Gutes Supply-Chain-Finance-Management kann Kosten reduzieren und Cash freisetzen. Dennoch schrecken viele Finanzchefs davor zurück.

Thinkstock/Getty Images

09.04.15
CFO

Supply Chain Finance vielen CFOs zu teuer

Rigides Supply-Chain-Finance-Management setzt fast immer in hohem Maße Kosten und Cash frei. Dennoch schrecken viele Finanzchefs davor zurück. Das liegt auch an den hohen Investitionskosten.

Die Liquidität verbessern, das Working Capital optimieren und die Kosten reduzieren: Das sind laut eines White Papers des Analyse- und Research-Instituts Aite Group, das in Zusammenarbeit mit dem US- IT-Dienstleister Taulia erstellt wurde, die Top-Prioritäten von CFOs und Treasurern. Die CFOs glauben zudem, dass neue Instrumente und Technologien aus dem Bereich Supply Chain Finance (SCF) helfen können, diese Ziele zu erreichen.

In dem Papier berichten 15 CFOs und Treasurer aus Europa und Nordamerika, wie Software-as-a-Service-Technologie (SaaS) die Lücken schließen kann, die SCF-Instrumente hinterlassen. Die Sorgen der Finanzchefs drehen sich dabei zumeist um die Themen Sicherheit und Datenverlust.

Supply Chain Finance: Dynamische Rabatte auf dem Vormarsch

Die klassischen Instrumente, um Cash aus der Lieferkette freizusetzen, sind das klassische Factoring und das umgekehrte Factoring. Aber es gibt auch neuere Instrumente wie die dynamische Diskontierung auf Seite der Verbindlichkeiten. Dabei verhandelt der Abnehmer einen Rabatt mit seinem Lieferanten. Je früher der Abnehmer die Rechnung begleicht, desto weniger muss er am Ende zahlen. Noch ist es üblich, dass eine feste Deadline gesetzt ist, wann die Rechnung bezahlt werden muss. Falls das Geld mit einem Tag Verspätung eintrifft, gibt es keine Chance mehr auf eine Ermäßigung.

Das Problem: Um die Vorteile wirklich nutzen zu können, müssen die Finanzabteilungen permanent den Überblick über Rechnungen für Aufträge behalten, für die eine dynamische Rabattierung vereinbart wurde. Das kann ordentlich persönliche Ressourcen binden. Zwar gibt es auch hier Softwarelösungen, die das mit deutlich weniger Aufwand transparent machen. Aber diese müssen erst einmal in die Softwarelandschaft der Finanzabteilung eingebaut werden – ein Aufwand, den manche CFOs scheuen, auch aus Angst davor, den Überblick über die eigene Systemlandschaft zu verlieren.

CFOs scheuen die Kosten von SCF-Plattformen

Dies zeigen auch die Tiefeninterviews, die für das Whitepaper geführt wurden. In einer Umfrage der Aite Group aus dem März 2014 unter 107 europäischen und asiatischen Managern, gaben zudem 31 Prozent der Befragten an, dass sie nicht auf spezielle IT-Lösungen für die Supply-Chain-Optimierung zurückgreifen wollen und dies auch nicht in absehbarer Zukunft planen. Als Hauptgrund werden die damit verbundenen Kosten genannt.

Das Research-Institut Aite verweist aber darauf, dass Software-Lösungen auch bedarfsgerecht aus der Cloud angefordert beziehungsweise gemietet werden können. Solche Cloud-Lösungen („Software-as-a-Service“) könnten zudem die Effizienz von Unternehmen erhöhen, da über sie Informationen direkt und schnell ausgetauscht werden können.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Die vollständige Studie können Sie als registrierter MyFINANCE-Nutzer kostenlos in unserer FINANCE White-Paper-Library herunterladen.

Spannende Entwicklungen in der Lieferkettenfinanzierung lesen Sie auf unserer Themenseite Supply Chain Finance