Nach dem ersten Schock durch das Coronavirus schauen CFOs wieder positiver in die Zukunft. Sie wollen mit Schwung aus der Krise kommen.

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10.11.20
CFO

So kommen die CFOs durch die Coronakrise

Die ersten Monate im Corona-Modus haben die CFOs überstanden – und die meisten stehen nicht so schlecht da, wie im Frühjahr zunächst befürchtet.

Die Coronavirus-Pandemie hat im Frühjahr die Perspektiven für fast alle Unternehmen komplett durcheinander gewirbelt, doch mit einigen Monaten Abstand haben die meisten CFOs inzwischen offenbar ein ganz gutes Gespür dafür, wie die Krise ihr Geschäft beeinflusst. Das erste Zwischenfazit macht Hoffnung: Ganz so schlimm, wie im Frühjahr zunächst befürchtet, waren die Folgen für die meisten Unternehmen offenbar bislang nicht.

Darauf deuten die Ergebnisse des aktuellen FINANCE CFO Panels hin, für das die Redaktion in Kooperation mit Horváth & Partners Finanzchefs in Deutschland anonym zu ihrer aktuellen Markteinschätzung befragt hat. Mehr als 100 Finanzverantwortliche beteiligten sich an der Befragung, die in der zweiten Septemberhälfte stattfand. 

CFOs haben zu Corona mehr Klarheit

Die gute Nachricht lautet: Gut die Hälfte der Teilnehmer hat die ersten Corona-Monate besser überstanden als zunächst befürchtet. Jeder dritte CFO konstatiert bei der Herbst-Befragung, dass sein Unternehmen deutlich besser dastehe, als im März prognostiziert. Bei weiteren 28 Prozent haben sich die Geschäfte zumindest „etwas besser“ entwickelt als erwartet. Bei etwa jedem vierten CFO entspricht die aktuelle Situation in etwa den Erwartungen. Nur bei rund 12 Prozent der Teilnehmer ist die Lage heute schlechter oder sogar deutlich schlechter als im Frühjahr vorhergesagt.

„Im Frühjahr war kaum abzuschätzen, was auf uns zukommen würde. Da ist es nachvollziehbar, wenn CFOs lieber konservativ planen“, findet Kai Grönke, Partner im Competence Center Controlling & Finance von Horváth & Partners.

Er attestiert vielen Finanzern bereits wieder Aufbruchstimmung: „Ich sehe derzeit bei den meisten Unternehmen eine positivere Zukunftserwartung: Nach dem ersten Schock dominiert nun der Wunsch, wieder mit Schwung aus der Krise zu kommen“, beobachtet Grönke.

„Es dominiert nun der Wunsch, wieder mit Schwung aus der Krise zu kommen.“

Kai Grönke, Horváth & Partners

Coronakrise verändert Arbeitsweisen

Neben den wirtschaftlichen Folgen sehen die Finanzchefs durch die Coronakrise allerdings auch Veränderungen in der Arbeitsweise des Finanzbereichs auf sich zukommen. So rechnen rund 70 Prozent damit, dass Digitalisierungsmöglichkeiten infolge der Coronakrise intensiver genutzt werden (Mehrfachnennungen waren möglich).

Dazu passt auch, dass inzwischen wieder mehr Finanzchefs die Digitalisierung von Prozessen in der Finanzabteilung zu ihren drei Top-Prioritäten zählen. Diese Aufgabe war im Frühjahr auf der Prioritätenliste nach unten gerutscht und zählte für nur noch 15 Prozent der CFOs zu den drei wichtigsten Aufgaben. Inzwischen liegt der Wert wieder bei 18 Prozent (Herbst 2019: 25 Prozent).

Ähnlich sieht es bei der Digitalisierung des Geschäftsmodells aus: Diese haben viele Unternehmen wieder auf der Agenda nach oben geholt – für einige Teilnehmer könnte dies auch ein Weg sein, mit neuen Angeboten durch die Krise zu kommen. Zählte diese Aufgabe im März noch für 14 Prozent der Befragten zu den drei wichtigsten Themen, sind es inzwischen wieder 19 Prozent (Herbst 2019: 23 Prozent).

„Viele CFOs haben die Sandalen aus- und die Turnschuhe angezogen.“

Achim Wenning, Horváth & Partners

„Digitale Geschäftsmodelle haben in der Coronakrise profitiert. Das ist sicher ein Grund dafür, dass wieder mehr CFOs die Digitalisierung des Geschäftsmodells im Arbeitsalltag priorisieren“, sagt Achim Wenning, Partner im Competence Center „CFO Strategy & Organization“ bei Horváth & Partners. Er glaubt, dass die Coronakrise auch bei der Digitalisierung von Strukturen und Prozessen in der Finanzabteilung für Vortrieb sorgen wird.

In den zurückliegenden Monaten haben viele CFOs Erfahrungen mit neuen Tools und mit Formen der virtuellen Zusammenarbeit gemacht – wenn auch zunächst gezwungenermaßen. „Das verlief mitunter etwas holprig, hat aber in der Regel erstaunlich gut funktioniert“, bilanziert Wenning. Nun gehe es darum, diese Ansätze außerhalb der akuten Krisenbewältigung in die operative Arbeit zu integrieren und sinnvoll weiterzuentwickeln. „Das ist noch ein weiter Weg, aber viele CFOs sind jetzt bereit loszulaufen. Sie haben die Sandalen aus- und die Turnschuhe angezogen.“

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Wann die CFOs mit einer Rückkehr zum Umsatzniveau vor der Coronakrise rechnen, welche Entwicklungen sie für die deutsche Wirtschaft insgesamt erwarten und wo sie ihre Prioritäten im Arbeitsalltag setzen, lesen Sie in der Herbstausgabe des FINANCE CFO Panels.