche Höhen und Tiefen erlebt. Nach Stationen bei Metro und Thyssenkrupp führte es Kirsten erst einmal ins Ausland und dann 2011 wieder zurück nach Deutschland zur damals kriselnden Deutschen Annington.

Mit dem inzwischen in Vonovia umbenannten Immobilienkonzern erlebte er einen rasanten Aufstieg. Nach einer Finanzrestrukturierung, dem Börsengang und Anleiheplatzierungen garniert mit transformatorischen M&A-Deals erhielt Kirsten im vergangenen November von FINANCE die Auszeichnung „CFO des Jahres“. Im Interview in der neuen Ausgabe gibt Kirsten spannende Einblicke in seine Karriere und seine Ideen davon, was in den nächsten Jahren für ihn noch kommen soll.

Prof. Dr. A. Stefan Kirsten, Vonovia SE

Stefan Kirsten arbeitet nach dem Studium zunächst bei Arthur Andersen in der Wirtschaftsprüfung. Im Oktober 1987 wechselt er zu Rheinmetall Wehrtechnik, wo er Assistent des CEO wird. Nach einer Station im Controlling des Markenartiklers WMF sowie in der Finanzabteilung von EMI Music wechselt Kirsten 1996 als Group Controller zum Handelskonzern Metro, wo er 2000 Finanzvorstand wird.

2002 wechselt er als CFO zu ThyssenKrupp, bevor er 2007 als CEO des Handels- und Immobilienkonzerns Majid Al Futtaim Group in die Vereinigten Arabischen Emirate geht. Nach Stationen bei der Managementberatung SCCO International und der portugiesischen Unternehmensgruppe Jeronimo Martins SGPS wechselt Stefan Kirsten im Januar 2011 als CFO zur Deutschen Annington, die sich nach der Übernahme von Gagfah in Vonovia umbenennt. Im November 2017 wird Kirsten für seine Arbeit zum CFO des Jahres 2017 gekürt.

zum Profil

Eine Personalie erreichte uns allerdings erst nach Redaktionsschluss: Künftig wird mit Helene von Roeder erstmals eine Frau in den Vonovia-Vorstand an die Seite von Kirsten einziehen. Sie wird zunächst die internen Finanzen des Immobilienkonzerns leiten – aber wer weiß: Vielleicht kann die erfahrene Investmentbankerin dereinst auch die Nachfolgerin von Kirsten werden. Vonovia ist auf jeden Fall immer für eine unerwartete Wendung gut.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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